Erstmal ’nen Rant, dann ’ne Idee…

Ich werde jetzt, 2 Tage nach der Jahreshauptversammlung, natürlich nicht einen weiteren Bericht abliefern. Nichtsdestotrotz muss auch ich ein paar Worte zum Hauptact des Tages anmerken, dem Abwahlantrag gegen Gernot Stenger und den Entgleisungen des Herrn Spies. Dies ist deshalb wichtig um zu verstehen, warum es dringend geboten ist, den Konflikt grundsätzlicher anzugehen als dies bislang der Fall ist.

Für ausführliche Berichte, Kritiken und Kommentare bitte die einschlägigen Quellen verwenden, als da wären Momorulez, Kleiner Tod, St. Pauli *NUHerr Curi0us, Moewli u.v.a…

Als erstes möchte ich der Kritik entgegentreten, der Antrag sei vor dem Hintergrund „nur diskutieren“ zu wollen falsch gewesen. Die Wirkung war auf jeden Fall da und ich weiß nicht wie ein Antrag formuliert hätte sein müssen, bzw. welcher Inhalt genau die gleichen Redebeiträge provoziert hätte. Lediglich ein Abwahlantrag gegen das komplette Präsidium hätte der gefühlten Märtyrerrolle Gernot Stengers für das chronisch falsch verstandene Kollektiv da oben entgegengewirkt. Die Vorgehensweise hat zumindest bewirkt, dass es ordentlich knallte. Und man kann mich ja eine Krawallschachtel nennen, aber die Situation ist so ernst, da ist nun mal Schluss mit Kuschelkurs. Alles was die Defizite auf den Tisch bringt ist erlaubt. Stengers Replik hinterließ auch bei mir den Eindruck, er hat die Kritik verstanden, aber warum zum Teufel erst jetzt? Aber natürlich können wir ja auch der Bauernopfertheorie folgen und rufen uns die Reaktionen des Restpräsidiums der letzten Wochen ins Gedächtnis …während Stenger schwieg und sich verprügeln ließ, gingen andere auf Tauchstation und der Herr Spies auf Flauschkurs, das „honi soit qui mal y pense“ an dieser Stelle stammt nicht von mir, findet aber meine Unterstützung.

Und dann kam der Tiefpunkt des Abends, der allerdings zu meinem Höhepunkt wurde, da er alles bestätigte, was ich schon seit geraumer Zeit fordere und bereits zur Tagesschauzeit in die Welt twitterte.

Da stellt sich dieses paternalistische Fossil ans Rednerpult, beschwert sich zuerst über ein „durchgestochenes“ (geleaktes) Protokoll und zitiert dann aus weiteren dieser „Geheimprotokolle“, um zu belegen wie fanfreundlich das Präsidium eigentlich ist. Das Ganze in einer Arroganz und einem Ton, dass sich einem die Faust in der Tasche ballt.

Ich rekapituliere: Zuerst beklagt er, dass ein „geheimes“ Präsidiumsprotokoll auszugsweise geleakt ist und dann wird einem vorgeworfen, dass nur eines geleakt ist.

Ich bekomme jetzt schon wieder Plaque …

Die erste Frage, die einem sofort durch den Kopf geht, ist natürlich: Wenn die alle so toll sind, warum zum Geier sagen sie uns das erst jetzt und vermitteln uns aber permanent sie seien in Sachen Fanbelange völlig merkbefreit? Was für eine Logik steckt da dahinter? Oder welch‘ diabolischer Plan? Oder sind sie schlichtweg alle nur völlig abgehoben? Aber egal was der Grund hierfür sein soll, die Lösung liegt in der Antwort auf die Frage:

Warum zum Teufel gibt es eigentlich vertrauliche Präsidiumssitzungsprotokolle? 

Um es ganz deutlich zu sagen, ich möchte nichts anderes als die Revolution und ich bin zutiefst überzeugt, dass es möglich ist. Viel mehr noch sehe ich darin sogar eine natürliche Entwicklung. Ich fordere Transparenz in allen Bereichen, Belangen und Prozessen in dem Verein in dem ich Mitglied bin und dessen Präsidium und Geschäftsleitung mir verpflichtet sind.

Mir sei ein kleiner Exkurs an dieser Stelle erlaubt: Ich bin Mitglied der Piratenpartei und dies nicht deshalb, weil die alle so cool und lustig sind, sondern weil sie einen gesellschaftspolitischen Ansatz verfolgen der m.M.n. die nächste Stufe des menschlichen Zusammenlebens zur Folge hat. Möglich ist dies selbstverständlich durch die moderne Informationstechnologie in Verbindung mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Zusätzlich beschäftige ich mich z.Zt. sehr intensiv mit dem Themenkomplex der selbstverwalteten oder auch demokratischen Unternehmen(sführung) und habe auch in meiner Zeit in der Geschäftsleitung eines Industrieunternehmens gute Erfahrungen mit Transparenz und hierarchieloser Kommunikation gemacht. Ich denke die Zeit ist reif und der FC St. Pauli ist der Verein, der mit gutem Beispiel vorangehen sollte und es auch kann.

Mir gehen momentan zu sehr vielen Themengebieten Diskussionsbeiträge durch den Kopf. Ich habe das Gefühl, ich bin in der Lage zu sämtlichen Vereinsangelegenheiten einen vernünftigen Diskussionsbeitrag zu liefern. Aber das würde jeden Rahmen hier sprengen und zudem bin ich natürlich nicht allmächtig und allwissend. Aber ich möchte hierfür einen Anstoß geben und eine Umwandlung des FC St. Pauli hin zu einem transparenten und kommunikativen Verein aktiv mitgestalten.

Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist allerdings ein bedingungsloser Wille für und der Glaube an Veränderung. Es gibt keinen Grund zur Resignation, denn was man versuchen muss ist so etwas wie einen gesellschaftlichen Wandel zu initiieren, nicht unbedingt gleich  herbeizuführen. Einen Sportverein wie den FC St. Pauli zu wandeln ist ambitioniert, aber im Vergleich zu Veränderungen in einem Staatswesen eine überschaubare Aufgabe. Staatswesen ändern sich in Jahrzehnten, manchmal auch erst in Jahrhunderten. Bei einem Verein hingegen kann man in Jahren rechnen und das ist zu machen. Zumal es am Rande dieser Aufgabe ja größtenteils sehr angenehm ist mit Freunden, Fußball und Party.

Was man allerdings benötigt, ist jede Menge Unterstützung. Vor allem Ideen und Wissen, herbeigeführt durch eine lebendige Diskussionskultur. Und die möchte ich in den nächsten Tagen anstoßen. Insofern suche ich nun jede Menge Mitstreiter.

This entry was posted in fcsp, Veränderung, weitersagen, ¿Revolución. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.