Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor (Babylon, Mitte) – Update

Hmmm …ich lass‘ mal zuerst jemand anderen zu Wort kommen:

Nun, offengestanden fällt es mir schwer diese Fragen zu beantworten, um das wirklich zu können müsste man wohl in Hamburg St.Pauli aufgewachsen sein und sich in diesem Kiez auskennen. Ich fang mal mit dem Positiven an:

Der Film ist kurzweilig, mit guter Musik unterlegt und die Szenen, die unmittelbar mit dem Spiel und dem Millerntor zusammenhängen sind für den Kundigen gänsehauterzeugend. Die Handlung wird rasant vorangetrieben, ist stellenweise sehr lustig und mit Liebe für Details gemacht, auch die mitwirkenden Laien sind Typen, wie sie einem wirklich rund um das Stadion begegnen. Der Film beginnt mit dem Schluss eines wichtigen Spiels und dauert 90 Minuten, wobei immer wieder retrospektiv die Ereignisse erzählt werden und sich dem laufenden Fußballspiel annähern. Die letzten Minuten des Films, quasi der Showdown, laufen dann linear ab – das Ganze ist ein klasse Erzählweise, wenn man es durchschaut hat 🙂

Die Crême de la Crême deutscher Schauspieler (und ich mein‘ das ernst, es sind wirklich die guten) ist nahezu vollständig versammelt und alle machen einen guten Job. Insofern ist Gegengerade tatsächlich ein guter Film, den man durchaus auch als Nicht-Fußballfan anschauen kann. Die Story könnte genausogut auch in einem anderen, von der Gentrifizierung betroffenen Kiez in irgendeiner anderen Stadt spielen. Ja, die Gentrifizierung St. Paulis wird thematisiert und Moritz Bleibtreu spielt den Immobilienhai absolut hassenswert, wenn auch eher ziemlich an der Realität vorbei (hoffe ich mal) …

Stichwort Realität. Da fängt es nun an etwas schwierig zu werden. Ich bin wirklich kein großer Fan des Staatsapparats, aber wie hier das „System“ dargestellt wird ist IMHO doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen (hoffe ich auch…). Ich verzichte auf eine Synopsis, denn die kann man überall nachlesen. Allerdings kann ich hier auch keine gültige Aussage machen, denn wir gesagt, ich wurde woanders sozialisiert. Die fiktive Handlung (wenigstens dass ist klar) vor dem Hintergrund des FC St. Pauli sollte frei von pauschalen Urteilen genossen werden, auch weil die politischen Motive der Handlung durchaus Gegenstand der politischen Fankultur des magischen FCs sind.

Das Blog des Übersteigers hat auch eine (wahrscheinlich mit Bezug zur Realität berufenere) Filmkritik die unbedingt lesenswert ist. Hier gibt’s ein Interview mit der Produzentin in der TAZ sowie eine weiteren Artikel zum Film. Bei der Filmpremiere in Berlin gab’s Tumult, aber warum weiß keiner so recht …

UPDATE: Auf St. Pauli FM gibt’s einen Bericht von der Premiere in Hamburg, unbedingt anhören, das bringt Licht ins Dunkel 🙂

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