Football’s comin‘ home

Natürlich wollte ich auch letztes Wochenende1 meinen Senf dazugeben, als mir diese Unsympathentruppe aus dem äußersten Südosten der Republik persönlich so die Fresse poliert hat, dass ich nur noch durch völlige Ignoranz der Realität in der Lage war meine Begeisterung für den Fußballsport aufrechtzuerhalten. Ausgerechnet …aber Schwamm drüber, Mund abwischen es bringt ja nichts.

Sicher fahre ich ans Millerntor um richtigen Fußball zu sehen in einer authentischen Umgebung und nicht irgendeine Plastikscheiße aus Kommerz, Söldnertum und Beliebigkeit. Aber ich fahre auch ans Millerntor und zu Spielen des magischen FCs wegen der Fans und einige von diesen sind auch meine Freunde geworden, die ich schmerzlich vermisse und eifersüchtig beobachte wenn ich dann einmal nicht dabei sein kann.

Es war somit nur logisch den Saisonabschluss in Mainz zu erleben und es benötigte nur einen kleinen Anschubser von Frau Jekylla um mich ins Rheinland zu bringen und ich bereue es überhaupt nicht, denn dieser fantastische Tag wird mich nach allen sportlichen und menschlichen Entäuschungen die mein geliebter Verein mir in den letzen Wochen und insbesondere in den letzten Tagen zumutete und über die harte Zeit der Sommerpause und der bangen Sorge um die weitere Entwicklung des FC St. Paulis und seiner Vereinsführung ein wenig leichter bringen. Dank der tatkräftigen Unterstützung der Mainzer Fans und der Verantwortlichen des 1. FSV Mainz 05 wurde dieser letzte Bundesligaspieltag nicht nur ein rotweißes, sondern auch ein wenig ein braun-weißes Fest. Gut gespielt, dennoch verloren, dass gab’s insbesondere in der Hinrunde sehr häufig und jetzt ist’s auch egal… wir spielen 2. Liga und das ist auch gut so…

Frau Jekylla hat bereits einen großartige Tonspur zum gestrigen Tag geliefert und andere werden folgen, ich werde deshalb hier mal ein paar Bilder dazuliefern…

Erst mal ein paar Statements…

Das Mainzer Stadion am Bruchweg hat nach 74 Jahren fertig und wird durch einen Neubau am Stadtrand ersetzt …liebe Mainzer, ich hoffe ihr wisst was ihr da tut …

Und eine tolle Choreo nicht nur für den Bruchweg, sondern auch zum Einzug des 1. FSV Mainz 05 in den UEFA-Pokal. Obwohl ich kein Europapokalfan bin freut mich das für den Gastgeber und noch mehr freut es mich dabei gewesen zu sein und das verdanke ich dem FC St. Pauli 🙂

Choreo der Fans des 1. FSV Mainz 05

Die Fans beider Seiten sind das was man sich als Fußballfan nur wünschen kann, so macht das einfach Spaß …

Und wer hiervon keine Gänsehaut bekommt ist definitiv kein Fußballfan…

You'll Never Walk Alone am Mainzer Bruchweg

 

♪♫♪ Europapokal, Europapokal, Europapokal …Eu-Ro-Pa-Pokal…♪♫♪ für Mainz und für uns die geliebte 2. Liga…

Nun, so ganz ungetrübt war das Feiern für uns leider nicht, galt es doch von zwei verdienten Weinen des St. Pauli Volkes Abschied zu nehmen. Florian „Lelle“ Lechner und Marcel „Egi“ Egner, beiden wurden die Verträge nicht verlängert und wer Genaueres erfahren will, lese die einschlägigen Blogs oder geht am Besten da hin:

In Mainz sah das so aus…

Lelle und Egi verabschieden sich von den Fans …

Tschüß Ihr zwei …!! Und tschüß 1. Bundesliga …wir kommen wieder, aber erst wenn ihr reif für uns seit. In der Zwischenzeit müssen wir uns allerdings mal um ein paar Internas kümmern, da gibt es nämlich viel zu tun, zuhause am Millerntor. Ein paar Kapitalisten gehört in den Arsch getreten und wer, wenn nicht wir, die Fans und Vereinsmitglieder soll das tun? Deshalb nun …der Abspann …

Placebo – The Bitter End

1nach dem Klick

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Eiertänze

Im Gegensatz zu den Eiern, die uns die Fische legten, waren diese hier höchstwillkommen wenn auch strengenommen einen Tag zu früh. Als guter Ex-Katholik hielt ich mich auch einigermaßen an das Fleischverbot an den Kartagen (ist ja nicht nur der Freitag, Jesus war ja 2 Tage tot) und stärkte mich mit Bier, Rühreiern, Krabben und eben jenen von Frau @TantePolly handbeklebten Eiern. Eigentlich ein Wunder, dass ich am Abend noch über den Kiez laufen konnte ohne das mein Geld an zwielichtige Angebote verlustig ging.

Zum Spiel, dessen Verlauf und Implikationen möchte ich nichts mehr sagen, dass machen andere viel besser und es gibt Dinge, die sollte man ruhen lassen…

Was man allerdings wirklich betonen muss ist: a.) Es ist noch nicht vorbei und dieseshalberdestowegen halte ich meine Erstliganalyse zurück bis zum Ende (nicht zum „bitteren“, soviel kann ich jetzt schon sagen) und b.) Egal was auch geschieht: Der FC Sankt Pauli, „die Bezugsgruppe“ und die tolle Atmosphäre am Millerntor, das alles wird weiter existieren und mehr muss man als Fußballfan eigentlich auch gar nicht erwarten …

Das Herz von St. Pauli – Kurzversion in braun-weiß

Was mich ein wenig nachdenklich stimmt ist meine mögliche, höchst zweifelhafte Existens als Seuchenvogel …ja richtig, ich trage mich ein wenig mit den sorgenvollen Gedanken, dass es möglicherweise meine Anwesenheit ist, die es einer von mir favorisierten Mannschaft nicht erlaubt zu gewinnen. Ich schließe das aus folgendem Sachverhalt:

Am Ostersonntag war ich auf maximale Tagesausbeute gebürstet und so beschloss ich kurzfristig mich auf’s Fahrrad zu schwingen um die 13 Kilometer an die alte Försterei zu radeln und dort einen Unioner Heimsieg gegen die zweite Mannschaft von Wolfsburg zu sehen. Wenn man die Ticketproblematik am Millerntor kennt überträgt man dies automatisch auch auf andere Vereine und als ich schließlich am Stadion angekommen war, begann auch gleich eine hektische Suche nach einem Ticket und zwar bis ich auf die glorreiche Idee kam einfach an der Kasse eines zu kaufen *kopschüttel* …aber so ist das eben.

