Zu spät!

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Ich habe seit 1991 einen eigenen Internetanschluss, blogge seit Mai 2007, twittere seit November 2009 und bin da ebenfalls Facebook beigetreten. Ferner habe ich Accounts bei Googel, Google+, Youtube, LastFM, Miso etc… Ich benutze Googlemail, Google Calender, Google Maps und Google Earth und noch andere Online-Tools wie z.B. Doodle.

Ich habe immer Microsoft Produkte genutzt, von MS-DOS 5.0 bis heute (immer noch) Windows XP.1 Ebenso war ich immer Telekom-Kunde, Telefonie egal ob Fest- oder Mobilnetz und auch Internet über T-Online. (Mein erster Internetzugang war freilich über die Uni von Snafu).2

Ich war irgendwann Mitte der 80iger Jahre für kurze Zeit in der Jungen Union und folgerichtig auch in der CDU. Dann erst wieder seit 2010 in der Piratenpartei, allerdings ohne Amt und z.Zt. auch eher passiv.

Ich habe BWL an der FU studiert und habe dann im großväterlichen Betrieb gearbeitet bis ich gewisse Veränderungen aus ideologischen, bzw. idealistischen Gründen nicht mehr mittragen wollte und gekündigt habe. Danach habe ich es in der Unternehmensberatung versucht und habe auch hier aus idealistischen Gründen das Handtuch geworfen. Nach einer persönlichen Krise, die ich überstanden habe, bin ich nun seit 1,5 Jahren trotz enormer Bemühungen und sehr guter Qualifikationen arbeitslos und seit Februar 2013 im ALG2-Bezug (=Hartz IV).

Meine politische Ausrichtung ist ganz klar linksorientiert und antikapitalistisch.3 Ich habe einen extrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und mir fällt es schwer nicht unter die Oberfläche zu schauen. Dummheit, Desinteresse, Beliebigkeit stößt mich ab und zwingt mich dazu Stellung zu beziehen. Jede Form „rechter“ Umtriebe, egal ob es Stammtischgewäsch oder ausgewachsener Faschismus ist, radikalisiert mich und ruft in mir gewaltätige Gedanken hervor. Ich bin kein Pazifist und sehe Gewalt durchaus als Lösungsweg an, jedoch bremst mich meine natürliche Abneigung gegen Ungerechtigkeit und ich würde es nicht überwinden können wenn sich hinterher die Unschuld des „Delinquenten“ herausstellt, was mich zu einem absoluten Gegner, z.B. der Todesstrafe, macht.

Ich bin den Menschen grundsätzlich extrem offen und positiv gegenüber eingestellt. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass der Großteil der Menschheit vernünftig handelt und bereichernd für die Gemeinschaft ist. Meine Erfahrungen diesbezüglich sind fast durchgehend positiv und die wenigen Ausnahmen davon, kommen dieser These nicht mal annähernd zu Nahe. Infolge dessen ist bei mir transparentes Handeln unabdingbar. Intransparenz und Geheimniskrämerei empfinde ich als sinnlos und gefährlich und erfüllt mich mit großem Misstrauen.

Diese Voraussetzung bringt mich dazu mich zu äußern: Echt, höflich, freundlich, wohlwollend, satirisch, ironisch, wütend und hasserfüllt. Ich habe die Worte „Bombe“ und „Terror“ bestimmt schon in allen vorstehend genannten Facetten verwendet und dies öffentlich und vertraulich. Ich äußere mich bewusst und unbewusst algorithmus-inkompatibel, wenn ich nicht verstanden werde, dann erkläre, aufkläre und diskutiere ich leidenschaftlich.

Ich habe schon an vielen Demonstrationen mit eindeutig staatskritischen Inhalten teilgenommen und werde auch am Samstag wieder für Snowden, Manning, Assange und die Freiheit und gegen Totalüberwachung, Diktatur und antidemokratische Politiker auf die Straße gehen. Ich bin Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli und supporte darüber hinaus jeden „Zeckenverein“, der sich politisch und kapitalismuskritisch darstellt und habe von daher eher schlechte Erfahrungen mit den Marionetten der Staatsmacht gemacht und lehne diese in diesem Zusammenhang auch vehement ab.

