Sozialmediale Profilneurose

Nachdem ich hier und hier schon mal etwas zu meinem „Wirken“ im World Wide Web von mir gegeben habe, möchte ich dies nun komplettieren und zwar mit noch mehr Anwendungen, die einen Social Media Charakter haben, deren eigentlichen Zweck ich aber bis jetzt noch nicht so richtig sehe.

Das ist natürlich Quatsch, den es gibt auf jeden Fall einen Zweck. Für die Plattformbetreiber ist es schlichtweg Geld. Zu den angemeldeten Benutzern werden Profile erstellt, nach denen sich Werber, Diktatoren und Sicherheitsfanatiker die Finger lecken. Für den Benutzer haben diese Applikation auf jeden Fall den Zweck den ich hier („…aber noch viel wichtiger ist natürlich die Gelegenheit mal richtig auf die Kacke zu hauen, mal den echten Show off zu haben …“) schon mal beschrieben hatte.

Fangen wir mit den sogenannten Lokalisierungsdiensten, den Location based Services an. Ganz einfach handelt es sich hierbei um Applikationen bei denen ein Status (Kommentar, Bild, etc.) mit einem Ort verknüpft wird. Der Ort kann z.B. über GPS-Koordinaten ermittelt werden, was jedes halbwegs vernünftige Smartphone heute beherrscht oder natürlich über das Einloggen in ein Netzwerk. Lokalisationsdienste sind pures Teufelszeug für jeden der ernsthaften Datenschutz betreiben möchte. Wobei die eigentliche Lokalisierung, also den Standort z.B. per GPS zu bestimmen kein Problem darstellt. Das System sagt mir nur wo ich mich befinde es gibt keinen Rückkanal. Erst wenn ich mich zu erkennen gebe wird diese Information mit der Ortsinformation verknüpft. Wann ich das mache unterliegt meiner Kontrolle, also auch hier droht „in der Regel“ keine Gefahr. Aber natürlich ist diese Kontrolle eine trügerische Angelegenheit und damit meine ich nicht die Möglichkeit der automatischen Anmeldung und der dadurch entstehenden Peinlichkeit, wenn man’s im ungünstigen Moment vergisst. Ohne großes technisches Verständnis kann man sich massenhaft Szenarien vorstellen bei denen man seine Identität mit etwas verknüpft was einen ohne Kontrolle permanent verpetzt und ich traue einem CEO eines milliardenschweren, shareholdervalueanbetenden Konzerns genausoweit wie ich spucken kann, den Mitarbeitern irgendeiner dreibuchstabigen Behörde noch weniger und dummen, machtgeilen und profilierungssüchtigen Politikern am allerwenigsten um anzunehmen, dass das Kind nicht schon längst in den Brunnen gefallen ist.

Eine Social Media Anwendung, die ich nutze ist Foursquare

Der Nutzen an Foursquare könnte (!) sein:

1. Ich sehe wo meine Freunde und/oder interessante Personen sind und kann mich ihnen anschließen

Die Verbreitung bzw. die Nutzungshäufigkeit von Foursquare ist, trotzdem es wohl die größte Community in diesem Segment stellt eher relativ zu sehen. Dabei ist es relativ egal ob man viele oder wenig „Follower“ hat, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man sich zufällig, d.h. ohne Absprache oder Vorwissen, am gleichen Ort befindet ist ziemlich gering. Interessanter wäre es natürlich neue Leute kennenzulernen und genau da könnte sich der größte Nutzen ergeben d.h. es geht wie immer um Sex!. Genau ausführen muss ich das wohl nicht, denn das ist ziemlich offensichtlich wie das gehen könnte. In der Tat geht es bei Foursquare nicht, es gibt diverse Angebote in der schwulen Szene, die ziemlich gut funktionieren sollen und von einer ganz weit entfernten Bekannten wird gemunkelt, dass ihr Liebesleben mittels der Plattform Aka-Aki eine gewisse Bereicherung erfährt. Nun es ist ziemlich klar zu erkennen, dass dies der „Killergrund“ wäre sich mit Lokalisierungsapplikationen zu beschäftigen.

2. Ich bekomme zu meinem momentanen Aufenthaltsort nützliche Tipps z.B. über Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten

Nun, das mag‘ zwar der Fall sein und ab und zu kann man wirklich mal etwas zu dem momentanen Aufenthaltsort lesen, aber wie bei allen Portalen (Qype, Lieferservice etc.) die nach dem AAL-Prinzip ohne redaktionelle Bearbeitung verfahren sind die Daten eher murks, d.h. es gibt nicht mal einen Mindeststandard an Information der für eine Location abgefragt wird und von daher ist das ganze ziemlich unbrauchbar. Es ist wohl auch angedacht, dass Locations Foursquare-Usern Rabatte oder irgendeinen Bonus anbieten können, das hab‘ ich allerdings noch nie erlebt.