Anschließend ging’s auf eine ostermäßig standesgemäße Suche nach zwei versteckten EiernFreunden, was sich als müh- aber auch sehr unterhaltsam und schließlich auch erfolgreich darstellte, wähnte ich die beiden nicht gerade unter den Unioner Ultras, aber so hatte ich wenigstens dank Madleen & Mark die geballte Ladung Atmosphäre …

Stadionatmosphäre 1. FC Union Berlin in der alten Försterei

Gut, Union und Ingolstadt sind beide durch mit ihren Saisonzielen, insofern war nicht gerade Beineausreißen angesagt, aber allein aufgrund der Chancen hätte Union einen lockeren Dreier einfahren müssen, aber es wurde nur ein Unentschieden und da kommt nun mein etwaiger Seuchenvogelstatus ins Spiel und ich sage das nicht nur um mich selbst zu kasteien, dieses Argument wurde auch schon, wenn auch zaghaft scherzhaft, von anderer Seite geäußert. Ich werde das mal empirisch untersuchen, allerdings erst wenn ich Lust dazu habe.

Danach bin ich zurückgeradelt und habe mir auf dem heimische Balkon die Sonne auf den Bauch brennen lassen, bis diese schließlich weg war und ich mich wieder zum Joggen in den Volkspark begab. In brotartig fertigem Zustand habe ich mich anschließend erstmal noch auf das Sofa gefläzt und ein wenig geschlafen um fit genug zu sein für die nächtliche Sause, die Trashcave im Bassy Club. Das Aufrüschen war zwar etwas komplizierter, weil ich mich mal wieder an Kontaktlinsen wagte und ich dabei einfach keine Übung habe, aber schließlich waren die Dinger appliziert und nach ca. 30 Minuten war die Reizung soweit abgeklungen, dass ich mir zumindest die Wimpern tuschen konnte …aber egal, dass war es wert. Im Gegensatz zum Jahr zuvor hatten die Veranstalter etwas mehr Wert auf den eigentlichen Hintergrund der Party gelegt und somit war das Publikum zum weitaus größten Teil eine Augenweide …ich hoffe schwer, es wird im Netz auch ein paar Bilder geben. Mir jedenfalls hat’s gefallen und nichtmal diese blöden Viecher konnten mir heute morgen um 05:00h die Laune verderben …

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In der 88. Minute …

… ist dem Fußballgott eingefallen, dass er einen VW fährt. Anders ist das nicht zu erklären, denn was der magische FC da gestern ablieferte war eigentlich 6 Punkte würdig. Aber schon das 1:0 war eine Farce und damit mein‘ ich nicht die Fehlentscheidung des ansonsten sehr passabel agierenden Schiedsrichters Dr. Brych, sondern wiederum das Pech des Tüchtigen. Zu diesem Zeitpunkt hätte es eigentlich schon 3:0 (ok :1, der Pfosten) für St. Pauli heißen müssen. Wolfsburg war grottenschlecht und damit mein‘ ich nicht nur die Fußballer, sondern auch deren Fans. Eins wurde gestern wieder einmal völlig klar (und die Spatzen twittern es ja auch von den Dächern) wenn’s um Fußball geht ist Sankt Pauli wahrlich die einzige Möglichkeit und dabei ist die Liga scheißegal!

Wir, d.h. die fiebergesenkte Frau @jana_log und ich, sind gestern mit dem Bus nach Wolfsburg gefahren. Organisiert wurde das Ganze von den Reisejunkies aus dem Oberbaumeck. Und das mal gleich vorweg: Jungs, gut gemacht und ich hoffe inständig, dass ihr euer Malheur in den Griff bekommt (Insider), ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal!! Ausgestattet mit diversen Frühstücksutensilien ging’s um 11.00h vom S-Bahnhof Storkower Straße in diese Fabrik mit angeschlossenen Arbeiterbaracken auch Wolfsburg genannt …

… es tut mir leid das sagen zu müssen, aber in dieser „Stadt“ möchte ich echt nicht tot über den(m)1 Zaun hängen, aber das muss ich ja auch nicht. Angekommen an der VW-Arena ist dann der Weg vom Bus zum Eingang in den Gästeblock angenehm kurz und übersichtlich, logistisch natürlich nicht schlecht und so war es kein großes Hexenwerk den Herrn @bucanero1910 zu treffen, dem ich noch ein Paket Agitationsmaterial überreichen musste. Nach Erhalt unserer Karten betraten wir also das Stadion durch eine Torkonstruktion, die mich stark an die Separationsgitter von Schlachthöfen erinnerte kurz bevor man dem Vieh den Bolzen ins Hirn schießt. Es ist schon toll, was man so als Fußballfan auf sich nehmen muss, so als potentieller Gefährder. Die Farce wurde dann noch perfekt gemacht, als der Sicherheitsscherge am Eingang zunächst eingehend meinen Lippenstift untersuchte (ich hätte damit wahrscheinlich die Treppenstufen einfetten können um so Leib und Leben Unschuldiger zu gefährden) und ich dann meinen Stapel Panini-Sammelbilder abgeben musste um einen möglichen Sachschaden durch Vandalismus zu vermeiden (das ist kein Witz!!).

