Plage Noire 2009 – Review

So, das Wochenende ist (leider) vorbei und schon den ganzen Vormittag bin ich am „Nachbereiten“. Also um es gleich vorweg zu sagen, dass war eine Hammerveranstaltung und ich hoffe inständig, dass sich das Plage Noire etabliert.

Die Location Weissenhäuser Strand, Ferienpark sogar, kann man getrost als etwas bizarren Ort für ein Gothic Festival ansehen und in der Tat, schwarz gekleidete Menschen inmitten von Bespassungeinrichtungen wie dem Dschungelland und jeder Menge Wellnesangebote sind ein etwas außergewöhnlicher Anblick …aber, hey, es funktionierte und Schwarzbier und Absinth schmecken auch unter rot-weiß gestreiften Markisen mit pseudo-mediterranem Ambiente. Und wer grundsätzlich auf Küstenlandschaft steht, so wie ich, der ist hier richtig aufgehoben …

…so schön das Festival auch war, wie man in so einer Anlage seinen Urlaub verbringen kann wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben …

Nun, das obige Bild zeigt ja schon was es an Programm zu bestaunen gab und das war absolut vom Feinsten. Was man unbedingt festhalten muss, da ja im Vorfeld ein wenig Murren über die Preisgestaltung zu hören war: Alle Bands spielten in voller Konzertlänge und es gab auch heftig Zugaben, also es war nicht wie auf Festivals üblich, dass gepusht wird und um Schlag 00:00h ist Schicht (was ich auch nie und nimmer verstehen werde). Allein unter diesem Aspekt kann man sagen, dass es beileibe kein „teures Vergnügen“ war sondern im Gegenteil, sogar enorm preiswert.

Die Anreise am Freitag war von Berlin aus natürlich sehr lässig. 1,5 Stunden mit dem ICE nach Hamburg und dann wiederum mit dem ICE gleich weiter nach Oldenburg in Holstein, d.h. keine 3 Stunden unterwegs. Lediglich beim Ankommen wurde ich etwas säuerlich, da ich im Hotel gebucht hatte und mich der Taxifahrer (unwissentlich) natürlich an der Information rausließ wo man sich für die Apartements eincheckte. Nach ca. 20 Minuten Anstehen wurde mir gesagt, dass man im Hotel separat eincheckt und ich musste bei strömendem Regen, mit Sack und Pack durch das ganze Gelände wandern – gut, beim nächsten Mal weiß man’s. Der Rest war unkompliziert, alles war bestens organisiert, mein Freund kam auch noch rechtzeitig und pünktlich um 17.00h war dann auf der Zeltbühne „Anstoss“ mit Mono Inc.

Dazu muss ich nix mehr sagen, das habe ich in diesem Blögchen schon mehrfach getan …die sind einfach sagenhaft!

Anschließen gingen wir ins „Witthüs“ zu Sonja Kraushofers Projekt Persephone. Auch das ist bekannt, ich liebe Frau Kraushofer, bei L’Âme Immortelle sowieso und auch bei Persephone. Das war zum ersten Mal, dass ich Persephone live gesehen habe und es war sehr beeindruckend.

Was auch sehr gut war, war dass die zeitlichen Überschneidungen zwischen den einzelnen Acts nicht sehr groß waren. Wenn man nicht gerade 100%iger Fan ein Formation ist, kann man sehr viele Bands anschauen und zwar nicht nur im Vorbeigehen. Auch das ein unbedingtes Plus am Plage Noire Festival. So haben wir uns nach Persephone im Baltic Festsaal In The Nursery angeschaut. Deren „optical Music Series“ sind immer wieder ein Highlight, aber so richtig live habe ich sie auch hier zum ersten Mal gesehen und das bestimmt nicht zum letzten Mal.

Danach haben wir in „der Bar“ unter eben jenen rot-weiß-gestreiften Markisen ein wenig gechillt, bzw. ein schönes Köstritzer eingeworfen um anschließend schnell bei Rotersand und And Also The Trees vorbeizuschauen bevor dann mit Apoptygma Berzerk im Zelt die Post abging …auch hier erübrigt sich jeder Kommentar, es war einfach nur wieder saugeil!

