Mein sozialmediales Antlitz

Das ich ein Freund des sogenannten Social Web bin ist leicht zu erkennen. Mir wird ja bereits unterstellt ich sei permanent Online, vollständig profiliert und eigentlich eine Schande für jeden aufrichtigen Datenschutz. Meine berufliche Existenz ist bereits nachhaltig zerstört, da das Ausbreiten meiner politischen Ansichten auf keine Personalchefshaut geht. Bei BKA, BND, MAD, KGB, NSA, CIA etc. bin ich längst auf irgendwelchen Listen geführt und in der kommenden Diktatur gehöre ich wohl zu den ersten die an die Wand gestellt werden. Das man mich noch nicht ernsthaft angegangen hat liegt wohl hauptsächlich daran, dass man meiner dank eifrig benutzter Lokalisationsdienste jederzeit habhaft werden kann und selbst Einbrecher schieben das Ausrauben meiner vier Wände auf die lange Bank und kümmern sich erst mal um die komplizierteren Fälle …das alles ist nicht lustig und darüber könnte man stundenlang diskutieren und wird es schlussendlich auch tun müssen, nebenher jedoch kann ich ja mal meine Social-Web-Umtriebe unter die Lupe nehmen und das natürlich öffentlich.

Das, was das Social Web Zeugs so spannend macht ist ja die „Community“, bei Twitter z.B. die „Follower“ und diejenigen denen man „followed“. Das ich diese Saison schon bei 2 Auswärtspielen und 7 Heimspielen der FC St. Paulis war, liegt schlicht und einfach daran, dass ich über Twitter einen Freundeskreis kennengelernt habe, der im RL zusammenkommt um die Spiele zu sehen und diejenigen, die nicht können virtuell daran teilhaben lässt. Wer also behauptet das Social Web würde die Menschen in der Realität vereinsamen lassen irrt gewaltig. Dieser rote Faden, das virtuelle Kennenlernen und Kontakthalten mit der Chance auf Begegnungen außerhalb des Cyberspace, zieht sich durch „mein“ gesamtes Social Web und wird lediglich mit verschiedenen Werkzeugen weitergesponnen. Ich werde jetzt nicht die grundlegenden Prinzipien erklären, dafür gibt’s Google, Wikipedia etc. und ich gehe eigentlich davon aus, dass Blogleser zumindest in groben Zügen die Funktionsprinzipien kennen. Hier geht’s im Weitern nur um das was ich so mache, denke und meine …

Let’s start with Twitter:

„Wer interssiert sich schon dafür wann jemand zum Kacken geht?“ …Ja, so dachte ich auch mal und ich muss sagen, dass ich mittlerweile durchaus Tweets gelesen habe in denen eine solche Auskunft tatsächlich auf ein Interesse bei mir stieß. Natürlich gibt es Leute die permanent über das Fellballkotzen ihrer Katzen twittern, incl. Größe, Farbgebung und Abgangsort des Kotzbrockens, aber das ist so schnell überlesen, dass man es gar nicht mitbekommt. Andererseits ist es faszinierend was manche Menschen an Komik, Information oder purer Philosophie in 140 Zeichen stecken können.  Ich will mich gar nicht groß über seine „nachrichtendienstlichen“ Vorzüge auslassen, das liegt auf der Hand. Es ist ein schnelles, leicht zu bedienendes Kommunikationsmittel um buchstäblich der ganzen Welt etwas mitzuteilen, natürlich auch Blödsinn, Falsches und Pietätloses, aber damit muss eben lernen umzugehen.