Über die Plätze konnte man allerdings nicht meckern, der Winkel zum Spielfeld war in Ordnung und auf den Kommerzoverkill incl. bankgesponsortem Zeppelin waren wir ja vorbereitet…

Die Stimmung im Gästeblock war sagenhaft und die unsägliche Beschallung der Stadionlautsprecher wurde bestens kompensiert. Das wunderschöne „You’ll never walk alone“ wurde durch die Akustik der „Ecke“ zum absoluten Gänsehauterzeuger. Wir feierten unseren magischen FC in unserer Kurve noch, als der Rest des Stadions sich schon fast zur Gänze geleert hatte. Und hatte ich schon vorher die Vorstellung von Willi Deutschmann als einen typischen Wolfsburger Eingeborenen, so wurde dieser Eindruck endgültig zementiert als irgendein Volkslied in der Halbzeitpause (jemand hat wohl das Niedersachsenlied, gesungen von Heino, identifiziert) aus der Stadionanlage trällerte.

Nach dem Spiel haben wir dann noch die Herren @sparschaeler und @textundblog getroffen und vor dem Bus noch einen kleinen Klönschnack abgehalten, bevor wir dann eben jenen enterten, wo wir dank Frau @jana_logs bekühlakkutem Kühlbeutel noch ein paar schöne kalte Astras vernichten konnten. Gegen 22:00h waren wir wieder am S-Bahnhof Storkower Straße in Berlin wo ein schöner, wenn auch nicht ganz befriedigender Tag schließlich zuende ging.

Am Samstag geht’s wieder nach Hamburg, in ein richtiges Fußballstadion und mit der Hoffnung, dass der Fussballgott nicht auch noch Becks-Trinker ist…

  1. hihihihihi []
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Toleranz ist nicht beliebig

Am Donnerstag abend haben Mono Inc. im Columbia Club gespielt und ich muss keine großen Worte dazu verlieren – es war fantastisch! Ich finde deren Musik einfach großartig, weil sie nur aus Ohrwürmern zu bestehen scheint und man aus dem Tanzen nicht mehr rauskommt. Und gestern war, obwohl es galt das neue Album vorzustellen, (fast) alles dabei was ich hören wollte und das auf einer Länge von über zwei Stunden. Ein weiteres Kompliment geht an die Supportband Lord of the Lost, die nicht nur optisch was hermachen sondern auch ein wirklich guten Gothrock spielen. Die Bilder kann man sich wie immer hier anschauen …

Es war ein nahezu perfekter Konzertabend …allerdings nur „nahezu“ und das ist der eigentliche Grund für diesen Blogpost, denn ich muss da mal was loswerden und vorallem erklären…

Seit Wochen gab es keine Gelegenheit mehr sich mal wieder so richtig ausgehtechnisch herauszuputzen und deshalb habe ich mich sehr auf das Konzert gefreut und mir sogar das Auto der Gefährtin geborgt um ja nicht durch witterungsbedingte Einflüsse den äußeren Eindruck zu beschädigen und dann komm‘ ich am Columbiaclub an und was muss ich sehen?

Selbstverständlich gab‘ es auch jene, die sich dem Anlass entsprechend kleideten, aber bei einem Großteil war ich mir nicht sicher, ob ich nicht vielleicht doch aus Versehen im ZDF-Fernsehgarten gelandet bin.

Es war so unglaublich, dass ich mich schon wie ein Äußerlichkeiten-Nazi anhörte …

Denn was man zusehen bekam war grausam…

…zudem beige und braune T-Shirts, Cargohosen und Feldmützen, Karoflanellhemden, Kreppsohlenschuhe und ähnliche Geschmacksverirrungen, ich war sprachlos …

… wie kommt man darauf so auf ein Gothic-Konzert zu gehen?

Natürlich durfte ich mir darauf die ganze Litanei von Intoleranz bis zum Neidvorwurf gegenüber kommerziell erfolgreichen Künstlern anhören. Auch sehr beliebt natürlich der Vorwurf, dass Mono Inc. genaugenommen auch keine gothic Band sei etc. pp.

Also, ich streite mich nicht darüber ob mir ein Musikstil gefällt oder nicht, genauso wenig wie es mir relativ egal ist, was der eine oder andere als „gothic“ versteht, da kann man sowieso streiten bis man schwarz wird. Und um es mal klar zu sagen, ich bin auch kein dogmatischer Mainstreamgegner.

Gothic ist (genau wie andere „Szenen“ auch) verbunden mit einem Lebensgefühl und nicht „nur“ ein Musikstil. Wenn man die Musik gutfindet, sollte man auch das dahinterstehende Lebensgefühl verstehen und achten und wenn man sich dann noch in das entsprechende Umfeld begibt sollte man sich zumindest ein wenig dementsprechend verhalten um nicht diejenigen zu beleidigen, die in diesem Lebensstil aufgehen. Ich verlange nicht viel, aber ist es denn so schwer sich ein paar schwarze Klamotten anzuziehen und die Fjäll-Wolfface Jacke in SOS-Orange an der Garderobe abzugeben? Ich habe keine Lust mir eine tolle Atmosphäre durch Leute kaputtmachen zu lassen, denen die Beliebigkeit dessen was sie tun schon zu den Ohren herauskommt. Die alles was nur irgendwie von Boulevardmedien gehypt wird mitspielen, jeden noch so dämlichen Plunder zum Trash erklären und dabei jeden Sinn von Individualität auf den Altären des Kommerzes opfern. Wer unbedingt meint bunte Hawaiihemden und Strohhüte tragen zu müssen, darf das von mir aus gerne tun, aber dann bitte am Ballermann auf Mallorca und nicht auf dem M’era Luna. Und wer gern HipHop hört hat mannigfaltig Möglichkeiten, dafür muss man nicht ein Festival machen mit einer kruden Mischung aus Bands, die lediglich die CD-Verkaufszahlen gemeinsam haben. Dies alles dient nur dem Kommerz und der seelenlosen Industrie, die dahinter steht und über uns lacht, weil sie uns mit ihren künstlichen Moden in ihr massentaugliches Produktschema hineinnivellieren will um uns mit billigsten Fließbandproduktion das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich will das nicht und deshalb wehre ich mich gegen diese Beliebigkeit auch wenn das von vielen nicht verstanden wird.

