Auf großer Fahrt

Cossebaude, Niederwartha, Weinböhla, Priestewitz, Zabeltitz, Frauenhain, Prösen Ost, Hohenleipisch, Rückersdorf, Doberlug-Kirchhain, Walddrehna, Luckau-Uckro, Drahnsdorf, Wünsdorf-Waldstadt… das sind so glorreiche Orte, die man quert, wenn man in einer einigermaßen sinnvollen Zeit per Bahn nach Dresden fahren möchte. Ich hab‘ das ja schon mal thematisiert, aber ich muss da nochmal einen draufsetzen.

Ich werde ja immer abenteuerlustiger und so habe ich mir vorgenommen am Samstag von Berlin nach Dresden zu fahren um einem Konzert der fantastischen Mono Inc. zu lauschen um anschließend in Ermangelung von Rücksturzmöglichkeiten, das gotische Nachtleben in Dresden zu erforschen und zwar bis zum Morgengrauen – from dusk till dawn, literally so to say …

Das Konzert war für 21.00h veranschlagt, der letzte durchgehende Zug an einem Samstag abend geht von Berlin aus 16:36h, ein EC mit Ankunft in Dresden um 18:52h. Alle späteren Verbindungen gehen mit Umsteigen einher. Man hat also die Wahl zwischen einer bequemeren Anreise aber einer viel zu frühe Ankunft gegenüber Umsteigestress, aber dafür einer pünktlichen Ankunft. Aufgrund der Natur des Anlasses, welcher eine etwas aufwändigere Aufrüschung erforderte, war es opportun die Zeit zwischen Wohnungsverlassen und Veranstaltungsbeginn zu minimieren – ergo Umsteigen mit pünktlicher Ankunft. In der Praxis hieß dies 18:01h ab Alexanderplatz mit dem Vogtlandexpress nach Elsterwerda und dort mit der Regionalbahn nach Dresden Hauptbahnhof und weiter mit dem Taxi zum Veranstaltungsort.

Ich sach‘ mal so: Natürlich funktioniert das, aber wenn man bedenkt, dass man fast 300 km nach Hamburg mit der Bahn in 1,5 Stunden machen kann, dann sind die (noch guten) 2:45 Stunden für 190 km ziemlich lächerlich. In der Tat könnte man auch den ICE über Leipzig nehmen, aber Mindestaufenthalt in Leipzig sind 45 Minuten sodass die Bruttoreisezeit auch wieder auf 3:20 Stunden kommt …aber die ganze Rechnerei ist eigentlich für den Arsch, den Fakt ist die Zuganbindung von Bundeshauptstadt nach Landeshauptstadt ist unzeitgemäß und völlig beschießen. Und JEDER weiß das und bemängelt es, nur anscheinend gibt es politische Gründe die dies verhindern – WARUM ist mir schleierhaft. Jedenfalls habe ich jedem (Dresdner) ins Gewissen geredet diesen schwarz-braunen Bockmist in ihrem Länderparlament nicht mehr zu wählen. Es geht ja noch weiter: Der Dresdner Hauptbahnhof ist ziemlich neu renoviert, was eine Auswirkung des Elbehochwassers 2002 war, hätte es das nicht gegeben, wer weiß wie der Bahnhof heute aussehen würde. Jedenfalls ist da Samstag abend nach 23:00 Schicht, die schließen sogar die Toilette ab …Ich meine, wir reden über diesen Irrsinn Stuttgart 21 und eine andere Landeshauptsstadt wird von der Bahn und ihren verantwortlichen Politikheinis völlig vom Rest der Republik abgekoppelt – es ist echt Unglaublich.

Naja …der Puschkin-Club ist eine kleine, aber feine Konzert-Location. Das erste was mich begeisterte war die Gestaltung der Eintrittskarte …

…geil, wa? Fuck Eventim!

