Fußball

Nun ist die WM also auch schon wieder vorbei, ich fand es war eine schöne Veranstaltung, insbesondere deshalb weil im Vorfeld ein gerüttelt Maß an Skepsis vorherrschte …auch bei mir. Also entweder hat der FIFA-Apparat jegliche Mißtöne erfolgreich unterdrückt oder es ist wirklich nichts passiert, wobei ich mittlerweile eher auf die zweite Möglichkeit tippe.

Das Team in schwarz-rot-gold hat aus meiner Sicht eine klasse Performance abgeliefert, wobei zu einer gelungenen Vorstellung immer mal wieder auch Glück gehört. Dass dies so ist zeigen die beiden Spiele gegen Serbien und Ghana in der Vorrunde. Bei der Niederlage gegen Serbien spielte eine starke deutsche Mannschaft, die den Gegner dominierte, aber das Runde wollte eben nicht ins Eckige. Ghana hingegen war an diesem Tag mindestens auf Augenhöhe, aber das Tor hat die DFB-Auswahl gemacht. Glück gegen England, dass das 2. Tor der Engländer nicht gegeben wurde, wer weiß was dann passiert wäre, Streich 3 und 4 vetrieben dann jedoch das ungute Gefühl und alles in allem war Jogis Elf einfach besser. Der Sieg gegen Argentinien bedarf keiner Erörterung, das war vom Feinsten. Gegen Spanien behaupte ich, hatte die Truppe einfach die falsche Taktik. Ich bin ja nur einer von ca. 70 Millionen Bundestrainern, aber in einem Halbfinale (ich bin sogar noch radikaler – in der K.O.-Runde) würde ich die Parole ausgeben, dass am Ende ein Tor mehr auf dem Konto stehen müsste und für bedingungslosen Angriffsfußball plädieren. Zumindest in der 2. Hälfte hätte auffallen müssen, dass das Defensivkonzept gegen einen technisch starken und vorallem ballsicheren Gegner so nicht aufgehen würde. Dass Offensivfußball das Rezept gewesen wäre, hat das Spiel gegen die absolut ebenbürtigen Urus um den dritten Platz gezeigt, dann geht so ein Spiel eben 3:2 aus, who cares? Aber alles in allem haben wir gegen den rechtmäßigen Weltmeister verloren und das geht völlig i.O.

Ich hätte nicht damit gerechnet,dass Deutschland, Uruguay und die Niederlande zu den besten 4 Mannschaften der Welt zählen, aber alle 3 standen am Schluss zurecht und verdient dort oben. Lediglich Spanien war aus meiner Sicht gesetzt, wobei ich zwischendurch ziemlich sicher war, dass am Ende auch noch Argentinien mitredet. Ich hätte es Maradona schon gegönnt, aber so wie die WM nun zuende ging ist das völlig i.O.. Spanien hat zur Zeit einfach die beste Mannschaft, wobei man sich schon fragen muss, ob eine Mannschaft, die quasi aus zwei Vereinen besteht noch als Nationalauswahl durchgehen kann. Anyway, sie spielten einfach geil …!

Am 20.August startet dann wieder die Bundesliga und da befinde ich mich ja bekanntlich seit ein paar Jahren in einem echten Zwiespalt.

Ich bin aufgewachsen mit einer relativ starken familiären Leidenschaft zum Fußball und zu seinen lokalen Protagonisten, bei mir natürlich der VfB Stuttgart. Meine Eltern waren keine Fanatiker, wohl aber Fans und wenn mein Großvater zu Besuch kam, war ein Stadionbesuch mit mir fast schon eine Pflichtveranstaltung, wobei es meinem Opa zuliebe auch gern einmal die Blauen sein durften. Die samstägliche Radioübertragung war selbstverständlich, genauso wie die Sportschau ab 18.00h. Ich habe wegen Fußball gefeiert und aber auch geweint und getrauert und als richtiger Fußballfan habe ich natürlich auch eine Hassmanschaft, welche das ist kann man in diesem Blögchen leicht herausfinden … diese Mannschaft ist der Feind und zwar in der Bundesliga, wie auch in internationalen Wettbewerben, da gibt es keine Ausnahmen.