Und wenn, wie am Beispiel der Band Unheilig geschehen, man den unbedingten und totalen kommerziellen Erfolg will, dann ist es für mich untragbar, wenn dies mit Mitteln geschieht, die ganz klar nichts mehr mit dem zutun haben, was man eigentlich propagiert. Natürlich liegt es nahe, die „Exotik“ auszunutzen mit dem Ziel sich darüber ins Gespräch zu bringen, aber ich lehne das vehement ab und da bin ich auch nicht mehr bereit darüber zu diskutieren und da nützt es auch nichts, dass es trotzdem noch das eine der andere gute Musikstück gibt, den wie gesagt gothic ist mehr, wie nur die Musik und dieses „mehr“ ist eben nicht mehr existent.

Also hört mir auf mit eurer Relativiererei, eurem „Verständnis“, eurer ach so tollen Toleranz gegenüber einem unerträglichen Niveau, welches nur darauf angelegt ist euch zu Schafen zu machen, die bereitwillig jedem den Geldbeutel zu öffnen, der euch das Denken abnimmt …

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Ernüchtert und verkatert

Es war ein so wichtiges Spiel und es sah nicht schlecht aus für den magischen FC. Trotz vieler verletzungsbedingter Ausfälle spürte man einen großen kämpferischen Willen bei den Boys in Brown, unterstützt durch ein von Anfang an lautstarkes Publikum. Millerntor-Roar-Atmosphäre galore …

Und es hätte so schön sein können bis zum Führungstreffer der Knappen in der 26. Minute, der kam zwar nicht aus heiterem Himmel, aber es hätte durchaus einmal andersrum sein können, die Chancen für St. Pauli waren da. Ein wenig Verzweiflung war schon zu spüren, schon wieder rennt man einem Rückstand hinterher. Aber zum Glück nur kurzfristig, dann spielte der FC St. Pauli wieder mit vollem Einsatz und wir auf den Rängen feuerten die Jungs nach Leibeskräften an.

Doch was dann folgte war eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die schließlich in dem „Treffer“ eines Becherwerfers endete, der zum vorzeitigen Spielabbruch führte …Lehmanns nichtgegebenes Tor, der Treffer zum 2:0 für Schalke quasi im Gegenzug, als alle noch dem vermeintlichen Ausgleich nachtrauerten, dann gelb-rote Karte für Kalla und schließlich glatt rot für Bartels. Dazwischen ein Publikum bei dem sich Frust und Trotz (großartig das „You’ll never walk alone“ 10 Minuten vor Schluss, …Sankt Pauli, we love you!) zu einer aggressiven Mischung verdichtete, die sich bei den einen in wüste Pöbeleien auf Schiri und DFB entlud (z.B. bei mir) und bei den geistig eher minderbemittelten im Werfen verschiedenster Gegenstände…

Auf der Nord haben wir vom Spielabbruch nichts mitbekommen, wir waren lediglich überrascht, dass das Spiel schon abgepfiffen wurde. Hätte ja auch zur vermeintlich schlechten Schiedsrichterleistung gepasst. Erst dank Twitter haben wir mitbekommen, was eigentlich tatsächlich passierte und dann waren natürlich den Spekulationen Tür und Tor geöffnet und die Diskussion darüber sollte die ganze Nacht lang währen. Und obwohl scheibchenweise klar wurde, dass man seine frustgeschwängerten Tiraden gegenüber dem ungerechten (Fußball-)Weltenlauf zumindest teilweise wird revidieren müssen, verrauchte die Wut darüber nur wenig bis gar nicht.

Jetzt, übernächtigt1 aber mit vollständigen Informationen versehen, muss ich hier Abbitte leisten, für das was mir gestern da verbal rausgerutscht ist. Bis auf den nichtgegebenen Ausgleichstreffer, der auch anders hätte bewertet werden können, gingen alle Entscheidungen von Schiri Aytekin vollauf in Ordnung und zwar ohne wenn und aber.

Das „haltet den Dieb“ im Nachlauf auf den Bierbecherwurf auf Linienrichter Schiffner ist eigentlich Quatsch, denn das Werfen von Gegenstände war spätestens mit der roten Karte für Bartels „etabliert“. Auch wir wurden mit Bier aus Bechern die irgendwelche Spacken hinter uns nach vorne warfen überschüttet,  blöderweise erwischt man diese Typen im Gedränge nicht so einfach, denen hätten wir schon was gehustet.  Eigentlich war der Wurf auf Schiffner eben nur ein „Treffer“ und die Übersichtlichkeit der Haupttribüne lässt eine Identifizierung eher zu. Das dieses völlig verblödete Verhalten zurecht geahndet wird ist vollkommen in Ordnung und sollte es zur „Sippenhaft“ kommen, können wir uns darüber nicht mal beschweren, den diese Vollidioten stammen aus unserer Mitte und es ist unsere Pflicht soetwas zu verhindern.

Was ein voller Bierbecher aus dieser Höhe ausrichten kann ist nicht unerheblich und jeder würde zuerst einmal in die Knie gehen, wenn ihn so ein Ding überraschend (!) im Genick  trifft, insofern verbietet sich eine Diskussion hinsichtlich der „Schwere“ des Vergehens und auch mildernde Umstände wegen des angestauten Frustpotentials oder gar eine Affekthandlung scheiden aus, denn es flog eben nicht nur der eine Becher, sondern viele Becher und andere Gegenstände…

Sportlich kann man sagen, dass der Klassenerhalt immer schwieriger wird und obwohl ich, wie schon öfter bereits angemerkt, die Flinte erst ins Korn werfen wenn gar nichts mehr geht, mir der Gedanke an die 2. Liga überhaupt keine schlaflosen Nächte bereitet. Zumal die sportliche Leistung der Mannschaft gestern beileibe keine schlechte war nur eben nicht ausreichend für das Gros der etablierten Bundesligavereine. Und schließlich hat man gestern wieder etwas erlebt, was ein wenig am Abklingen war, die großartige Atmosphäre in einem großartigen Stadion, diese ist einzigartig und würde zwar der Bundeliga „guttun“ (Ralf Rangnick nach dem Spiel im Interview), aber vielleicht ist die Bundesliga noch gar nicht bereit für so etwas.