Ebenfalls algorithmus-inkompatibel sind die von mir, als Tourist, besuchten Länder der arabischen Welt: Saudi-Arabien, Syrien, Libanon, Jordanien etc…zudem kommen private und berufliche Reisen nach Russland und China. Nicht zu vergessen, dass ich, seit ich ein kleines Kind war, mindestens ein mal pro Jahr die DDR besuchte.

So …und jetzt fragt mich, ob ich noch Angst vor dreibuchstabigen Behörden, rückwärtsgewandten Parteien und albernen Politikern habe.

Hamburg, Schanzenviertel 01

  1. Einfach deshalb, weil ich mir nie die Zeit genommen habe, mich mit Alternativen zu beschäftigen. []
  2. Auch hier sind/waren die Alternativen nie wirklich besser und alles lief immer nach dem Motto „never change a running system“. []
  3. Dies resultiert einfach aus der Erfahrung heraus, die man bekommt, wenn man interessiert daran ist warum Dinge sind wie sie sind. []
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2 Responses to Zu spät!

  1. Hody says:

    Mir unverständlich warum Du keinen Job hast, habe Dich ja nur als kompetenten, fleissigen Kollgen kennengerlernt.
    Aber klar, es ist schwer sich gegen seine Ideale zu präsentieren und zu positionieren. Irgendwie fickt einen das System ja immer und man muss sich quasi prostituieren um durchzukommen.

    Der Kapitalismus funktioniert leider, der Kommunismus tut es leider nicht. Marx war die Theorie und Murx die Praxis. Auf gute Menschen wie Dich, kommen nämlich 99 Zecken.

    Du hast schon Recht wenn Du über Dummheit, Desinteresse, Beliebigkeit schreibst, aber leider trifft das nun mal auf 99% der Menschheit Zeit. Waren es im Rom noch Brot und Spiele, lässte man heute statt Christen von Löwen, minderbemittelte Castingkanditaten von Dieter Bohlen abschlachten. Das Volk will unterhalten werden!

    Vor Deiner Einstellung habe ich Respekt, allerdings muss ich sagen lässt mich NSA, CIA und Prism ziemlich kalt, da ich weder auf Bombenbauwebpages noch im Katalog für Terrorcamps surfe. Meiner Meinung nach ist vieles davon Paranoia und wenn man nichts zu verbergen hat, hat man auch nichts zu befürchten.

    Ich teile auch Deine Ansichten mit Rechtsradikalismus und Faschismus, aber in Deutschland hat man teilweise auch die eigene Identität verloren. Da wird schnell bewertet, Freiwild als Faschos bezeichnet, wenn die Oberkrainer die gleichen Texte haben. Manchmal ohne Sinn und Verstand Rücksicht genommen, zuviel toleriert und akzeptiert – damit man ja nichts falsche mach nach verlorenen Kriegen und Holocaust.

    Ich kann Dich wirklich verstehen, doch manchmal wünschte ich mir so sehr, ich könnte die besagte Oberflächlichkeit haben, nicht darüber nachdenken zu müssen woher das Toilettenpapier kommt oder nicht traurig zu sein wenn man Ungerichtigkeit sieht. Glaube mir als Vater, wird das Ganze noch viel fieser und man fragt sich warum man Kinder in die Welt setzt – vielleicht einfach um etwas besser zu machen…

    • foxxi says:

      Nun, da gibt’s jetzt natürlich ’ne Menge zu sagen:

      Hody, ich glaube nicht, dass der Kapitalismus auf Dauer funktioniert. Das war aber schon immer klar und deswegen gibt es Konstrukte wie „die soziale Marktwirtschaft“ oder so etwas wie soziale Sicherungssysteme und staatliche Regulierung. Der Kommunismus funktioniert freilich so auch nicht, wie er bislang angestrebt wurde. Es ist immer das Gleiche, die Dosis macht das Gift und nur die Balance schafft schlussendlich Wohlfahrt für alle. Leider schlagen die Pendel je nach Interessenlage der Akteure in die eine oder andere Richtung aus, die Triebkraft für diese Akteure ist jedoch sehr häufig zutiefst kapitalistischer Natur und deshalb wäre etwas mehr Marx angebracht.