Ich benutze Twitter hauptsächlich um anzuzeigen, dass ich da bin und auch ansprechbar. Ich retweete gern, antworte oder reagiere auf Tweets von Leuten denen ich folge und ab und zu geb‘ ich auch mal ’ne „Statusmeldung“ ab oder versuche mich in Witzigkeit. Ich verabrede mich über Twitter oder koordiniere mich mit anderen. Wenn ich das öffentlich mache will ich damit natürlich andere animieren mitzumachen, z.B. sich spontan zu einem Bierchen zusammenzuschließen. Ich „fave“ ausschließlich um soetwas wie ein Lesezeichen zu setzen auf Tweets, die ich sehr gelungen finde. Bei „Mems“ bin ich meistens nicht schlagfertig genug und am „Follower Friday“ beteilige ich mich nur, wenn ich direkt genannt werde, als Dank quasi. Die „Followerpower“ hab‘ ich noch nie benötigt, aber es ist eine nette Sache und Selbstmordankündigungen lösen bei mir keine Aktivitäten aus. Ich blocke im Durchschnitt pro Tag fünf anonyme Bots, G’schaftleshuber, SEOs oder sonstige Nasen weg, ernsthaft anmutenden Followern, die ich nicht einordnen kann schnüffle ich hinterher, oder warte auch mal 2-3 Wochen ab um sie anhand ihrer Tweets einzuschätzen. Mit Twitterern die über 1000 Follower haben führe ich normalerweise keine Konversation und folge ihnen auch nur wenn sie a.) wortgewandte, feinsinnige und/oder lustige Tweets machen oder b.) ich sie kenne oder c.) sie über wichtige Informationen verfügen. Und schließlich ist Twitter einfach nur ein Nachrichtendienst, der mich hinsichtlich der aktuellen Lage in der Welt auf dem Laufenden hält.

Verbindungen: Foursquare, Youtube, Blip.FM, Twitpic, Dailybooth, Mesomo,Miso und Raptr setzen Tweets ab. Tweets übertrage ich selektiv nach Facebook, das führt bei manchen zu Verärgerung und am Anfang hatte ich auch zuviel „Automatik“ drin. Andere machen es aber genauso, denn die Zahl derer die Facebook aktiv nutzen ist in meinem Umfeld erheblich größer als die Anzahl aktiver Twitterer.

Überleitung gelungen, jetzt kommt Facebook:

Gleich mal vorweg: Ich halte Mark Zuckerberg nicht für einen netten Menschen und seine Attitüden gegenüber seiner Erfindung (wenn es denn seine ist) sind mehr wie fragwürdig, aber das gilt eigentlich grundsätzlich für die, die Tools zum Social Web entwickeln. Geld verdienen kann man nur mit der Masse und der Rohstoff ist die zweifelhafte Ware „persönliche Daten“, darüber muss man sich im Klaren sein und ein „ich habe nix zu verbergen“ ist mit Sicherheit die falsche Einstellung. Nichtsdestotrotz ist der Nutzen, der dieser Technik innewohnt unbestritten groß und wird wahrscheinlich noch viel bedeutendere Ausmaße annehmen. Angst zu haben wäre die falsche Reaktion, aber wir werden lernen müssen wie man mit der „dunkle Seite der Macht“ umzugehen hat und hier sehe ich auch einen enormen Handlungsbedarf für die Gesellschaft, aber das möchte ich hier jetzt nicht thematisieren (hab‘ ich ja in diesem Blog auch schon das eine oder andere Mal gemacht).

Facebook hat sich mittlerweile zu meiner zentralen Kommunikationsplattform entwickelt. Im Gegensatz zu Twitter bin ich auch viel wählerischer was das „adden“ von Freunden angeht. Ich habe da keine speziellen Prinzipien, aber ich versuche weitestgehend (sofern das mit einem angemessenen Aufwand möglich ist) meine Kommunikation und deren Ausprägungen auf den „Freundeskreis“ zu beschränken und da setze ich ein gewisses Quid pro quo voraus. Also wenn jemand ein Pseudonym benutzt und das Bild seines Hundes als Avatar einsetzt und dann noch sämtliche Herkunftsdaten absperrt, der muss mir schon mitteilen, warum ich ihn adden soll, sonst schmort er in der Warteschleife und wenn’s sein muss auf ewig.  Dabei bin ich gar nicht gram, wenn „Freunde“ sich einfach nur als Lurker betätigen, solange ich das Gefühl habe, sie sind irgendwie präsent geht das völlig in Ordnung. Natürlich gibt’s unter meinen „Freunden“ auch Leichen, aber meiner Erfahrung nach werden diese früher oder später alle irgendwie wieder auferstehen bis auf die, die dasselbe Schicksal im RL ereilte, natürlich.

