Wie komm' ich aus der Nummer wieder raus?

Seit 2,76 Jahren rauche ich nicht mehr. Ich habe am 17. Januar 2007 aufgehört und zwar von Jetzt auf Gleich, ohne Anlass von ca. 50 Zigaretten pro Tag auf Null. Als ich zwei Tage hinter mir hatte, kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass wenn ich jetzt eine Zigarette rauchen würde ich mich 2 Tage umsonst gequält hätte … und ich habe mich gequält!

Heute quäle ich mich immer noch, zwar nur noch ca. 5 Minuten pro Tag, aber immerhin. Ich habe gerne geraucht und das werde ich wohl nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Wenn ich meine täglichen 5 Minuten habe (verteilt auf mehrere kleine Abschnitte über den ganzen Tag), dann denke ich mir einfach, dass ich, wenn ich jetzt eine Zigarette rauchen würde, ich 2,76 Jahre meines Lebens mit sinnloser Quälerei verschwendet hätte.

Ich glaube nicht, dass ich unter den gegenwärtigen Umständen noch einmal anfangen würde. Rauchen ist ein Genuß mit Reue und daran wird sich wahrscheinlich nichts ändern, zudem möchte ich den Drogendealern des Staates ihre Beute (vulgo: Steuergelder) nicht noch vergrößern.

Jetzt habe ich mir eine neue Disziplin auferlegt mit der ich allerdings langsam aber sicher Probleme bekomme.

Vor ca. 9 Wochen, als ich mich wieder für eine samstägliche Abendgestaltung zurechtmachte und wieder so gar nichts auf den tonnenartigen Leib passen wollte und ich überdies noch in übelste Schweißausbrüche geriet, fasste ich einen Beschluss, wonach ich endlich etwas gegen meine Fettleibigkeit tun wollte. Wie auch schon beim Rauchen, war dies freilich nicht das erste Mal, dass ich vor Wut, Frust und Depression eine solche Ankündigung machte, nur ebenfalls wie beim letzten Entschluss das Rauchen aufzuhören, scheint es diesmal gefruchtet zu haben.

Leider jedoch gibt es zwischen beiden Sachverhalten einen himmelweiten Unterschied: Während man ohne Rauch überleben kann (wenn es einem auch schwerfällt das zu glauben) ist ein Leben ohne Ernährung auf die Dauer nicht machbar. Ich jedoch habe also vor ca. 9 Wochen beschlossen, dass ein schneller Erfolg das einzig Wahre sei und deshalb die Maxime ausgegeben nur einmal (1x) am Tag zu essen und gleichzeitig jeden zweiten (2.) Tag mich sportlich zu betätigen und zwar (die, die mich kennen bitte hinsetzen) mit Jogging. Diese Vorgabe halte ich nun seit ca. 9 Wochen zu fast 90% ein. Die übrigen 10% sind bezogen auf die Nahrungsaufnahme berufliche und freundschaftliche Zwänge und bezogen auf den Sport krankheitsbedingte und auch beruflich veranlasste Ausfälle.

Nun, ich kenne meine Ausgangsbasis nicht, da ich mich seit Jahrzehnten Waagen verweigere. Kleidung und Optik sind einfach naheliegendere Indizien für zuviel oder zuwenig an Körperfülle und es ist nachvollziehbar, dass bei dieser Vorgabe sich einfach etwas ändern muss. So kann ich mittlerweile fast alles aus meinem reichhaltigen Sortiment an Kleidung wieder einigermaßen unverkrampft tragen. Insbesondere das gotische Zeug, was ja eigentlich Auslöser der ganzen Geschichte war. Dieses Gefühl ist so überwältigend, dass ich in höchstem Maße Willens bin dies noch weiter zu optimieren und ich zudem es nicht noch einmal soweit kommen lassen möchte wie es war…

…nun, man ahnt schon worauf die Überschrift hinausläuft: Das Ganze kann zum Problem werden!

