Kognitive Konsistenz

Pünktlich zum Novemberwetter kommen die grauen Gedanken, nun ja es ist Spätherbst, neblig und nasskalt, wenn nicht jetzt wann dann?

trueb

Ich stelle mir einen Angestellten bei Lehman Brothers vor, so um die 40, besserverdienend, und schon lange Zeit (>3 Jahre) im „Business“.

Eines Abends 2007 kommt dieser Angestellte mit depressiver Stimmung nach Hause und lamentiert seiner Lebensabschnittsgefährtin etwas vor, dass ihm sein Job keinen Spaß mehr macht. Seine Freundin würde natürlich spontan vermuten, dass seine Stelle durch irgendetwas bedroht sei. Dies ist nicht der Fall, vielmehr erzählt er ihr von Kunden die verarscht werden, bzw. sich sehenden Auges freudig verarschen lassen. Er erklärt ihr das die Bosse immer gieriger werden und Qualität und Leistung immer weniger eine Rolle spiele. Und er berichtet ihr von Kollegen und Vorgesetzten, die dieses Spiel mitspielen …
… eigentlich würden sie gar nicht „mitspielen“, nein, sie agieren völlig gedankenlos, aber eigentlich würde das auch nicht stimmen, vielmehr wüssten sie genau Bescheid über den Irrsinn, würden es aber, wie er meint „gottgegeben“ hinnehmen.

Seine Partnerin redet ihm gut zu, er solle eben auch mitspielen, schließlich gehe es ihm ja nicht schlecht dabei. Natürlich würde sie hinter ihm stehen, wenn er sich zu einer Veränderung entschließen würde, gibt ihm aber zu bedenken, dass der Zeitpunkt gerade nicht so günstig wäre usw. etc. pp. … .

In der Kommunikation mit Kollegen, Freunden und Bekannten macht er immer wieder die Erfahrung, dass auch sie fühlen, dass etwas nicht stimmt, dass das Alles kein Happy End haben wird, dennoch verschwendet niemand einen Gedanken daran etwas ändern zu wollen. Im Gegenteil, diejenigen, die durchaus sein Problem erkennen werfen ihm irgendwann vor zu übertreiben. Es ist als ob sie ihren eigenen Wahrnehmungen nicht vertrauen würden.

Was seine zukünftige Ex und die meisten Leute aus seinem Umfeld nicht verstehen ist , dass er eigentlich nicht seinen Job bei seinem Arbeitgeber kritisiert, sondern das System innerhalb sich das alles abspielt. Auch wenn er sich verändern würde, es wäre mit aller Wahrscheinlichkeit überall dieselbe Problematik.

Er weiß nur zu gut was er eigentlich kritisiert, bzw. was ihm die Bauchschmerzen bereitet.  Aber die Reaktionen aus seinem Umfeld veranlassen ihn dazu sich permanent selber zu hinterfragen. Vielleicht  ist nur er es,  der die Dinge einfach nicht geregelt bekommt. Vielleicht ist sein Pessimismus schon eine ausgewachsene Paranoia, die man langsam aber sicher professionell therapieren sollte …

2008 ist sein Arbeitgeber Geschichte und mit ihm auch das System.  Drastischer hätte der Beweis für seine Thesen nicht ausfallen können. Hoffentlich hat seine Skepsis dazu geführt, dass er frühzeitig eine Alternative für sich gefunden hat und er nicht dem Langmut seiner Umgebung zum Opfer fiel.

Fortsetzung folgt …

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