Nach Apop haben wir dann mal ein Auge auf die Damen von Client geworfen, das ist einfach auch immer schön, obwohl mich deren Musik auf die Dauer immer ein wenig müde macht, es ist einfach ein wenig zu poppig. Aber ein Absinth zwischendurch behebt das Problem 😉

Anschließend waren dann auf der Zeltbühne ASP angesagt, muss ich auch nix mehr sagen, einfach hier nachlesen. Der Abschluss des ersten Tages war dann Her Highness Mrs. Anne Clark, die trotz Stimmproblemen zusammen mit Ex-Tangerine-Dreams Steve Schroyder ein sagenhaftes Set ablieferte …when we were young!

Danach wurde getrunken und geschwoft bis in den frühen Morgen ….

Am Samstag früh fiel ich mal wieder aus dem Bett, seit ich nicht mehr rauche, nichts mehr esse und Sport mache verkomme ich zusehend zum Spieser, jetzt fehlen nur noch Kinder, Ausschlafen ist eh‘ nicht mehr drin …wir genehmigten uns ein ausgiebiges Frühstück und während  Freund Mario seiner Hotelzimmerlethargie frönte, kämpfte ich stundenlang in der Hotellobby mit einem Verdruss-WLAN, was übrigens der Grund für diesen Riesenpost hier ist, denn es ging so gut wie gar nichts mit dem Ding.

Man hätte sich natürlich in die diversen Wellness-Angebote schmeissen können, aber dafür war ich wiederum zu träge (und ganz ehrlich: Gothic Girls in der Sauna …so kalt kann man gar nicht duschen…), also habe ich meine gefütterte Lackjacke geschnappt und bin zum Strand gewandert, wie Hunderte andere Gothics auch – Plage Noire eben!

Um 16.30h dann mein absolutes Highlight: Die unvergleichlich anmutige und hinreißende Emilie Autumn las aus ihrem heiß erwarteten Asylum-Buch …

…es war unbeschreiblich. Ich bin da natürlich nicht objektiv, meine Verehrung für Emilie Autumn hat schon etwas von der Schwärmerei pupertierender Teenager, aber allein schon, dass ich das so sage kann man als Indiz setzen, dass ich schon weiß wie die Realität ist (in diesem Sujet zumindest ;-))

*..aber ist ist einfach so, dass wenn ich einen Wunsch hätte ich gerne eines der Mädels gewesen wäre, die Ihr im obigen Bild zu Füßen gelegen sind oder besser noch einer der Crumpets … und ihr könnt‘ Euch nicht vorstellen wie es ist, wenn man Ihr dann noch spät nachts begegnet …*


…HACH!

Nun, musikalisch war der Einstieg am Samstag die Berliner Band DIN [A] TOD, überhaupt war am Samstag im Festsaal Baltic das komplette Lineup der diesjährigen Out-Of-Line-Festival-Tour, … also es war das Out-Of-Line-Festival!

Ich bin nicht so sehr der EBMler, respektive Electro-Fan. Ich mag‘ die Musik ganz gerne, aber nicht permanent und gehe deshalb nie zum Out-Of-Line-Festival, aber im Rahmen des Plage Noires war das natürlich perfekt. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe Rabia Sorda für mich entdeckt, ich war gegenüber Hocico immer etwas voreingenommen, nicht dass ich es schlecht finde, aber ein ganzes Konzert lang ist nicht so meine Schiene, während hingegen Señor Aircrags Rabia Sorda mit nicht vocoderverzerrter Stimme, Drums und Gitarrenklänge mich wirklich begeisterte. Die Wut, die dieser Derwisch rübertransportiert ist phänomenal.

Aus der Reihe „Electronic“ habe ich mir dann auch noch Solitary Experiments und Kirilian Camera angeschaut, was ebenfalls ziemlich solide ist. Aber ich bin eben doch mehr der musikinstrumentenunterlegten Schiene zugeneigt und so stand im Zelt Corvus Corax, als einziger Vertreter der Mittelalterfraktion zur Besichtigung an…

Verlässlich gut und wirklich was für’s Auge, aber auch hier, wie im elektronischen Sektor tu‘ ich mir immer schwer ein volles Konzert durchzuhalten, aber es gibt ja Getränke und hierbei gibt es kaum eine bessere Musik als die der Kolkraben aus Berlin …

Anschließend dann Mr. Veljanov und Mr. Horn oder anders gesagt Deine Lakaien mit einem hinreißenden Akustikkonzert, bei dem ich mich die erste Viertelstunde mit meiner Kamera rumplagte, denn es gelangen mir einfach keine vernünftigen Bilder. Keine Ahnung warum, vielleicht war ich auch nur zu angeschickert …irgendwann hab‘ ich’s aufgegeben und mich der Musik hingegeben, was auch vernünftiger war.