Natürlich muss man kein Wort darüber verlieren, dass es so einfach nicht geht. 1x am Tag nur etwas essen ist schwachsinnig und widerspricht allem, was Ärzte, Ernährungsgurus oder einfach nur der gesunde Menschenverstand einem vorgeben. Das dies auch noch ausgerechnet von jemandem zelebriert wird, der Essen auch als sein Hobby angibt ist nur noch eine Randnotiz innerhalb der gesamten Idiotie. Darüber zu diskutieren ist jedoch genauso sinnlos, denn es ist nun mal passiert und das Erfolgserlebnis ist grandios wenn sich z.B. die Gürtelschnalle nicht mehr nach unten. wölbt Dieses gute Gefühl ist eventuell sogar noch steigerbar, nämlich dann, wenn zum ersten mal das Hemd nach einer Stunde tragen sich nicht mehr durch die medizinballartige Vorstülpung des Bauchfetts von hinten nach vorne aus der Hose zieht, ja schon allein wenn ich überhaupt wieder unverkrampft ein Hemd in die Hose stecken kann …

… so weit so gut, es ist ja noch eine Menge Potential da. Was aber, wenn es genug ist, wenn die kritische Maße erreicht ist? Dann, wenn nichts mehr geht oder das Maß an Zufriedenheit keine weitere Steigerung erfährt? Wenn man wie beim Rauchenaufhören sagen kann, ich bin darüber hinweg? Diese Grenze gibt es allerdings hierbei nicht …

… ich ertappe mich immer häufiger dabei, wie mich z.B.beim bloßen Gedanken an ein (zusätzliches) Abendessen mit Freunden ein Angstgefühl beschleicht. Dem Rauchen trauere ich mittlerweile 5 Minuten am Tag nach, Tendenz weiter fallend, Kohldampf hingegen schiebe ich an mindestens 17 von 24 Stunden und das wird sich freilich nicht ändern, auf Dauer ist dies also kein lebenswerter Zustand. Jedoch das Damoklesschwert „Jo-jo-Effekt“ hängt mittlerweile permanent über meinem Gemütszustand und das „Beispiel“ Joschka Fischer geht einfach nicht mehr aus dem Kopf…

… das alles macht mir Angst!

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3 Responses to Wie komm' ich aus der Nummer wieder raus?

  1. Frank Frenzel says:

    Thilo … halte durch … ich bin stolz auf Dich und wäre heilfroh, wenn ich mit dem Nichtrauchen schon so weit wäre wie Du. Du ,weißt, ich rauche Camel big, die Schachtel für 5 Euro 65 pro Tag … und davon 2 in 24 Stunden. Das sind 4.114,50 Euro pro Jahr … in der Zeit, die Du jetzt rauchfrei bist, habe ich also einen richtig guten Gebrauchtwagen verdampft … aber das Schlimmste ist, dass ich mit rund zwei Dritteln dieser Summe den Staat finanziert habe … wenn das kein Grund ist, weiterhin nicht zu rauchen, dann weiß ich auch nicht. Und ich hoffe, dass auch ich noch davon wegkomme … ich geb mir redlich Mühe.

  2. Du bist mein großes Vorbild an Nichtraucher-Disziplin, aber bitte werd nicht so ein mickriger klappriger (was ist das Gegenteil von sinnenfroh?) Anorektiker. Geht schneller als man denkt, von einer Sucht in die andere zu rutschen, war ich auch mal davor. Und ein paar Tage nichts essen hat einen ähnlichen Effekt wie Koks.

    Mein Oppa hat immer gesagt: „Ne richtige Frau muss einen richtigen Schatten werfen!“ – ich denke das gilt auch für Männer.

  3. foxxi says:

    @Frank
    Genau, selbst wenn man die Kohle locker hätte, täte es weh es diesen Gangstern geben zu müssen um ihre Kriege, Banken etc. zu finanzieren. Auf dem Rücken von Süchtigen! Ich meine wo ist die moralische Abgrenzung zum Drogendealer?

    @Frau Generator
    Nun, vom Anorektiker bin ich ja noch Lichtjahre entfernt. Gemäß dem BMI-Standard gelte ich sogar jetzt noch als adipös (…konsultieren sie sofort einen Arzt!), kein Witz!

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