Aber es ging ja eigentlich um den Zwiespalt… nun, das ist einfach: Mir stinkt der immer übertriebenere Kommerz rund um den (Bundesliga-) Fussball. Man nehme nur mal die neuen Anstoßzeiten: Vor ein paar Jahren, als man schon mal versuchte einen drei-geteilten Spieltag zu etablieren, hagelte es aller Orten Proteste und zwar gleich so, dass Fans den Stadien fernblieben – heute ist das mit gezielten Volksverblödungsmaßnahmen kein Thema mehr, alles ordnet sich den Vermarktungsplänen unter. Also ich habe keine Zeit mich drei Tage hintereinander und dann noch zu unmöglichen Zeiten für das Thema Fußball zu interessieren. Aber das ist nur ein Beispiel, wenn ich jetzt noch anfange über Stadionnamen zu philosophieren geht das hier ewig… Ich habe das auch schon einige Male ausgeführt, das Resultat ist jedoch einfach. Seit ca. 3 Jahren habe ich vielleicht 5 Spieltage im TV mitverfolgt und dass obwohl ich seit mittlerweile fast 10 Jahren sogar noch dafür bezahle, es langweilt mich zusehends zumal ja eh’ immer die gleichen Meister werden …und diese idiotische Champions League – ach hör’ ma uff!

Nichtsdestotrotz hatte der VfB ja in der letzten Saison in der Rückrunde einen grandiosen Lauf und wurde “Rückrundenmeister”, was zwar nix einbringt aber mal sehen ob sie den Schwung in die neue Saison rüberretten können. Aber eigentlich ist mir das mittlerweile auch relativ wurscht, der VfB baut ein neues Stadion welches dann wahrscheinlich jedes Jahr anders heißt und den Verein zum Erfolg verdammt, weil das Ding ja finanziert werden muss …und unser Aufsichtsratsvorsitzender ist Dieter Hundt und den sehe ich nicht gerade als Sympathieträger …

Sympathisch ist mir allerdings der neue Trikotsponsor die Garmo AG, ein urschwäbisches Unternehmen. Und warum freut mich das? Nun, man kann sich denken was geistig schwach strukturierte Fans davon halten …

Aber zum Glück gibt’s ja Alternativen: Wohlverdient in der Bundesliga angekommen der FC St. Pauli und in der (noch) spannenderen 2. Liga der 1. FC Union Berlin.

Nun, natürlich war ich schon immer St. Pauli-Fan und nach der Aufstiegssaison sowieso. Aber warum nur? Keine Ahnung – St. Pauli ist und war eben schon immer Kult und deswegen ist das eben so – nein, natürlich gibt es handfeste Gründe dafür und die Argumentation geht natürlich in die Richtung “Non established since 1910″, ich denke dass muss man nicht groß ausführen. Der Verein steht sinnbildlich gegen Diskriminierung, Rassismus und Homophobie und damit diametral gegenüber dem, was Fans anderere Fußballclubs gemeinhin nach außen tragen, man könnte ihn durchaus als Opposition verstehen.

Ähnlich wie Union Berlin übrigens, in der DDR war dies der Oppositionsclub zum verordneten Dauermeister und Stasiclub BFC Dynamo und wer mal im (neuerbauten) Stadion an der alten Försterei war und aus tausenden Kehlen Eisern Union von Nina Hagen gehört hat, der weiß spätestens dann was Fussballeidenschaft heißt …das ist die deutsche Anfield Road. Außerdem verbindet eine Fanfreundschaft die Eisernen mit St. Pauli.

Für beide Vereine, aber für St. Pauli im Besonderen wird dies mit Blick auf den Kultstatus dieses Jahr ein Spießrutenlauf. Corny Littmann hat sich zum richtigen Zeitpunkt als Präsident verabschiedet, ab jetzt wird sich zeigen, ob man weiterhin seine Ideale behalten kann oder ob man gezwungen sein wird mit den Wölfen zu heulen – sein Nachfolger sitzt auf einem Pulverfass und der Stadionumbau zeigt in welche Richtung es vorraussichtlich gehen wird, die Kritik an der Dauerkartenvergabe untermauert dies.

Und in Berlin wird es zu einem interessanten Duell kommen – wer wird der neue Hauptstadtclub? Die große, aber abgestürzte alte Dame oder die Underdogs aus Köpenick. Wenn am Ende beide aufsteigen wäre ich hochzufrieden…

Also, alles in allem freue ich mich auf die neue Saison …

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One Response to Fußball

  1. Hody says:

    Ein SC Freiburg, es gibt nur einen SC Freiburg…ein SC Freiburg…

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