Krisenmeister

„Mauern einreißen. Krisen meistern.
Das nennen wir in Berlin Alltag.“

Mit diesem auf den ersten Blick ziemlich coolen Spruch wirbt z.Zt. eine Bank aus Berlin (!).

Gut, wenn man den physischen Akt des Mauereinreißens nimmt, so könnte man in der Tat sagen, dass es wohl mehrheitlich Berliner waren, die Anno 1989 anfingen den antiimperialistischen Schutzwall abzutragen, noch bevor diese Tätigkeit dann schließlich ganz im Sinne der nun einsetzenden Globalisierung an Bauunternehmen mit mehrheitlich polnischen, tschechischen, rumänischen und portugiesischen Arbeitnehmern übertragen wurde. Nun viele davon waren sehr  engagierte Teilzeitberliner, mehr als so mancher Teilzeitberliner mit Abgeordnetenstatus.

Jedenfalls, denke ich dass das Mauereinreißen in einer Stadt wie Berlin schon sehr verbreitet ist. Die berühmte Mauer in den Köpfen ist eigentlich nur noch zu spüren, wenn es um das dreibuchstabige Umland bzw. generell um die Provinz außerhalb der Stadtgrenzen geht. Und zwar eigentlich gegenüber allem zwischen Flensburg und Oberstdorf sowie zwischen Aachen und Cottbus, lediglich Hamburg wird gelegentlich noch ein gewisser Metropolenstatus zuerkannt, aber zumeist jedoch nur von den vielen Wahlberlinern, die damit noch einen Rest Toleranz gegenüber Restdeutschland ausdrücken wollen.

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Was mich an obiger Werbung vielmehr ins Grübeln brachte ist das Wort vom „meistern einer Krise“ in Zusammenhang mit einer Stadt als Bild für eine Institution.

Unabhängig von Berlin: Ist es jemals einem Staatswesen oder einem seiner Organe gelungen eine Krise zu meistern? Oder ist es nicht vielmehr so dass eine Krise lediglich „überstanden“ wurde? Und wenn schon jemand „meisterte“, dann doch nicht der Krisengebeutelte sondern ein Helfer.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass in der momentanen Krise wiederum niemand etwas „meistern“ wird und der Spruch somit eigentlich ziemlich Scheiße ist …

This entry was posted in Berlin, Einspruch, vom Baum der Erkenntnis genascht, Wurm drin. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.