Wurzelbehandlung

„Wo sind denn Deine Wurzeln?“ fragte mich Achim auf Facebook, nachdem ich skandierte ins Oberbaumeck zu gehen um dort  FC St. Pauli gegen die Fohlen zu sehen. Zeitgleich spielte der VfB gegen Nürnberg und „wurzelmäßig“ hätte ich in die Cantina Orange gehen müssen, die VfB-Public-Viewing-Location in Berlin.

Tatsächlich treibt mich die Wurzelfrage schon um, wenn es um Fussball geht. Ich habe es nie verstanden wie ein, sagen wir mal in Ostfriesland Geborener und dann in die Eiffel emigrierter Fan eines Fussballvereins im Süd-Osten der Republik sein kann und ich rede hier nicht von Annerkennung und/oder Sympathie, nein ich meine so „richtiger“ Fan mit Trikot(s), Schal etc… Wurzeln und Lokalpatriotismus sind für mich gleichbedeutend, sollte also der angesprochenen ostfrieslandgeborene eiffelemigrierte Fan den lokalen TuS Pewsum durch dick und dünn und für alle Zeiten unterstützen so ist das legitim, es ist sogar legitim Fan dieses süd-östlichen Fussballvereins zu sein wenn man in dieser Möchtegernhauptstadt geboren ist oder dort lebt. Insofern ist klar, dass ich Fan (und Mitglied) des VfB Stuttgarts bin, denn dort bin ich geboren und aufgewachsen und gleichzeitig unterstütze ich die Berliner Vereine in der Abstufung 1. FC Union Berlin, Hertha BSC, etc..

Bezüglich des FC St. Paulis muss ich eines gleich klarstellen, ich bin kein Modefan! Ich war schon immer St. Pauli Anhänger und zwar aus Gründen, die ich gleich ausführe. Lediglich der Grad des Interesses an der momentanen Vereinssituation ist, war und wird veränderlich und das trifft genauso auf meine anderen „Lieblingsvereine“ zu, ja eigentlich betrifft es Fussball und noch weiter gefasst den Profisport…

Wenn ich schon so anfange ist klar auf was das hinausläuft… es geht um Gesellschaftskritisches und seit letzten Samstag muss ich das eigentlich auch gar nicht mehr ausführen, den die wichtigsten Kritikpunkte wurden bei einer großen (und sehr beeindruckenden) Demonstration von Fußballfans hier in Berlin sogar bis in die Tagesschau transportiert. Die Süddeutsche hat das auch nochmal sehr gut zusammengefasst.

Mich kotzt diese überbordende Kommerzialisierung so dermaßen an, dass mir zeitweilig jedwedes Interesse an Fussball abhanden kommt. St. Pauli setzte hier immer und ich betone das Wort „immer“ einen Kontrapunkt, manchmal sicherlich nicht sehr glücklich und manchmal vielleich auch zu dogmatisch, aber genau deshalb liebe ich diesen Verein. Das passt auch hervoragend zu dem, was ich im ersten Absatz elaborierte, denn selbstverständlich bin ich ein schwäbischer Berlin-Immigrant und hab‘ mit Hamburg per se nix am Hut, aber es geht mir bei St. Pauli nicht nur um Fussball sondern ums „Anderssein“ und das habe ich immer bewundert, während es beim VfB immer nur um Fußball ging …

In den letzten Jahren hat mich die Bundesliga immer weniger interessiert und 2. Liga, ja sogar Regionalliga war ein ziemlicher guter Ersatz, den schließlich liebe ich den Sport. Der FC St. Pauli macht die Bundesliga für mich wieder attraktiv, während die arrivierten Vereine mich eigentlich nur noch nerven. Nervend ist auch der VfB Stuttgart, d.h. nicht, dass ich dem Verein den Rücken kehre, aber das Interesse nimmt konstant ab und wenn man sieht, wie mir Hertha in der zweiten Liga z.Zt. Spaß bereitet, bin ich manchmal versucht zu glauben, dass der Abstieg vielleicht nicht das schlechteste für so einen Verein ist…

Achim, ich hoffe das beantwortet Deine Frage nach meinen Wurzeln, sie liegen eindeutig nicht beim Kapital 😀

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