Nachdenklich …

Als Zensursula als Bundespräsi gehypt wurde habe ich mich vehement dagegen ausgesprochen. Diese Frau verkörpert politisch (fast) alles was ich auf den Tod nicht leiden kann. Insgeheim habe ich natürlich auch auf die alte Regel vertraut wonach der erste Kandidat es sowieso nie wird. Wulff wird ebenfalls nicht „mein Präsident“, eigentlich überhaupt niemand aus der Reihe „Politprofi“ und schon gar niemand der von Schwarz-Geld ohne breiten Konsens, sozusagen par ordre de Mufti auf das höchste Staatsamt gehievt wird nur um diese Chaoskoalition zu stabilisieren.

Dass dann Joachim Gauck als Gegenkandidat auf den Plan trat empfand ich als wohltuend, auch wenn mich das Gedöns um den „Coup“ der Opposition enorm stört, denn auch ich habe die romantische Vorstellung, dass der Bundespräsident keinem Parteienkalkül unterstehen sollte. Jedenfalls habe ich mich den Unterstützern im Netz angeschlossen …ich bin sozusagen dem Schwarm gefolgt.

Die NachDenkSeiten haben nun vorgelegt, Fefe sekundiert und F!XMBR führt aus, die Diskussion ist in vollem Gange und ich frage mich, ob ich nicht zu vorschnell war und Gauck als „my president“ zu sehen, was natürlich peinlich wäre, denn schließlich halte ich mich ja auch für den intellektuellen Nabel der Welt …

Dass es überhaupt diese Diskussion gibt finde ich schonmal hervorragend. Zeigt sie doch, dass es viele gibt, die sehr gut einschätzen können was z.Zt. hier passiert. Denn es geht freilich nicht um Wulff, Gauck oder sonst jemanden, es geht um das was mit diesem Geschacher bezweckt, angerichtetet und angedeutet wird. Es zeigt, dass man nicht gewillt ist alles unhinterfragt hinzunehmen was sich irgendwelche „Eliten“ ausdenken. Zwar glaube ich nicht daran, dass sich am Ende etwas Entscheidendes ändert, aber dies nur deshalb, weil die Zeit einfach noch nicht reif ist. Zuwenig Menschen haben einen „natürlichen“ Zugang zu diesen informationen, aber es besteht die Hoffnung, dass sich dies in Zukunft ändert je mehr das Internet an Bedeutung gewinnt.

Was bedeutet die aktuelle Diskussion nun eigentlich für mich? Um ehrlich zu sein – ich weiß es nicht. Dieser Text hier erwidert die Kritik der NachDenkSeiten und nimmt eine für mich sehr vernünftige Haltung ein. Denn ich bin überzeugt, dass es möglich wäre jedem Kandidaten an die Karre zu fahren, wenn man nur wollte. Aber Gauck, als Nichtpolitiker ist für mich als Bundespräsident repräsentativer, weil eventuell auch wandelbarer als ein knallharter Machtmensch wie Wullf. Optimal ist er natürlich auch nicht…

…aber wer wäre den optimal? Margot Käßmann? Rita Süßmuth? Hans-Jürgen Papier? Gesine Schwan? Sicherlich alles verdiente Weine des Volkes und parteipolitisch eher unverdächtig. Geißler? Eppler? Schäuble (jaha)? Oder sonst ein alterweiser, bzw. altersmilder Politiker? Ich weiß es nicht …

Mal ganz ehrlich: Als Köhler zurücktrat zeigte sich bei mir keinerlei emotionale Regung bzw. Mitgefühl und mein Interesse tendierte gegen Null. Im Moment interessiert mich mehr ob es einen „wahren“ Grund für seinen Rücktritt gab oder ob es tatsächlich die Kritik an seiner Interviewäußerung war, die ihn die beleidigte Leberwurst spielen lässt…

(Die Frage ist ja generell WER diese Kritik geäußert hat? Es war ja wohl der Politbetrieb, während das Volk wohl eher die Ansicht vertreten hatte, dass Köhler ja eigentlich nur die Wahrheit gesagt habe. Eine bittere Wahrheit zwar, aber immerhin DIE Wahrheit. Was mich ärgerte war das Hin und Her beim Deutschlandfunk, welches doch sehr stark nach Zensur und Manipulation roch. Sollte das Bundespräsidialamt oder sonst irgendeine Behörde hinter dieser Gaukelei stecken, dann ist der Rücktritt allemal gerechtfertigt)

… letztendlich stellt sich mir angesichts dessen was hier mit unserem höchsten Staatsamt geschieht doch eher die Frage, ob es dieses Amt eigentlich überhaupt noch braucht. Ein König von Gottes Gnaden ohne jegliche Machtposition wäre mir ja fast noch angenehmer, dann wäre wenigstens jegliche Nachfolge von sämtlichen Parteiinteressen ausgeschlossen. Ein Kommentator drückt es zumindest bis zum Gedankenstrich völlig richtig aus, sein Fazit (ist zwar aus meiner Sicht i.O.) jedoch widerspricht auch der Vorstellung, die man diesem Amt entegenbringt.

Ich weiß es nicht, wahrscheinlich ist es mir wirklich völlig egal!

Update: Der Vollständigkeit halber hier noch der Spiegelfechter in gewohnt brillianter Weise …(und wenn ich jetzt noch ad sinistram lese, komme ich hier gar nicht mehr weg ;-))

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