Der nächste Begeisterungssturm entfachte die Getränkeauswahl, mittenmang ASTRA. Ich holte mir eine Knolle und mischte mich unters gut gestylte, rabenschwarze Dresdner Publikum. Natürlich wollte ich das Fläschchen in meiner Hand gleich fotografieren um meiner Chronistenpflicht nachzukommen, doch leider musste ich feststellen, dass meine Kamera sich (wiederum) mit einem Objektivfehler verabschiedete. Warum das immer zu Beginn einer Sache sein muss entzieht sich meiner Kenntnis, ärgerlich war es auf jeden Fall, denn erstens schleppt man unnötigerweise Ballast mit und zweitens, und das galt hier im Besonderen, hätten das echt klasse Bilder und Videos werden können. So musste ich mich mit der Tatsache trösten, dass ich wenigstens jeden Song ungehindert mitrocken konnte, was allerdings in dem dann später ziemlich heißen Saal zu einem Verlust des Frisurenstylings führte, was mich wiederum auf den Dresdner Hauptbahnhof zurückbringt ….Aber der Reihe nach:

Von der Vorband – Soon – hab‘ ich leider nicht so viel mitbekommen, ich musste mich erstmal einleben so zwischen Astra-Freude und Kamerafrust. Es hörte sich aber nicht schlecht an …und dann ging’s auch schon los mit Mono Inc.

Ich hab‘ versucht mit meinem Handy ein Bild zu machen, aber das kann man wirklich vergessen, deshalb hier der Link auf das Tourtagebuch der Truppe, die Saturnaktion find‘ ich ein wenig grenzwertig, aber wichtig ist der Schluss, da sieht man welche Stimmung herrschte …

MONO INC. TV – Folge 51 – Dresden

… es war wirklich grandios. Das Publikum war fantastisch sangesstark und die Band dankte es mit einem wunderbaren Konzert. Mono Inc. haben eigentlich nur Hits, alles singbar und enorm tanzbar, schön, hymnisch, eingänglich und sehr engagiert. Es war ein wirklich tolles Konzert und die umständliche Anreise wert.

Anschließend war der Kamerafrust vergessen und lediglich die Frisur ließ zu wünschen übrig, was mich auf die Idee brachte mich zurück zu meinem Handgepäck, welches ich in einem Schließfach im Bahnhof deponierte, zu begeben um mich ein wenig aufzuhübschen und die unnötigen Utensilien abzulegen. Dort angekommen schlug wieder der Ärger auf die Bahn und deren „Dresdenkonzept“ zu, es herrschte völlig tote Hose und die sanitären Anlagen waren abgeschlossen. Also schnappte ich alles und stapfte beherzt durch die Lobby eines nahegelegenen Hotels in Richtung gekachelte Nebenräume, sämtlich Blicke ignorierend die mich fragend musterten. Wo ein Wille ist ist auch eine Frisur und keine 10 Minuten später war mein Look wieder manierlich und ich entließ mich wieder in die Nacht…

Die Internetrecherche ergab eine Location nördlich der Dresdner Neustadt mit dem vielsagenden Namen Bunker. Das ganze Gelände ist eine einzige Partymeile, gewöhnungsbedürftig. Bei meinem Ankommen waren gleich 3 Ambulanzen im Einsatz und Polizei hirschte durch die Gegend, worauf der Taxifahrer nur meinte, dass sich wohl mal wieder welche in die Haare gekriegt hätten, was ich sehr befremdlich fand, den die wenigsten hatten sowas …überhaupt lachte sich der Taxifahrer halb schlapp, als ich ihm am Bahnhof mitteilte ich wolle mich nun in das Dresdner Nachtleben stürzen.

Als ich die Droschke verließ viel mein Blick gleich auf eine kleine Gruppe schwarz und stilvoll gewandeter Menschen, denen ich einfach mal folgte und tatsächlich ging’s zu jenem Bunker. Um es gleich zu sagen: Eine klasse Location! Sehr geräumig, angemessene Beleuchtung und ein sehr angenehmes Publikum. Der erste Floor bot soliden Metal, ein Stockwerk höher gab es einen kleineren Floor mit Mittelalter und Gothic Metal und einen großen Floor mit allerlei altem und neuem aus der schwarzen Musik in einem sehr abwechslungreichen Mix. Hier wollte ich den Rest der Nacht verbringen und mit 2 Piccolo Rotkäppchensekt viel mir auch das Tanzen mit meinem angeschlagenen Knöchel leichter …

Um 05:10h ging’s dann wieder retour nach Berlin. Abfahrt an einem halbtoten Bahnhof, wengstens ein Büdchen hatte nun geöffnet und es gab einen Kaffee, aber die Toiletten waren immer noch zu. Mit der Regionalbahn ging’s wieder bis Elsterwerda und dann weiter mit dem Regionalexpress nach Berlin wo ich schließlich gegen 08:30h eintraf …

… trotzdem hat’s Spaß gemacht!

This entry was posted in dresden, gothic, in Concert, unterwegs. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.