Was mir wirklich Sorgen bereitet ist, dass nach solchen Ereignissen wie gestern der Verein zu einer Lachnummer verkommt, bzw. sich ein Image erwirbt, welches von den meisten seiner Fans zutiefst verabscheut wird. Mir treibt es die Tränen in die Augen wenn ich zunehmend solche Kommentare hören, respektive lesen muss2

…denn St. Pauli und seine Fans gehören eigentlich glorifiziert, für alles das wofür sie normalerweise stehen!

  1. Neben den üblichen äußerst liebenswürdigen Verdächtigen habe ich gestern @Sarahkiez, @Remaklation und den @Pantoffelpunk zu meiner RL-Sammlung hinzufügen dürfen und ein besonderer Dank an @diepauliane, @quotenrocker und @sparschaeler for help me make it through the night 😉 []
  2. wobei der Herr @hirngabel ein sehr honoriger und kundiger Twitterer ist []
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Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor (Babylon, Mitte) – Update

Hmmm …ich lass‘ mal zuerst jemand anderen zu Wort kommen:

Nun, offengestanden fällt es mir schwer diese Fragen zu beantworten, um das wirklich zu können müsste man wohl in Hamburg St.Pauli aufgewachsen sein und sich in diesem Kiez auskennen. Ich fang mal mit dem Positiven an:

Der Film ist kurzweilig, mit guter Musik unterlegt und die Szenen, die unmittelbar mit dem Spiel und dem Millerntor zusammenhängen sind für den Kundigen gänsehauterzeugend. Die Handlung wird rasant vorangetrieben, ist stellenweise sehr lustig und mit Liebe für Details gemacht, auch die mitwirkenden Laien sind Typen, wie sie einem wirklich rund um das Stadion begegnen. Der Film beginnt mit dem Schluss eines wichtigen Spiels und dauert 90 Minuten, wobei immer wieder retrospektiv die Ereignisse erzählt werden und sich dem laufenden Fußballspiel annähern. Die letzten Minuten des Films, quasi der Showdown, laufen dann linear ab – das Ganze ist ein klasse Erzählweise, wenn man es durchschaut hat 🙂

Die Crême de la Crême deutscher Schauspieler (und ich mein‘ das ernst, es sind wirklich die guten) ist nahezu vollständig versammelt und alle machen einen guten Job. Insofern ist Gegengerade tatsächlich ein guter Film, den man durchaus auch als Nicht-Fußballfan anschauen kann. Die Story könnte genausogut auch in einem anderen, von der Gentrifizierung betroffenen Kiez in irgendeiner anderen Stadt spielen. Ja, die Gentrifizierung St. Paulis wird thematisiert und Moritz Bleibtreu spielt den Immobilienhai absolut hassenswert, wenn auch eher ziemlich an der Realität vorbei (hoffe ich mal) …

Stichwort Realität. Da fängt es nun an etwas schwierig zu werden. Ich bin wirklich kein großer Fan des Staatsapparats, aber wie hier das „System“ dargestellt wird ist IMHO doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen (hoffe ich auch…). Ich verzichte auf eine Synopsis, denn die kann man überall nachlesen. Allerdings kann ich hier auch keine gültige Aussage machen, denn wir gesagt, ich wurde woanders sozialisiert. Die fiktive Handlung (wenigstens dass ist klar) vor dem Hintergrund des FC St. Pauli sollte frei von pauschalen Urteilen genossen werden, auch weil die politischen Motive der Handlung durchaus Gegenstand der politischen Fankultur des magischen FCs sind.

Das Blog des Übersteigers hat auch eine (wahrscheinlich mit Bezug zur Realität berufenere) Filmkritik die unbedingt lesenswert ist. Hier gibt’s ein Interview mit der Produzentin in der TAZ sowie eine weiteren Artikel zum Film. Bei der Filmpremiere in Berlin gab’s Tumult, aber warum weiß keiner so recht …

UPDATE: Auf St. Pauli FM gibt’s einen Bericht von der Premiere in Hamburg, unbedingt anhören, das bringt Licht ins Dunkel 🙂

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Ich denke, also bin ich St. Pauli!

Also …

…es geht um ein Bloggerprojekt, welches sich die Herren vom Magischen FC Blog und dem Lichterkarussell Blog ausgedacht hatten und bei dem ich, so wie’s aussieht ziemlich hinterherhänge. Aber immerhin habe ich jetzt alle bisherigen Beiträge verinnerlicht und kann nun hemmungslos plagiierenelaborieren, was mir wichtig erscheint…

Auch bei mir waren es mehrere Stationen, bis ich endlich da angelangt bin, wo ich jetzt stehe. Es ging und geht bei diesen „Stationen“ um Fußball, aber bei St. Pauli geht es um mehr als nur um das Spiel. Es ist Teil einer Entwicklung, Teil eines Lebensentwurfs und damit weit mehr als simples Vergnügen. Anders als einige Vorschreiber1 es interpretieren, sehe ich Nick Hornbys These, wonach sich nur wenige einen Fußballverein aussuchen, da dieser einem schlichtweg gegeben wird, als durchaus vertretbar an. Mir wurden die Vereine aufgrund der jeweiligen Lebensumstände gegeben, so auch schlussendlich der FC St. Pauli.