      Sicher agitiere ich gegen Dummheit, Desinteresse und Beliebigkeit, ich bin aber nicht Deiner Meinung, dass ein so hoher Prozentsatz der Menschheit diese Eigenschaften besitzt, ganz im Gegenteil. Nur ist es schlichtweg nicht einfach sich gebührend um diese Dinge zu kümmern und eine aufgeklärte Demokratie benötigt mehr Information und Recherche, als nur Headlines in einem Facebookprofil. Ich mache das um anzustoßen und vielleicht auch um, wie hier, mich weitergehend zu artikulieren. Ich habe aber Verständnis, wenn Menschen im Alltag zunächst andere Prioritäten haben, als die große Weltpolitik. Gerade Eltern sind hier die neuralgischen Punkte, sie haben da neben dem Beruf noch eine andere Einschränkung, die Aufmerksamkeit benötigt. Deshalb traue ich ihnen trotzdem zu, die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen. Manchmal kommen diese eben zu spät, aber genau darauf setzen ja auch Politiker, bei heiklen Entscheidungen. Bestes Beispiel: Unpopuläre Gesetze werden zu Zeiten sportlicher Großereignisse gefällt, da bin auch ich z.B. nicht immer bei der Sache :-9

      Deshalb fordere ich auch so vehement Transparenz ein. Nur mit Transparenz kann ich schnell ein breite Informationsbasis für möglichst viele Entscheider (und das ist in einer Demokratie nun mal das Volk) herbeiführen. Krasses Beispiel gefällig: Wir bereiten im Geheimen die Einführung der Scharia ins Rechtssystem vor und kurz vor der entscheidenden Abstimmung treten wir an die Öffentlichkeit mit einer großen bunten Werbekampagne indem wir aufzeigen wie schön, sicher und berechenbar die Welt in einem Gottesstaat sein wird. Was glaubst Du wie viel in einer Volksabstimmung mit Ja stimmen und VOR ALLEM, wie viele erst gar nicht zur Wahl gehen, weil das Kind an Heuschnupfen erkrankt ist? Würdest Du von der ersten Minute an veröffentlichen, dass Du darüber nachdenkst die Scharia einzuführen, dann müsstest Du wahrscheinlich keine Stunde beraten müssen…

      Was die Paranoia betrifft gebe ich Dir nur zum jetzigen Zeitpunkt recht. Was passiert aber, wenn Du Deinen nächsten USA Urlaub machen möchtest und Dir am Zoll gesagt wird, dass Du nicht einreisen darfst, weil Du mal etwas von einer „Bombenstimmung“ beim Oberkrainerkonzert online gepostet hast? Was ist, wenn sich irgendwelche christlichen Fundamentalisten in den USA durchsetzen und beschließen, die Weltherrschaft sei jetzt fällig? Was ist in fünf Jahren, wenn tatsächlich an einem deutschen Bahnhof eine Bombe hochgeht und der Innenminister dann zu Pogromen an Andersdenkenden aufruft? Was ist, wenn eines Tages der Staatsschutz bei Dir vor der Tür steht, weil Du einen Spaziergang über Facebook ankündigst und der Dich zufällig am Kanzleramt vorbeiführt?
      Hody, der Satz „ich habe nichts zu verbergen…“ aus Deiner Tastatur betrübt mich und rückt Dich ganz stark in die Nähe der von Dir postulierten 99%. Dieser Tage werden dutzende Artikel gepostet, die sich mit dieser Fehleinschätzung auseinandersetzen. Vielleicht fängst Du mal an diese zu lesen, ich habe davon einige auf meinem Facebookprofil.

      Und zu letzt: Freiwild sind Nazis und da braucht man gar nicht darüber diskutieren. Die Band hat einen einschlägigen Hintergrund und hat diesen in ihrer Musik und ihren Texten nie abgelegt. Da nützt es auch nichts sich lange Haar wachsen zu lassen und die Nazisymbolik zu reduzieren. Wenn sie es ernst meinen würden, dann würden sie sich von ihren Texten distanzieren und sich dafür entschuldigen. Und lass die Oberkrainer da raus …die haben mit dieser nationalistischen Blut und Boden Scheiße nun wirklich nichts am Hut 🙂

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