Schad' drum, aber was soll's?

mecollageLetztes Jahr war ich für ein paar Monate beruflich in Saudi-Arabien. An den Wochenende hatten wir ein Reisebudget mit welchem wir die angrenzenden Länder bereisen konnten, da Saudi-Arabien, insbesondere unser Standort Riyadh, nicht gerade ein Freizeitparadies ist. Diejenigen, die mein Blog lesen, kennen die Stories. Es war eine aufregende und vorallem anregende Zeit.

Natürlich schwebt, zusätzlich zu allen kulturellen und gesellschaftspolitischen Unterschieden zwischen der arabischen und der sog. westlichen Welt, über allem der hinlängliche bekannte Nahostkonflikt (hiermit zeige ich an, dass der Inhalt dieses Posts in letztendlicher Konsequenz mit dem Spreeblickpost von Johnny Haeusler konform geht).
Dem Arabienreisenden wird immer gesagt sich wenn möglich politischen Äußerungen, insbesondere bezüglich des Nahostkonflikts, zu enthalten. Mal abgesehen davon, dass die Erörterung dieses Konflikts nicht nur profunde Geschichtskenntnisse voraussetzt, ist dieser Rat schon aus zwei sehr einleuchtenden Gründen mehr als gerechtfertigt.

1. Wir „Westler“ sind viel zu weit weg, als dass wir durch irgendwelche Konsequenzen uns genötigt fühlen müssten Stellung zu beziehen und diese auch noch wirklich fundiert, hieb- und stichfest begründen zu können. Auch wenn Schäuble, Zypries und Co. uns ständig einreden wollen, dass der islamistische Selbstmordattentäter an jeder deutschen Currywurstbude lauert, es sind nicht wir, die unter diesen ständigen Bedrohungen für Leib und Leben existieren müssen.
Was bei uns herbeihalluziniert wird kann dort jederzeit stattfinden und dabei ist es egal ob ein Selbstmordattentäter zuschlägt oder ob eine Rakete der israelischen Armee ihr Ziel verfehlt und eine palästinensische Hochzeitsgesellschaft auslöscht. Wir haben es leicht mit der Forderung nach Objektivität beim Betrachten der jeweiligen Propaganda, denn wir sind nicht die Leidtragenden. Wir brauchen keine Erklärung, weil wir keine Opfer zu beklagen haben.

2. Früher oder später wird die Diskussion immer auf Religion kommen und wer da dann anfängt rumzudiskutieren kann nur verlieren, denn dafür gibt es, diesseitig zumindest, keinen Konsens.

Meiner Meinung nach liegen die Schlüssel zum Frieden, dass habe ich bereits erwähnt, in Damaskus und Washington. Wenn die amerikanische Administration es schafft mit Syrien (und damit auch dem Iran) einen Frieden auszuhandeln, dann ist  den Hardlinern innerhalb der israelischen Politik sowie den Führern der Hamas und Hizbollah die Grundlage für ihre Gewaltpolitik entzogen. Denn aus meiner Sicht (und da lehne ich mich jetzt gewaltig aus dem Fenster) geht es sowieso nur immer wieder um das Eine: Macht und Geld, und beides wird von Washington und Syrien/Iran „verteilt“.

Was ich mir für die Region wünsche ist klar und auch das ist in einem hohen Maße eigennützig. Solange dies aber in weiter Ferne passiert werde auch ich keine Stellung  zu diesem Kindergarten da unten beziehen.

This entry was posted in Middle East, Politik. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.