Deshalb werde ich Euch zunächst mit einer detaillierten Beschreibung meiner persönlichen, fußballfanatischen Entwicklung langweilen, damit klar wird warum es so kommen musste (und um den mich umgebenden Odem des „Modefans“ überzuparfümieren) um dann in einem pathetischen, aber in jedem Wort ernstgemeinten Appell  zu schließen …wohlan!

Aber warum denn ausgerechnet St. Pauli?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Stuttgart. In unserer Familie war Fußball immer ein fester Bestandteil, vor allem wegen meinem Großvater, der bis ins hohe Alter sportlich aktiv war unter anderem auch beim Fußball. Alle 2-3 Wochen besuchte er uns und dann stand am Samstag ein Stadionbesuch an. Er war ein Fan der Blauen und ich freilich der Roten. Ob es ins Waldau-Stadion oder ins Neckarstadion ging, hing davon ab wo gespielt wurde und es war auch völlig egal, denn mit dem Opa ins Stadion war immer ein Erlebnis. Samstags 18.00h war die Sportschau Pflichtprogramm und mein Vater beendete dafür immer seine Büro- oder Gartenarbeit, was unter der Woche nur zur Tagesschau üblich war. Ich selber habe nie in einem Verein gekickt, was bei der Reisefreudigkeit meiner Eltern schlichtweg nicht möglich war. Diese Reisefreudigkeit (vor über 30 Jahren mit dem Wohnmobil durch Nordafrika u.ä.) hat mir und meiner Schwester schon früh beigebracht, dass die Welt bunt und die Vielfalt die Normalität ist. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit waren in unserer Familie Fremdworte. Auch Homophobie war kein Thema, Dumme-Jungen-Sprüche wurden von meinem Vater missbilligt und auch entsprechend geahndet.

Pubertät und Adoleszenz in den glorreichen 80er Jahren, Samstagnachmittag beim Mofa- und Mopedschrauben mit Fußballliveübertragung im Radio, das war der Standard. Vom Popper zum Punk zum Heavy-Metal-Fan, Kuttenträger und später erste Orientierung Richtung gothic. Politisch konservativ mit enormem Linksdrall. Es war die Hochzeit der Hausbesetzerszene nicht nur in Hamburg und Berlin, auch in der Stuttgarter Neckarstrasse gab es Aktivisten und einige davon kannte ich. Da sah ich zum ersten Mal die Insignien, Buttons und T-Shirts mit einem Totenkopf und St. Pauli darauf – es ging um einen Fußballverein, den ich bis dahin nur als Fahrstuhlmannschaft am Rande wahrgenommen hatte. Was zunächst passierte war, dass ich Fan der Fans wurde2.

Dann kamen die 90er und ich zog nach Berlin um an der Freien Universität BWL zu studieren. Als irgendwann 1992 die Übertragungsrechte für die Bundesliga nicht mehr an die Öffentlich-Rechtlichen gingen sondern an irgendeinen dubiosen Vermarkter mit der Folge, dass die Sportschau bedeutungslos wurde und Sat1 mit seiner „Fußballshow“ eine von Fußball unterbrochenen Dauerwerbesendung startete, kam es zum ersten größeren Knacks zwischen mir und dem Profifußball. Das war einfach unerträglich, ebenso wie die fortschreitenden Debatten um veränderte (weil profitablere) Anstoßzeiten, Hoeneß und Beckenbauer mit ihren Schmähungen gegenüber dem nationalen Fußball etc. pp… zudem hatte mein Freundeskreis in dieser Zeit mit Fußball so gut wie nichts am Hut und Berlin selber war zu dieser Zeit auch keine Stadt mit einer leidenschaftlichen Fußballbegeisterung. Aber immerhin existierte eine intakte linke Szene und man hatte das Gefühl, dass die Mainzerstraße in Berlin und die Hamburger Hafenstraße irgendwie einen direkten Draht zueinander hatten und immer wieder blitzte irgendwo der Jolly Roger auf. Ich sympathisierte in dieser Zeit heftig mit dieser Szene, allerdings war auch hier Fußball nicht das großes Thema. Irgendwann  Mitte oder vielleicht schon Ende der 90er Jahre war ich mal an einem Wochenende in Hamburg und fuhr durch die Stadt auf der Suche nach einer Tankstelle und landete an der Tanke Neuer Kamp und dies kurz bevor der magische FC spielte. Ich stand also an dieser Tankstelle und um mich herum strömten die Fans ins Stadion am Millerntor und was für Fans …solche Fans gab es bei keinem anderen Verein…

Trotz allem dauerte es noch bis zum Mai 2002 bis ich endlich und nur durch einen Zufall die Möglichkeit hatte ein Spiel des FC St. Pauli am Millerntor zu sehen. Es war gegen Nürnberg und St. Pauli hatte zwar am Ende mit 2:3 verloren, aber seither war ich offiziell St. Pauli-Fan…

In der Folgezeit übernahm der Kommerz immer mehr die Bundesliga, 2001 verkaufte der HSV seinen Stadionnamen an einen zweifelhaften Onlinedienst und andere taten es nach. Der VfB hielt ziemlich lange durch, die Umbenennung von Neckarstadion in Gottlieb-Daimler-Stadion war noch verkraftbar. Dann wurden neue Anstoßzeiten durchgedrückt, gegen den Willen der Fans. Vereine bauten Event-Arenen, jeder Furz wurde von Sponsoren präsentiert, Fangesänge wurden durch Werbejingels verstümmelt und erfolgreiche Mannschaften auseinandergerissen um auf dem Transfermarkt Kohle zu machen. Die internationalen Wettbewerbe wurden mit Gruppenphasen ausgedehnt um noch ein Maximales an Profit herauszuschlagen Vereine wurden in „Wirtschaftseinheiten“ gespalten bis hin zur Auslagerung der 1. Mannschaft als eigenständige GmbH und so weiter und so fort, Profitstreben war das einzige Ziel, Fußball (und mithin der ganze Profisport) nur noch ein Geschäft. Aber das Allerschlimmste war, dass das Publikum immer beliebiger und immer chauvinistischer wurde und anfing diesen kommerziellen Wahnsinn als unabdingbar anzusehen, ebenso wie den ganzen neoliberalen Müll der uns seither als alternativlose Wahrheit verkündet wird …Fussball interessierte mich immer weniger.

