Macht nur so weiter ….

Ich muss das jetzt mal loswerden: Ich bin ja katholisch …ja, genau… immer noch. Ich bin durch’s ganze Programm: Taufe, Kommunion, Firmung. Ich kenne den gesamten Ablauf eines Gottesdienstes auswendig und weiß genau wann ich „Amen“ sagen und wann ich auf die Knie muss. Bei „großer Gott wir loben Dich“ (Nr. 257 / Gotteslob) bekomme ich regelmäßig feuchte Augen und beim Weihnachtslied „Adeste Fideles“ muss ich heulen …

…meine religiöse Erziehung war nicht streng, es war eben so wie es in den 70igern im (protestantischen) Süden der Republik ablief. Die Einzigen, die der Kirche richtig nahe standen waren die Großmütter, alle anderen spielten eben mit weil „es sich so gehörte“. Regelmäßige Gottesdienstbesuche zu Weihnachten und Ostern, das war eben so. Im Kommunions- und Firmunterricht wurden Freundschaften geschlossen und später habe ich selber Jugendarbeit im Rahmen der Kirche gemacht. Das war zwar bei der protestantischen Konkurrenz, aber schließlich habe ich darüber meine spätere, langjährige Freundin kennengelernt (ja sie war eine meiner „Schützlinge“, und…??)

Schon seit langem habe ich keinen Glauben mehr (ich würde mal sagen seit ich so um 13 war), zumindest nicht an das was die Kirche sagt. Ich bete nicht mehr mit und auf die Knie falle ich auch nicht mehr, ebenso war ich seit meiner ersten „Übungsbeichte“ damals im Religionsunterricht auch nie mehr beichten. Seit fast 30 Jahren war ich bei Gottesdiensten nicht mehr zur Kommunion. Als das Fach „Ethik“ bei uns eingeführt wurde bin ich sofort aus dem Religionsunterricht ausgetreten.

Ich blieb trotzdem in der Kirche, obwohl ich nicht genau sagen kann warum. Zum einen interessiert mich die Kirchensteuerdebatte nicht, ich kann das verschmerzen und wenn ich die Kirchensteuer nicht zahlen würde, würde ich wahrscheinlich aus Faulheit noch weniger „soziale Ausgaben“ tätigen. Sicher ist es auch ein Rest Respekt gegenüber Menschen die „glauben“, es macht es einfacher sich mit ihnen, auch kritisch, auseinanderzusetzen. Das habe ich in Saudi-Arabien ganz stark gemerkt. Religiöse Spinner und Fanatiker stehen bei mir allerdings auf der gleichen Stufe wie Nazis …“Kill ‚em all and let god sort ‚em out!“

Ich lebe mittlerweile in einem völlig unreligiösen Umfeld und empfinde teilweise einen gewissen Stolz mich in Dingen auszukennen, die ja nicht unwesentlich zu unserer Kultur und Geschichte beigetragen haben, zudem sind Filme wie Dogma einfach lustiger, wenn man weiß um was es geht. Außerdem macht Sündigen viel mehr Spaß, wenn man weiß was eine Sünde ist .

Alles in Allem sehe ich keine Notwendigkeit dies zu beenden, aber lange schau‘ ich mir das nicht mehr an …

…und es ist nicht mal so sehr das Missbrauchsthema, welches z.Zt. in der Öffentlichkeit gehypt wird. Ja, Hype, ich mein‘ das wirklich so. Es gibt da ein paar Dinge, die ich nicht unter dem Begriff „Missbrauch“ abhandeln würde, damit würde man den Begriff m.M.n. für wirklich drängende Probleme entwerten. Und obwohl die Dunstglocke aus Zölibat, Beichtgeheimnis u.ä. sicherlich einen gehörigen Einfluss auf die Häufung dieser Vorkommnisse bei der katholischen Kirche hat, so glaube ich nicht an ein Alleinstellungsmerkmal. Vielmehr ist es erschreckend wie es möglich ist Menschen so zu manipulieren, so einzuschüchtern, dass  z.B. 17-jährige noch zu Dingen gezwungen wurden, mit denen sie nicht einverstanden waren. Das meiste, was heute auf dem Tapet liegt passierte in einer Zeit in der Prügel und „Obrigkeithörigkeit“ noch durchaus die Norm in puncto Erziehung waren und in geschlossenen Gesellschaften, wie z.B. Internaten noch viel mehr. In einem Kommentar einer sehr geschätzten Bloggerin auf ein Posting einer anderen sehr geschätzen Bloggerin wird das was ich hierbei denke ziemlich gut ausgedrückt:

Jetzt wird schon aufgezählt, wer in den 50igern eine Kopfnuss bekommen hat. Wenn sich da alle melden sollten, platzt die Republik.

…wohlgemerkt so kommt es daher, ich sage nicht, dass man das nicht zur Sprache bringen darf und ebenfalls muss das aufgeklärt werden. So ein Verhalten darf nicht toleriert werden, wenn wir Kinder zu mündigen Bürgern machen wollen. Aber alles mit ein bißchen weniger Geschrei, mehr Sachlichkeit und weniger Sex & Crime.

ALLERDINGS und das nervt langsam … muss das selbstgefällige Selbstverständnis der Kirchenoberen endlich aufhören und sich am gesellschaftlichen Status Quo orientieren, das Mittelalter ist vorbei und wenn dann noch solche Aktionen dazukommen, dann steh‘ ich langsam wirklich ab. Das ist das Selbstverständnis von Diktatoren und ich habe oben schon gesagt (auf englisch) was ich von diesen halte …die zivile Lösung ist eben der Boykott und das bedeutet im Falle der Kirche den Austritt aus der selben. Lange dauert’s nicht mehr …

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One Response to Macht nur so weiter ….

  1. Wow! Du sprichst mir aus der Seele. Mein „katholischer Werdegang“ ist in den hauptsächlichen Dingen so, wie Deiner. Nur länger her, weil älter. :))
    Ich würde gerne wissen, wie viele dieser Missbrauchsopfer einfach mal so behaupten, weil sie „der Kirche“ eine reinwürgen wollen. Ich habe langsam den Eindruck, dass jeder, dem der Pfarrer als Kind einmal lobend über den Kopf strich, im Nachhinein „Missbraucht!“ schreit.
    Dass ich richtig verstanden werde: Die wirklichen Fälle von Missbrauch an Kindern/Jugendlichen treiben die Übelkeit in mir hoch. – Aber nun alles, was in irgendeiner Art mit Pfarrer und Kirche zu tun hat über die Bank weg zu Tätern zu machen, rein prophylaktisch, sozusagen, ist der denkbar schlechteste Weg, damit umzugehen.

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