Anschließend haben wir wieder in der Bar gechillt und deshalb kanm ich etwas zu spät zu London After Midnight, aber immerhin rechtzeitig genug um einen meiner Meinung nach tollen Auftritt der US-Amerikaner rund um Sean Brennan zu sehen. Die letzten Auftritte die ich sah litten allesamt unter irgendwelchen technischen Problemen, wobei es nie die Schuld der Band war. Doch diesmal ging alles gut und was mir an London After Midnight ganz besonders gefällt ist, dass sie einen gewissen politischen Anspruch haben, der in der Gothic-Szene nicht so sehr verbreitet ist …

Den (musikalischen) Abschluss des Tages waren dann die Damen und der Herr von Blutengel, wie immer verlässlich für allem die Optik!

Anschließend in der Bar, kam es nach zwei weiteren Absinthen zu obiger Begegnung mit der Göttin, so dass ich getrost vor Morgengrauen die Pfühlen aufsuchen konnte …

Die Heimfahrt am nächsten Tag war noch einfacher. Mario wollte nicht zu spät los und meine erneute Schlaflosigkeit kam dem entgegen. Nach einem opulenten Frühstück sattelten wir die Hühner und am Bahnhof zu Oldenburg gab es eine freudige Überraschung: In 20 Minuten fuhr der (einzige) ICE direkt nach Berlin-Ostbahnhof, bequemer geht’s nicht. Um 14.38h war ich in Berlin und um 15.20h beim Joggen im Volkspark …und abends ging’s noch zu Down Below in die Diamond Lounge des White Trash, aber das ist eine andere Geschichte …

FAZIT:

Wie gesagt, hoffentlich etabliert sich diese Veranstaltung. Ich kann schlecht schätzen wieviele Gothics da waren, aber alle Veranstaltungen waren so gefüllt, dass es nie zu eng, zu heiß oder zu stressig wurde. Im Vorfeld wurden oft die vermeintlich hohen Preise beklagt, aber eigentlich war genau das Gegenteil der Fall. 179,– Euro für 2 Übernachtungen in einem Wellness-Hotel (inklusive Benutzung der Anlagen und Super-Frühstücksbuffet) inklusive 21 vollwertige Konzerte, Lesungen und Abtanzen, das ist geschenkt und wenn man in ein 10er Apartement gegangen wäre, hätte das ganze 50,– Euro gekostet. Jedes WGT, Amphi und M’Era Luna ist teurer.

Gut, es war zum ersten Mal. Ich glaube nicht, dass FK Scorpio mit dieser Auslastung einen großen Schnitt macht, aber am Hungertuch nagen die bestimmt nicht und auf’s nächstemal können sie mit sehr positiver Mund-zu-Mund-Propaganda rechnen. Für die Ferienanlage Weissenhäuser Strand ist eine preiswerte Belegung immer besser, als gar keine Belegung und im November ist da eben normalerweise tote Hose.

Eine Gefahr sehen wir dennoch. Es gibt natürlich weitaus mehr Übernachtungsmöglichkeiten für Teilnehmer als die Veranstaltungsräumlichkeiten fassen können, die Gefahr der Überfüllung ist groß und ich hoffe, dass der Veranstalter eher die Preise nach oben setzt, als sein Heil in der Masse zu finden!

This entry was posted in gothic, in Concert, unterwegs. Bookmark the permalink.

2 Responses to Plage Noire 2009 – Review

  1. Weib says:

    dein artikel hätte nicht besser seinen können …..du hast es genau so beschrieben wir „ich“ es erlebt habe …sehr gut gemacht …und ich teile deine meinung ,der preis war total ok,für das was sie geboten haben .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.