Ab und zu gab es jedoch immer wieder ein paar Lichtblicke: 2003/2004 der Fast-Abstieg der Hertha, verhindert durch Hans Meyer, was hatten wir Spaß – Galgenhumor Galore. Der 1. FC Union stand 2001 im Pokalfinale gegen Schalke und spielte anschließend sogar im Europapokal. 2007 wurde der VfB mit den „jungen Wilden“ deutscher Meister, was ich erst fünf Spieltage vor Saisonende richtig mitbekommen hatte und natürlich der unaufhaltsame Aufstieg des FC St. Paulis von der dritten in die erste Liga.

Im September 2009 habe ich dann einen Twitter-Account eingerichtet und entdeckte etwas Wunderbares: Computeraffine Menschen, die gleichzeitig Fussballfans waren und noch die meisten davon FC St. Pauli-Fans. Mit einem Mal hatten die wochenendlichen Fußballübertragungen wieder ihren zuvor längst verlorenen Reiz zurück, ich sah die Übertragungen und las nebenher die Twitterkommentare dieser virtuellen Fans.

Dann, irgendwann um den 17.04.2010 herum, rief mich ein Freund an und vermeldete, dass er Karten für das Spiel 1. FC Union – FC St. Pauli an der alten Försterei hätte und selbstverständlich war ich mit von der Partie, als dann meine Blogger-, Twitter- und RL-Freundin Frau @Claudine verkündete, dass sie auch anwesend sei und zwar mit einigen mir virtuell bekannten, twitternden St. Paulianern habe ich förmlich auf ein anschließendes Treffen gedrängt und dann lernte ich Frau @Jeky, Herrn @Sparschaeler und Herrn @ring2 kennen und seitdem hat meine fast 30 jährige, reichlich diffuse Anhängerschaft zum FC St. Pauli nun einen Ankerplatz …

Es folgten Aufstiegsfeier, AFM-Mitgliedschaft, Saisonauftakt in Freiburg, das Zittern und Bangen um Heimspielkarten und um weitere tolle Menschen rund um diesen tollen Verein…

Und was nun?

Der FC St. Pauli ist für mich der Gegenentwurf zum herkömmlichen (Profi-)Fussballverein und damit auch ein Gegenentwurf zum real existierenden Kapitalismus. Ich bin kein Dogmatiker, ich stehe einem Gewinnstreben keinesfalls negativ gegenüber, aber ich hasse das betriebswirtschaftliche Prinzip der (materiellen) Gewinnmaximierung, ich sehe darin überhaupt keinen Zweck und schon gar nicht bei einem Sportverein. Ich bin der unumstösslichen Meinung, dass es Fussball nur wegen den Fans gibt und nicht aus Selbstzweck. Das impliziert, dass der Fan der Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung sein muss. Und was in der Wirtschaft das Buhlen um Kundenbindung ist, ist beim Verein das Buhlen um die Loyalität und Treue der Fans. Einmalkunden (Eventzuschauer) sind nützlich, aber auf Dauer kann man von ihnen nicht leben und erst recht nicht mit ihnen planen.

Der gemeine St. Pauli Fan ist anders, er hat eine politische Meinung und vertritt diese auch, er wehrt sich gegen Rassismus, Homophobie, Sexismus, Umweltzerstörung und soziale Missstände und hebt sich UND den Verein damit ab vom Entertainmentgedanken des Profifussball der DFL, der UEFA und der FIFA. Dieses Credo ehrlich und engagiert zu vermarkten ist aus meiner Sicht mehr als legitim, ja sogar geboten. Das ist innovativ und zukunftsorientiert, insofern ist es ein Hohn, wenn Teile der Anhängerschaft die Sozialromantiker unter dem Jolly Rouge als „ewig Gestrige“ abtun. Als veraltet und ewig gestrig gelten jene, die sich den jahrhundertealten Gesetzen des Marktes unterwerfen und nicht bereit sind neue Wege zu gehen, auch wenn diese steiniger sind und uns gegenwärtigen Verzicht aufbürden. Kompensation erfahren wir durch das Spiel selber und einer traumhaft schönen Atmosphäre vor, während und nach den Spielen im Kreise von Freunden, die alle die gleiche Leidenschaft teilen. Und dank Blogs, Twitter, Facebook und Co. sogar immer und überall.

Zu pathetisch? Utopie? Gutmensch oder Weltverbesserer? Ja, zum Teufel, warum denn nicht? „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, doch es ist deine Schuld, wenn sie so bleibt“ trällern die Ärzte und damit haben sie so was von recht. Und das Beste dabei ist, wir müssen nicht in eine dämliche Partei eintreten, wir verändern die Welt aus einem Fussballverein heraus. Alles was wir dafür tun müssen ist dafür zu sorgen, dass der FC St. Pauli authentisch und „anders“ bleibt. Dafür müssen wir Fans zusammenstehen, denn WIR sind der Verein und sonst niemand. Wehren wir uns gegen den Kommerz mit allen Mitteln, lieber 2. oder 3. Liga mit Herz und Leidenschaft als seichte seelenlose „Events“ in  einem gemainstreamten Fußballoberhaus in welchem uns Leuchtreklame verkündet wann wir Begeisterung heucheln sollen. Sind wir politisch, nicht nur am Millerntor sondern als St. Pauli – Fans überall auf der Welt, wir lassen uns nicht als hirnlose, rassistische, homophobe und gewaltbereite Morlocks kriminalisieren und wir müssen den Fans anderer Vereine zeigen, dass Fußball ein Puzzleteilchen für eine bessere und gerechtere Welt sein kann. Das wünsche ich mir, denn dafür bin ICH Sankt Pauli!

