Auf Kaperfahrt im braunen Meer?

logo_piratenEs sind jetzt noch 10 Tage bis zur Wahl und die Piraten, auf die ich mich ja ziemlich früh festgelegt habe, machen mir’s nicht gerade leicht sie mit voller Überzeugung zu wählen. Auf F!XMBR (toller Titel übrigens) kann man sehr schön nachlesen, wo es in dieser Partei hakt und ich gehe mit dem dort Ausgeführten völlig d’accord, jedoch nicht in letzter Konsequenz …

Die Abgabe eines Parteiamts an Herrn Thiesen der immer wieder mit seiner LeugnungRelativierung des Holocausts aufgefallen ist hatte mich zeitweise in ein echtes Dilemma gestürzt. Zum Glück hatten die Piraten damals die Kurve noch einmal bekommen und die richtigen Konsequenzen aus der Kritik gezogen. Nun also gibt der stellvertretende Vorsitzende Andreas Popp einer Zeitung ein Interview die fast noch verachtenswerter als die BLÖD-Zeitung ist und zwar die mit dem extrem rechten Rand sympathisierende „Junge Freiheit“. Und obwohl postwendend Kritik laut wird und sich der Herr Popp darauf beruft, dass er das nicht gewußt hätte, tritt der Nächste in die braune Scheiße, diesmal sogar der Bundesvorsitzende Jens Seipenbusch.

Gut, man könnte jetzt zuerst formaljuristisch argumentieren. Thiesen vertritt einen Standpunkt der zurecht (und zum Glück) in diesem Land ein Straftatbestand darstellt während ein Interview in der Jungen Freiheit zwar verachtenswert ist, jedoch nicht verboten. Ein (mutmaßlicher) Straftäter in einem Parteiamt wiegt schwerer als ein verwirrter Interviewgeber. Aber wie gesagt, das ist nur der formaljuristische Aspekt.

Straftäter in Parteiämtern ist keine Seltenheit, fragt mal die FDP und bei der CDU sähe es auch nicht gut aus, hätte irgendjemand den Arsch in der Hose gehabt Kohl in Beugehaft zu nehmen. Überhaupt wie auch schon mehrfach ausgeführt wurde, in jeder Partei gibt es Wirrköpfe, Irrlichter und Sektierer und in einer Partei in der „Mitmachen“ angesagt ist sind diese Blödmänner eben sehr laut. Die Piraten haben ihren Schwerpunkt auf „Digitalem“, da gibt’s eben Trolle und Leute die aus einer (scheinbaren) Anonymität heraus agieren. Zudem ist der Altersdurchschnitt der Piraten sehr jung und junge Leute sind eben auch weniger diplomatisch und auch mehr dem Jähzorn und des Rants zugeneigt. Das ist eben so, dass es ausgerechnet Vorsitzender und Vize ist, ist natürlich besonders dämlich.

In der Diskussion wird immer darauf abgehoben, dass es um Meinungsfreiheit geht. Es wird alles zitiert was Rang und Namen hat und da die NPD (noch) nicht verboten ist, muss man sich eben damit auseinandersetzen. So weit so gut, es ist ja strenggenommen richtig. Aber, ich habe das schon so oft erwähnt: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ Ich will hier gar nicht „objektiv“ sein und deshalb ist für mich das berühmte „Fischen am rechten Rand“ zum Zwecke der „Entschärfung“ der braunen Brut ein absolutes No-Go. Angesichts der Vergangenheit dieses Landes ist es einfach nicht nachvollziehbar, was jemanden in die Arme dieser Ideologie treibt und mit einem haben diese Spinner definitiv nichts am Hut und zwar mit Freiheit. Und wer aus „Protest“ etwas wählt sollte sowieso lieber gar nichts wählen, man wählt nicht zum protestieren sondern um zu verändern!