Warum ich es trotzdem mache? Nun, keine Ahnung …vielleicht wegen der „Badges“ die man bekommt wenn man bestimmte Vorgaben (z.B. 5x auf der gleichen Toilette gekackt oder so …) erfüllt? Eher nicht …lustiger sind da schon die „Mayorships“ die man bekommt, wenn man oft genug die gleiche Location besucht. Ich bin z.B. der unangefochtene Bürgermeister der Bushaltestelle in meiner Straße, das ist schon was, oder? Nein, Spaß beiseite, es ist zum einen natürlich wirklich wieder der Angebereffekt, wenn man der Welt mitteilen kann an welcher exorbitant coolen Location man sich gerade befindet, gepaart mit der Hoffnung, dass ein wirklich mal jemand anspricht und ficken will …

Die Check-Ins bei Foursquare werden an Twitter und Facebook übermittelt.

Es gibt da noch eine weitere Applikation die ähnlich wie Foursquare funktioniert und zwar Gowalla

… allerdings benutze ich das immer weniger, es macht auch das Gleiche wie Foursquare. Es gibt da keine Mayorships, für manche Locations bekommt man „Stempel“ ähnlich wie in einem Reisepass und wenn man vordefinierte „Trips“ macht gibt’s auch Badges dafür. Man kann Gegenstände finden, tauschen und sammeln, aber selbst Gowalla gibt zu, dass dieses Feature nicht zufriedenstellend funktioniert. Sicher kann man damit nette Sachen machen, z.B. ist dieses Trip-Feature sicher nett, wenn man eine fremde Stadt besucht und die Sehenswürdigkeiten abklappern will. Aber auch hier ist eben das Problem, dass die Daten keiner redaktionellen Prüfung unterliegen und es nur geringe Mindeststandards an den Informationsgehalt der Daten gibt. Aber das sind alles nur Eindrücke, ich müsste mich auch mehr damit beschäftigen …

Wenn ich mich bei Gowalla irgendwo einbuche, dann wird diese Information nach Facebook übertragen, seltener auch nach Twitter.

Noch ein Dienst der das GPS an meinem Smartphone nutzt und einen Social Media Charakter hat ist die Applikation RunKeeper

…das ist wirklich ein feines Stück Software (für das es sicher ’ne Menge Alternativen gibt, schon klar). Die Software macht eigentlich nix anderes, als eine zurückgelegte Strecke mit ein paar Parametern versehen in eine Trainingsleistung umzurechnen …also irgendwas mit Sport. Das „Abmessen“ der Strecke und das übertragen derselben nach Google Maps (auch sehr gut, da Standard) ist aus meiner Sicht das interessante Feature. Dass es motivierend wirkt seine „Trainingserfolge“ zu dokumentieren und auch noch zu „sharen“ ist natürlich typenabhängig. Mich motiviert es, Anderen wäre es vielleicht peinlich …aber das ist ja das Schöne, man muss es ja nicht machen, man KANN!

Nach Beendigung einer Trainingseinheit übermittelt RunKeeper diese nach Facebook und Twitter. Es gibt wohl auch die Möglichkeit während der sportlichen Betätigung Statusmeldungen abzusetzen, aber man sollte nicht übertreiben.

Das waren jetzt die Social Media Anwendungen, die zu den Lokalisierungsdiensten zählen und die ich benutze. Was mich auch sehr interessiert ist das, was man unter den Stichworten Geocaching und Geotagging subsummieren könnte. Das kommt aber erst noch, wenn es die Zeit erlaubt. Ach ja …fast vergessen, Facebooks Places gibt’s ja auch noch! Muss ich auch mal versuchen …

Und dann gibt es noch so völlig schwachsinnige Dinge mit den man der Welt mitteilen kann was für ein toller Hecht oder wahlweise blöder Hund man doch ist. Miso z.B. …

Bei dieser Applikation kann man angeben was man sich gerade im TV oder im Kino reinzieht. Auch hier kann man „Badges“ abgreifen je nachdem wie oft man sich Zeug eines speziellen Genres angeschaut hat. Das gleiche Prinzip gibt es für Spiele. Ich habe mich mal bei Raptr registriert …

…wobei die ursprüngliche Hoffnung war, mittels der Profilierung meiner Spielgewohnheiten Tipps für unbedingt zu spielende Tötungstrainingssoftware zu bekommen, ich habe da nämlich sehr eigene Vorstellungen von guten Spiele. Leider ist das Tool ziemlich nerdig und hängt sich an diese unmöglichen „Steam“ & „Games for Windows Live“ Plattformen dran, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann. Entweder ich finde einmal ein gute Alternative oder ich lasse das sein.

Ähnlich Sachen existieren wahrscheinlich auch für Bücher, Brettspiele, Handarbeiten etc.. Ein echter Nutzen lässt sich nicht wirklich erkennen. Updates von Miso und Raptr werden bei mir nach Twitter und Facebook übertragen.

So dass war’s auch schon fast, bleibt nur noch zu erwähnen, dass es natürlich noch eine Vielzahl weiterer Anwendungen und Onlientools gibt, die ich in Zusammenhang mit Social Media, respektive Web 2.0 verwende, die aber nicht unmittelbar einen solchen Charakter haben. Das ganze Google-Zeugs z.B. Google Maps / Google Earth um Karten (auch öffentliche) zu erstellen, Googlemail als Adressspeicher, Googlecalender, Picasa, wenn auch eher offline als online, Twitpic, Twibbon, Soundcloud, setlist.fm usw …und natürlich habe ich auch ein XING-Profil, aber das nur alle paar Jahre mal 🙂

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