Facebook hat die fantastische Eigenschaft mit Leuten in Kontakt zu stehen ohne ständig die Verpflichtung zu spüren sich melden zu müssen. Man kennt das von Urlaubsbekanntschaften (natürlich nur von solchen, die man wirklich mochte). Am Ende hat man Adressen ausgetauscht und sich hoch und heilig versprochen zu schreiben, zu telefonieren etc. und bis man zuhause war hat man schon den Zettel verloren. Oder die ganzen liebgewonnen Geister der Vergangenheit. Meine Schulzeit war Scheiße, aber die Leute waren klasse und ich freue mich über jeden, den ich heute auf Facebook wiederfinde. Zusätzlich gibt es die Chance, und dies ist ja einer der gewollten Aspekte von Social Media, dass sich neue Freundeskreise zusammenfinden. Das ist wirklich eine tolle Sache. Aber natürlich gibt’s auch Mist…

Ich betätige mich nicht an diesen komischen Spielchen wie Farmville, Mafia Wars etc. und dieses Quiz-Zeugs spiele ich auch nicht mit, alles was da in meiner Timeline aufschlägt wird komplett geblockt. Ebenso auch Leute, deren einziger Facebookinhalt aus so etwas besteht. Das klingt vielleicht etwas ungehobelt, aber erstens sind es sehr wenige, bei denen ich zu dieser Maßnahme greifen musste, was für die gute „Qualität“ meines Freundeskreises spricht und zum anderen fehlt da einfach jede Art von Informationsgehalt, da könnte genauso gut ein Bot sitzen und den Account bedienen. Was ich auch nicht weiterspinne sind diese tränendrüsendrückenden „Kettenbriefe“, bis auf den mit den Scheiß-Herzen natürlich 🙂 Endlich habe ich auch herausgefunden, wie man online sein kann und im Chat trotzdem „offline“ einstellt, das ist prima, denn obwohl ich Chatten nicht so schlecht finde, stört es doch schon manchmal im einen oder anderen Moment. Ich benutze kein Places und versuche Werbung soweit als möglich zu unterbinden und ich versuche ebenfalls soweit  es geht die Privatsphäre anderer zu schützen indem ich nicht ungefragt Bilder tagge oder Pseudonyme auflöse.

Ich bin sehr gespannt wie das weitergeht. Facebook hat das Zeug zu einer echten Infrastruktur und damit eine durchaus politische Bedeutung. Politisch deshalb, weil ich jetzt schon der Meinung bin, dass manche Features und Ideen des Herrn Zuckerberg durchaus einer allgemeingültigen Legislative unterworfen werden sollte und der rein wirtschaftliche Hintergrund zurücktreten muss. Auf Alternativen darf man gespannt sein, aber so richtig daran glauben tu‘ ich eigentlich nicht. Was ich mir wünschen würde sind mehr Möglichkeiten seine Facebook-Historie zu archivieren, ich weiß dass es hier mittlerweile interessante Applikationen gibt, aber das geht noch besser. Auch eine Kategorisierungsfunktion wäre nicht schlecht um verlinkte Artikel aus der Vergangenheit nochmal aufzurufen, man wird sehen…

Verbindungen: Wenn’s geht alles. Wie gesagt, es ist die zentrale Kommunikationsplattform mit den aktivsten Leuten. Aus Facebook heraus poste ich nichts (geht das überhaupt?).

Facebook und Twitter sind meine beiden Hauptanwendungen. Mit diesen beiden bin ich quasi ständig online, bzw. bekomme echt die Krise, wenn ich einmal längere Zeit nicht darauf zugreifen kann …

Die weiteren Anwendungen beinhalten zwar ebenfalls den Social Media Gedanken indem sie eine „Community“ formen nur sind meine Aktivitäten hier lediglich die Füller für Facebook & Twitter, eine aktive Community findet zumindest in meinem Umfeld hier wenig bis gar nicht statt…

to be continued…

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4 Responses to Mein sozialmediales Antlitz

  1. Curi0us says:

    Schöner Beitrag! Auch wenn ich kurz überlegte, wie viele Follower mir noch fehlen, bis Du mich unfollowest 😉 Aber das hattest Du dann ja auch schnell klargestellt.

