Das Damoklesschwert über der Meinungsfreiheit

Nochmal etwas zur Peinlichkeit von Warner Bros. gegenüber F!XMBR

… die Story: Die Modefirma Ralph Lauren hatte eine Anzeige geschaltet in der ein Model offensichtlich Opfer eines Photoshop-Diletanten wurde der die gesamte Erscheinung der Dame grotesk in visuelle Mitleidenschaft zog. Klar dass da der Spott nicht ausbleibt. Xeni Jardin eine Bloggerin bei BoingBoing nahm den Ball dankbar auf.

And guess what? …wie bei einem Pawlow’schen Reflex geiferten Ralph Laurens Anwälte und Marketingfuzzis los und verlangten unter Absingen wüster Lieder vom ISP die Löschung der „urheberrechtsverletzenden“ Bilder.

Nun ist BoingBoing.net nicht irgendeine kleine Klitsche und Xeni Jardin nicht irgendeine kleine private Bloggerin und was folgte waren kübelweise Hohn und Spott für Ralph Lauren und seine betriebswirtschaftlichen Kalkleisten. Ganz abgesehn davon, dass sie wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt im Recht waren. Natürlich hat sich die ganze Sache in Luft aufgelöst, die ISPs haben wahrscheinlich mal kurz gelacht (nachdem ihre Anwälte gelacht haben) und Ralph Lauren hat eingestanden, dass sie hier wohl beim Bilder retouchieren gepatzt haben, allerdings kein Wort der Entschuldigung darob ihrer Attacke auf die Meinungsfreiheit bzw. zu ihrem DMCA-Antrag. Sehr schön in Wort und Bild hier.

So und jetzt stellt Euch mal vor IHR hätte das entdeckt und euch in eurem Blog darüber lustig gemacht und Ihr hättet einen Brief von Ralph Laurens Anwälten bekommen. Na?

Ich gestehe jedem zu, dass er sich individuell beleidigt fühlen darf, nur wenn er anfängt mit Paragrafen um sich zu werfen, dann sollte er im Zweifel sicher sein, dass er sehr beleidigt ist und im Notfall damit leben kann, dass andere das nicht so sehen. Witzigerweise sind meistens die beleidigt, die einen Arsch voll Geld haben um damit ihrem Beleidigtsein richtig Ausdruck zu verleihen und da muss man m.M.n. anfangen.

Wenn einem eine solche Abmahnung ins Haus flattert, dann kann man zwar versuchen, das ganze ohne Kosten aus dem Weg zuschaffen, jedoch wenn der Beleidigte nicht mit sich reden läßt, dann braucht man einen Anwalt und der kostet Geld. Und zwar egal ob ich hernach im Recht bin oder nicht, bezahlen muss ich immer und das sollte nicht sein.

Richtig wäre es wenn derjenige der angreift auch Gefahr laufen würde sich eventuel selber zu schaden, dann nämlich würde er sich zweimal überlegen ob der Angriff gerechtfertigt ist und das Damoklesschwert „Abmahnung“, welches permanent über dem Grundrecht der freien Meinungsäußerung (Art.5 GG) schwebt hinge nicht mehr nur an einem Roßhaar sondern immerhin an einem stabilen Zwirn.

Dazu passend: gulli-news: Digi Rights Solutions: Abmahnungen einträglicher als verkaufte Musik?

… ääh und BTW: Es gibt auch Anwälte, die sowas schon durchgesetzt haben!

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