Wenn es uns Fans nicht mehr gibt, dann gibt es auch keinen FC St. Pauli mehr und Fußball ist nur noch ein unbedeutender Teil der Matrix …

  1. vgl. hier und hier []
  2. vgl. hierzu []
Posted in Erklärbär, fcsp, früher™, vom Baum der Erkenntnis genascht | 1 Comment

Tron Legacy 3D (UCI Friedrichshain)

Den Film muss man sich aus zwei Gründen anschauen: 1. wegen dem großartigen Soundtrack und 2. wegen des Style-Overkills. Mensch, sehen die alle klasse aus und ich meine wirklich klasse …

…diejenigen, die allerdings auf eine halbwegs durchdachte, spannende und innovative Story hoffen sollten den Film auf keinen Fall anschauen, denn Nullkommanichts davon findet statt. Schade eigentlich, denn es werden einige „Keime“ gesät, die aber noch nicht mal ansatzweise Wurzeln schlagen. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, man fragt sich ständig warum etwas so ist wie es ist, aber schlussendlich ist es auch egal, denn eigentlich hat nichts eine Bedeutung. Egal, 2 Stunden Super-Musik und großartige Bilder – kann man auch mal machen 🙂

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Volle Packung …

Am Samstag klingelte der Postmann (1x) und brachte ein gar geheimnisvolles Päckchen …nun, der Inhalt war geheimnisvoll, das Päckchen wurde mir angekündigt (warum eigentlich?). Jedenfalls ließ schon die Verpackung Raum für Spekulationen …

..und das Innenleben nun – chaotisch und sehr, sehr bunt…

Umhäkelte Eier, ein HäkelschweinStrickschwein, sowie ca. eine Tonne Hüftgold in Form von handgeschnitzten und mundbestäubten Marzipankartoffeln. Nicht zu vergessen ein Haushaltsschwamm und ein Gummiring, beides sehr nützlich, jedoch ist mir die tiefere Symbolik noch ein wenig schleierhaft…

dazu gab’s eine Zettelflut vom Feinsten …

Frau @dotcomslash hat sich ja Ende letzten Jahres aus der Twitterei verabschiedet und nun ist auch klar warum. Sie gilt fortan als Erfinderin des Analogtwitterns und der Analogstrickbloggerei und die Haptik  der  Totholztweets sowie die Dekorationsmöglichkeiten der Blogposts sind bestechend …

Die Marzipankartoffeln sind seit jeher analog … zum Glück, denn wie wird man virtuellen Speck wieder los? Auf jeden Fall, liebe Frau @dotcomslash, damit haben Sie sich für eine weiteren Hauptstadtbesuch qualifiziert und es wäre mir eine Ehre mich mit einem typisch schwäbischen Abend am Prenzlauer Berg zu revanchieren, bis dahin kenne ich auch den Grund für Schwamm und Gummiring…

…und Herr @asko_b: Nur gucken, nicht anfassen 😀

Posted in Bloggersdorf, Lechz, Twitter | 3 Comments

Fantasy Film Fest Nights 2011 – Tag 2

Nachdem ich mich gestern beim mittäglichen (!) JoggenHindernislauf durch den Volkspark Friedrichshain bei strahlendem Sonnenschein völlig verausgabte (weiß der Henker warum), war ich ein wenig besorgt ob es mir gelingen würde zwei Filme hintereinander ohne Einnicken zu überstehen. Doch diese Sorge war unbegründet. Los ging’s mit der spitzenmäßigen Pseudo-Doku „The Troll Hunter“ …

Die Story beginnt Blair-Witch-mäßig indem dem Zuschauer erzählt wird, dass einer Fernsehstation eine Festplatte zugespielt wurde, die schier Unglaubliches enthält. Do I need to say more? Was dann folgt ist gnadenlos lustig …oder nicht, wer weiß? Selber anschauen hilft, der Film kommt Anfang April in die Kinos 🙂

Anschließend gab’s den Rape & Revenge Film „I Spit On Your Grave„, welcher ein Remake des gleichnamigen Films von 1978 ist.

Ich habe den Originalfilm nie gesehen, deshalb kann ich auch keinen Vergleich ziehen. Jennifer (Sarah Butler) ist eine Schriftstellerin, die sich in eine Lodge in einer Waldgegend irgendwo in den USA einmietet um an einem Buch zu arbeiten. Gleich zu Beginn kommt sie in Kontakt mit ein paar eingeborenen Hillbillies und es braucht nicht viel Fantasie in was das Ganze endet. Die folgenden Demütigungen und Vergewaltigungen sind schier unerträglich, bauen allerdings eine dermaßen aggressive Stimmung auf, die sich dann beim Zuschauer wohlig entlädt, wenn Jennifer ihre Peiniger einen nach dem anderen aus dem Gen-Pool schubst. Das alles natürlich einfallsreich und äußerst blutig, wobei das alttestamentarische „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ durchaus wörtlich zu verstehen ist.

Ich habe immer so meine Schwierigkeiten mit diesem Genre. Die Intensität der Bilder des Films lassen wenig Spielraum für ein Verständnis für die Täter und das ist schon erschreckend in Hinblick auf die Komplexe Rache & Selbstjustiz. Eine attraktive Frau alleine in einer Waldhütte umringt von primitiven, inzuchtgeschädigten Landeiern, bei diesem Bild läuft sofort das Selber-Schuld-Geschwurbel wie ein Pawlowscher Reflex ab und erschreckt sogar noch mehr …ich weiß es nicht. Wenig erhellend auch das anschließende Q & A mit der (sehr sympathischen) Hauptdarstellerin selber. Zwar sei allen am Set die Tragik bewußt gewesen und es gab anscheinend reichlich Tränen und Schuldgefühle, aber andererseits ist es einfach ein amerikanischer Slasher, Torture-Porn ohne Sinn, wenn man das hervorrufen schlechter Gefühle nicht als „Tiefgang“ interpretiert. Gut man kann den Film anschauen, man muss es aber nicht …

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