    Wesentlich für mich ist bei der ganzen Diskussion um ‚was?‘ ‚wie?‘ und ‚mit wem?‘ Teilen halt auch, dass man sich da reflektieren sollte und eben diese Fragen auch immer im Hinterkopf haben sollte. Denn eigentlich ist es im Internet eben doch einfach: Man spricht mit einem Adressaten und sollte sich dementsprechend verhalten.

    Von daher bin ich beim Thema Datenschutz ja auch meist auf der Position, dass Datenschutz mir vor allem einfach mal transparent machen muss, welche meiner Daten wie zugänglich sind. Die Entscheidung darüber, was ich dann Teile (siehe oben) kann ich dann doch bitte auch alleine treffen. (In diesem Sinne Gruß an alle nervigen Datenschutzbeauftragten…).

  2. Pingback: Geselliges Social Web

  3. shan_dark says:

    Super Artikel – besonders über die Einleitung musste ich sehr schmunzeln. Das ist genau das nur in der „Ironie-Version“, was ich anderen auch immer sage, wenn die anfangen mit „Netznudismus“ (ein Wort was mir kürzlich an den Kopp geworfen wurde). Als würde jeder Einbrecher, das BKA, der BND, die ETA und sublime Stalker-Gestalten extra und nur darauf warten, dass ICH endlich ein Profil in Facebook, Twitter oder einen eigenen Blog anlege. Solche Leute sind aus meiner Sicht zu stark von sich und ihrer Anziehungskraft eingenommen. Außerdem ist man ja mündig, ein bisschen schlau und hat es somit selbst in der Hand, was man im Web von sich gibt und was nicht. Wer davon keine Ahnung hat, sollte es freilich lieber lassen, eher er Fotos von sich in Unterhosen oder Bikini online stellt oder dumme Dinge öffentlich sagt. Wie überall in der Öffentlichkeit gilt besonders im Web: Erst das Hirn einschalten!

    Jedenfalls habe ich es satt, mir dann von Personen, die eigentlich keine Ahnung haben, sagen zu lassen, was ich alles „falsch“ mache weil ich bei Twitter und Facebook und auf meinem Blog agiere. Von daher fand ich den Beitrag sehr gut schon in seiner Grundaussage. Auch gut: mal die klare Darstellung Deiner persönlichen Vorteile v. Twitter & FB.

    Twitter und Facebook find ich beide gut, bei letzterem hat es bisschen länger gedauert. FB war mir am Anfang einfach suspekt, eben auch vom Datenschutz her und so. Aber ich muss auch zugeben, ich kannte mich damit nicht aus, hatte eben auch keine Ahnung. Dass man sich da mit diversen Einstellungen ganz gut behelfen kann, wusste ich nicht. Jetzt aber schon und ich schätze an fb besonders die Einfachheit was den Dialog mit einander angeht (will ich mal nix schreiben, drück ich einfach „gefällt mir“), dass man von anderen die Kommentare auch bewerten kann und dass Links mit Vorschau und Bild angezeigt werden, auch Videos direkt in FB angesehen werden können und so weiter… schon alles viel attraktiver und somit auch ein spaßigeres Miteinander als bei wkw oder myspace.

    Twitter ist irgendwie ganz anders. Meine Infoquelle nr. 1 – neben meinem RSS-Reader. Und auch dort tummeln sich liebe Leute. Ich mache allerdings nicht mein Folgen von der Zahl der Follower fest, die jemand hat. Aber konsequent bist du ja auch nicht, sonst wärest du mir schon längst entfolgt 😉 (>500 Followers).

  4. foxxi says:

    So, ich habe diese ominösen 500 mal auf 1.000 erhöht …weil ich nochmal nachgeschaut habe und es so ist, dass einige doch tatsächlich mit dieser Zahl noch zurechtkommen und eine Interaktion möglich ist. Aber ich hoffe ihr wisst was ich mit dieser Aussage meine …

    @shan_dark …ich würde Dich auf Facebook gerne finden 🙂

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