Live long and prosper …

Es ist vollbracht! Mit etwas Mithilfe der Gartenabteilung des anderen Hamburger Vereins habe ich am Sonntag die letzte Folge der Star Trek – Enterprise (ENT) Serie gesehen und somit kann ich stolz verkünden, dass ich alles … nochmal: ALLES gesehen habe, was das Star Trek Universum hergibt1

Ich bin natürlich nicht einer dieser Super-Nerds, der jede Textzeile mit der richtigen Sternzeit versehen exakt einer Episode zuordnen könnte, aber ich bilde mir ein einen hervorragenden Überblick zu haben und mich bei Fachsimpeleien jederzeit mit einem dieser Ober-Trekkies messen zu können.

Ich könnte jetzt endlos schreiben über das was ich durchweg Klasse fand, was ich  nur manchmal mochte oder was ich jetzt nicht so toll fand. Ich könnte die einzelnen Serien und Filme ihrer Entstehungszeit zuordnen und sie den globalen politischen Verhältnisse gegenüberstellen. Ich könnte die Moralgeschichte der westlichen Welt in die einzelnen Episoden spiegeln und mich prächtig darüber auslassen wann etwas konsequent behandelt wurde und wann dies wieder zugunsten eines Unterhaltungsformats aufgekündigt wurde. Man merkt im Star Trek Universum sehr schnell welche Absicht bzw. Intention einer jeden Episode zugrunde liegt – Aufklärung, Innovation, Aktualität oder nur Gewinnerzielungsabsicht. Das alles könnte ich jetzt mit Fug und Recht machen, ich lass‘ es aber sein, denn zum einen gibt es mittlerweile wissenschaftliche Abhandlungen nicht nur zur Technik, sondern auch zur Philosophie des Star Trek Universums und zum anderen würde dies den Rahmen eines Blogposts bei Weitem sprengen.

Was mich an Star Trek am allermeisten fasziniert ist, dass mir die Serie ständig vor Augen führt, welche Freiheit man doch haben könnte, wenn es möglich wäre die Gier nach materiellen Gütern zu überwinden. Die Komplettierung meines „Star Trek Experience“ fällt mit einem sehr interessanten Blogpost des geschätzen Herrn Flatter vom Feysinn Blog zusammen, in welchem er ein wenig resigniert feststellt, dass er trotz aller Erkenntnis  über die Unzulänglichkeiten der herrschenden Staatsphilosophie gegenüber keine richtige Alternative zur „Effizienz der organisierten Gier“ hat. Und auch wenn sich der Kommentarstrang mittlerweile auf über 90 Antworten summiert, so gelingt es meiner Meinung nach niemandem diese Einsicht praktisch anwendbar zu widerlegen. Im vierten Kommentar, im letzten Absatz steht dann das, was mich beim Lesen sofort an Star Trek denken ließ und was ich hier mal kundtun möchte, aber nur als ein unausgegorener, vielleicht auch wirrer Gedankengang : „Gier wächst aus Mangel“…

Als Joachim Bublath noch Abenteuer Forschung moderierte gab es manchmal Sendungen in denen es um interstellare Reisen, Ausserirdische und ähnliches Sci-Fi-Zeugs ging und neben dem reinen „physikalisch unmöglich“ brachte mich Bublath immer mit seinem Totschlagargument „das sei alles viel zu teuer“ auf die Palme. Natürlich hat er Recht  – unter den momentan herrschenden Zuständen zumindest. Dass es bei Star Trek, welches eigentlich mit dem ersten WARP-Flug am 05. April 2063 beginnt, möglich ist, mit nahezu unbegrenzten Ressourcen zu agieren liegt an der Erfindung des Replikators. Dieser, das wird an einigen Stellen immer wieder thematisiert, hat das Bedürfnis nach materiellen Gütern obsolet gemacht. Dadurch hatte der Mensch Zeit und Muse sich der Wissenschaft und Forschung zuzuwenden. Oder anders ausgedrückt: Die Gier nach der Anhäufung materieller Güter wurde durch die Beseitigung des Mangels nach selbigen umgeleitet in die Gier nach Wissen – Neugierde eben.

Und so fürchterlich Science-Fiction ist das eigentlich nicht einmal, denn würden auf dieser Welt vernünftige Maßstäbe herrschen, hätten wir z.B. keinen Hunger mehr. Ja richtig, die Lebensmittelproduktion ist mittlerweile so hoch, dass, unter der Vorraussetzung einer effektiven Verteilung, niemand mehr verhungern müsste und dies sogar unter der Prämisse des Gewinnstrebens. Würden diese Gewinne allerdings einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden, anstatt völlig unproduktiv irgendwelche idiotischen Kapitalanlagen zu stopfen und absurde Gehälter für ein paar Wenige zu gebären, dann wäre der erste Schritt in Richtung Star Trek Universum gemacht.  Bildung wäre das was man mit den Gewinnen bezahlbar machen könnte, weltweite Investitionen in Bildung und Forschung. Mit zunehmender Bildung würde das Maß an Vernunft steigen und damit würde sich die Einsicht ergeben, dass eine Anhäufung materieller Güter unsinnig ist.

Das ist alles nicht so weit hergeholt. Wenn man sich z.B. einmal die Hintergründe der Debatte um die 80:20-Gesellschaft anschaut und diese mit dem individuellen Umfeld vergleicht, stellt man fest, dass es durchaus möglich wäre so einen Schritt zu gehen und wer weiß, vielleicht fällt dabei auch ein WARP-Antrieb ab …

StarTrek's Monologue

  1. Und bevor hier irgendein Schlauscheißer mit der Animated Series ankommt, hier der windausdensegelnnehmende Vermerk: Nein, die nicht, find‘ ich doof. []
This entry was posted in ...create your own world, Erklärbär, Idiocracy, Kommerz, Star Trek, unreflektiert, vom Baum der Erkenntnis genascht. Bookmark the permalink.

2 Responses to Live long and prosper …

  1. UWP says:

    Ohne Mangel herrscht Dekadenz. Aus Dekadenz entsteht nichts Neues. Nur der Mangel zwingt die Evolution, Dinge zu verbessern, zu erfinden, zu tun. Motivation entsteht nicht aus Spaß. Spaß kann ein zeitlich begrenzter Antrieb sein, aber Mangel ist deutlich wirksamer und langfristiger. Der Kampf ums Überleben ist die stärkste Gier, alle anderen Gelüste basieren nur auf ihm. Eine perfekte Welt wird’s also nie geben, wenn ja, dann ist sie zum Untergang verdammt.

  2. foxxi says:

    Ich behaupte ja nichts Gegenteiliges. Ich möchte eben einen sinnvollen, wenn Du so willst „positiven“ Mangel haben und von der Gier diesen zu stillen könnten alle profitieren…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.