Nun hat die Piratenpartei natürlich ein Problem, welches ich momentan durchaus für richtig ansehe. Sie ist eben monothematisch, d.h. es gibt keine (oder nur sehr schwammige) Positionen zu den übrigen politischen Themen und insofern ist es zunächst unerheblich welche Haltung man zu einem Thema wie z.B. der Migration einnimmt. Anders ausgedrückt, das Thema Freiheit und Bürgerrechte, ob digital oder analog ist ein Thema ohne Links-/Rechtsauffassung und somit eigentlich von einer Beschränkung ausgeschlossen. (Was die jeweiligen Lager mit dieser „Freiheit“ dann anfangen beibt zunächst einmal dahingestellt.) Sollte die Partei eine Zukunft haben, was ich ihr durchaus wünschen würde, müsste sie sich natürlich zu den weiteren Themen der großen und kleinen Politik verbindlich positionieren und dann wird man sehen, ob man die Piraten in Zukunft wählen kann oder vielleicht sogar bekämpfen muss.

Für den Moment jedoch steht meine Entscheidung nach wie vor fest. Die Alternative „Nichtwählen“ scheidet aus, weshalb ich die anderen Parteien diesmal (ich bin kein Dogmatiker, nicht mal gegenüber der schwarzen Pest, nur gegenüber Nazis) nicht wähle habe ich hier bereits mehrfach erklärt.

Müsste ich befürchten, dass die Piraten in Regierungsverantwortung kommen, würde ich sie nicht wählen. Ich gehe allerdings davon aus, das wir entweder den Tigerentenclub bekommen oder wir nochmal 4 Jahre mit Steinmerkels in Lähmung verharren und ich möchte einfach die richtige „Begleitmusik“. 2-4% für die Piraten wären ein Aufschrei, ein Wählerpotential, welches für jede der etablierten Parteien interessant ist, aber nur zum Preis einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem „Monothema“. Über 5% und 1-2 Abgeordnete im Bundestag wäre ein grandioser Schritt in Richtung Transparenz und Wählerbildung.

Man muss es eben versuchen …!

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2 Responses to Auf Kaperfahrt im braunen Meer?

  1. UWP says:

    Zum Teil habe ich auch immer Bauchschmerzen, wenn ich Meldungen dieser Art lese. Oder z.B. Interviews der Piraten im TV sehe: grauenhaft. Andererseits ist es ja gerade das politisch amateurhafte, das sie auszeichnet: daß sie halt noch nicht das gleiche Gefasel an den Tag legen wie die anderen professionellen Gestalten. Daß sich da viele mit dem falschen Thema verbeißen, ist kein Wunder. Und logisch: natürlich zieht der Erfolg die Spinner an wie Honig die Bienen und die Piraten sind zur Zeit überaus erfolgreich.

    Trotzdem kann ich ihnen eigentlich nur das Versagen des gesunden Menschenverstands bescheinigen: Leute, die für Freiheit sind, sollten sich nicht mit Leuten zusammentun, die aktiv Freiheiten bekämpfen. Dazu gehören übrigens beide politischen Ränder. Ganz simpel. Und Freiheit kann nur die Maxime sein: Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Letztlich kann es so einfach sein.

    Ich denke, das Ganze wird sich schon selbst regulieren. Werden sie von den Braunen überrant, werden auch ihre Themen nicht mehr im Vordergrund stehen, dann gehen sie mit Mann und Maus unter. Ich glaube aber nicht, daß das so passieren wird, die meisten Piraten, die mir so begegnen, sind denkende Menschen, die meisten braunlastigen Menschen, die mir begegnen, denken entweder gar nicht oder handeln grundsätzlich aus dem Bauch heraus. Schon kulturell passen diese Gruppierungen gar nicht zusammen, deswegen würden die angestrebten Themen vom braunen Sumpf gar nicht transportiert werden. Ich denke, daß das schon rechtzeitig bemerkt werden wird. Wenn nicht, wird das Kind eben nochmal neu gegründet. Im Internet könnte man sowas auch ratzfatz wieder machen. Die Gefahr halte ich als alte Unke ausnahmsweise mal für minimal. Ich werde sie wählen, denn noch vertreten sie wirklich die Freiheit. Wenn sich das ändert, werde bestimmt nicht nur ich schwenken. Außerdem: ich sehe zur Zeit keine Alternative. Die anderen Parteien wissen ja noch nichtmal, was das Internet ist und das, was sie meinen zu kennen, bekämpfen sie auch noch aktiv. Ich dagegen lebe hauptsächlich im Netz. Vom Netz. Über das Netz. Die Piraten sind die einzigen, die Pro-Netz sind. Sie schützen damit meinen Arbeitsplatz, meine Kultur und mein Leben. Zur Zeit jedenfalls…

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