Glotzenphilosophie

Udo war auf der IFA und da man bei Ihm nicht kommentieren kann habe ich Ihm ein Mail mit ein paar Einschätzungen dazu geschrieben.

Ich bin ja der Meinung, dass interessanter Content im TV mehr und mehr in den Pay-Bereich verlegt werden wird und das freie, bzw. gebührenfinanzierte Fernsehprogramm in Zukunft in den Hintergrund tritt.

Ich komme zu dieser Einschätzung, weil sich meine eigenen Fernsehgewohnheiten stark geändert haben und ich einfach diese Tendenz bemerke:

Mein Fernsehkonsum ist eigentlich nicht mehr nennenswert. Wenn ich früher noch die Frage nach dem abendlichen TV-Programm gestellt hatte, ist mir das heute herzlich egal. Der Computer hat den Fernseher sukzessive verdrängt. Blogs, Youtube, Last.FM, PC-Spiele, damit gestalte ich heute den Großteil der Unterhaltung zu Hause. Gezielt den Fernseher für eine Sendung einschalten ist äußerst selten, vielleicht noch für die Tagesschau, ein Länderspiel (wie im Moment) oder eine Satiresendung. Glotzen aus Langweile gibt’s kaum noch und wenn dann nur bei ARTE, 3Sat oder Phoenix.

Ich hatte jahrelang ein Premiereabo und zwar mit Allem (!), aber auch dies haben wir immer weniger genutzt, bis auf Fussball. Nachdem nun die Telekom in meiner Wohngegend VDSL anbietet bin ich natürlich sofort darauf angesprungen. Leider gibt’s diese Geschwindigkeit nur im Paket mit  „T-Home Entertainment“. Also hab‘ ich Premiere gekündigt und mir für 10 Euro monatlich zusätzlich das Bundesligapaket dazugenommen, nicht für mich, für die Gefährtin, ich schau‘ mir das ja auch nicht mehr an.

Nichtsdestotrotz wird die Flimmerkiste genutzt und zwar für Pay-Content. An erster Stelle natürlich DVDs und ab und zu auch für Filme aus der, mit dem Telekomfernsehen gelieferten, Onlinevideothek.

Das Muster ist klar, ich emanzipiere mich immer mehr vom zeitlichen Diktat des Fernsehprogramms und dies ohne z.B. den Festplattenrekorder der „T-Box“ zu benutzen, nein, ich bezahle sogar dafür.

Warum dies (noch) nicht flächendeckend der Fall ist, ist m.M.n. auch leicht ersichtlich. Es fehlt an niederschwelligen Angeboten mit vernünftigen Preisen. Die Transaktionskosten, und zwar nicht nur die finanziellen, sind z.Zt. einfach noch zu hoch um eine breitere Masse für Bezahl-Fernsehen zu gewinnen. Bei „Videoload“ liegen die Preise pro Film zwischen 1-6 Euro für 24 Stunden, der Film wird mit der Fernbedienung ausgewählt, eine PIN übermittelt und das Ganze bequem per Telefonrechnung bezahlt. Zumindest hierbei stimmt die Richtung.

Bis es jedoch soweit ist muss man neben der Schaffung der technischen Voraussetzungen sich auch vertraglich binden und jeder der schon mit Telekommunikationsanbietern und der Contentmafia zu tun hatte weiß mit welchen üblen Gesellen man sich da einlässt.

Das blanke T-Home-Paket enthält fernsehtechnisch nur das, was ehedem frei ist, bzw. gebührenfinanziert und somit sind die monatlichen Kosten für’s Fernsehen eigentlich viel zu hoch. Der interessante Content, z.B. Bundesliga oder Filme via Onlinevideothek ist immer kostenpflichtig, wobei z.B. das Angebot bei Videoload gemessen am Angebot einer normalen Videothek auch nicht eben übermäßig ist, was ebenfalls den idiotischen Spielchen der Contentmafia geschuldet ist. Das Ganze hat weder Hand noch Fuss, lediglich die 50 Mbit/s sind spannend, das Fernsehzeugs ist aber immer noch für’n Arsch.

Aber auch wenn Premiere/Sky ständig an der Pleite herumhangeln, irgendwann wird jemand den Dreh herausbekommen wie man ohne großes TamTam den Fernseher optimal nutzen kann. Und wenn man dann noch vernünftige Preise hat, wird man dafür sicher auch bezahlen wollen, die technischen Möglichkeiten sind jedenfalls vorhanden, es fehlt lediglich am Willen dem Kunden etwas bieten zu wollen. Aber solange Kunden in den Augen fetter Konzernvorstände nur lästige Bittsteller sind wird sich daran so schnell nichts ändern  ….und Udo behält Recht!

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