Moderne Tradition

So, nun also zum wirklich letzenmal ein Bericht über einen Wochenendkurztrip hier auf der arabischen Halbinsel. Am Mittwoch habe ich hier fertig  und das ist auch gut so …!

Nun habe ich es also doch noch in den Oman geschafft und das auch noch gekoppelt mit 2 Urlaubstagen, so dass ich, wie schon im Fall von Jordanien einen guten Eindruck von diesem Land bekommen habe, genug jedenfalls um aus der Sicht des Touristen etwas darüber zu erzählen.

Die Anreise von Riyadh aus war diesmal ein wenig enervierend. Mein Flug startete in Riyadh um 22:00h nach Bahrain und von dort aus 2 Stunden später nach Muscat, so daß ich gegen 03:30h Ortszeit im Hotel eingetroffen wäre – spät aber immerhin.

… bemerkenswert ist ja was man hier für Airlines zu Gesicht bekommt:

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In Bahrain angekommen wurde mir als erstes mitgeteilt, dass der Flug aus irgendwelchen Gründen erst um 04:50h starten würden, d.h. Ankunft im Oman erst um 07:00h , d.h. gegen 08:00h im Hotel.

Nun denn, der Bahrainer Airport ist die ganze Nacht geöffnet, aber nach einer gewissen Zeit wird das doch ziemlich zäh … und dann geht auch noch die Sonne auf …

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Also war der erste Tag auch schon besprochen: Beach/Pool war angesagt und abends dann Muscat …

Muscat

Muscat selber ist winzig klein und besteht eigentlich nur aus dem Palast und wenigen Häusern und Regierungsgebäuden, alles sehr schön angelegt, aber auch sehr unaufgeregt … Greater Muscat besteht dann aus mehreren Orten, die sich auf einer Länge von fast 80 km entlang der Küste erstrecken. Besonders zu erwähnen ist Muttrah mit der Corniche und dem Souq, Al-Qurm wo das Nachtleben stattfindet und Al-Seeb mit dem Flughafen … von Muscat zur Muscat City Center Mall sind es schlappe 65 km …


Am Donnerstag habe ich mir ein Auto gemietet und bin ins Landesinnere nach Nizwa, die alte Hauptstadt gefahren. Dort in der Gegend kann man genau das sehen was man sich vom Oman erwartet: Hohe Berge, Bergoasen und alte Forts …traumhaft schön. Ein wenig Abenteur hatte ich dann auch noch, als ich bei einem Bergdorf falsch abgebogen bin und auf ca. 2.000 Meter Höhe feststellte, dass ich gar keine Straße mehr unter den Reifen hatte … das war ziemlich aufregend.

omanueberlandDer absolute Oberhammer war jedoch eine Ziege, die da war wo man eine Ziege ganz gewiss nicht erwartet:
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Vielleicht war’s auch der Leibhaftige, wobei er dann ein ganz schöner Trottel wäre, denn als ich zurückfuhr war die Ziege wieder da wo sie eigentlich hingehört und lahmte auf der Hinterhand, oder wie das bei Ziegen heißt.

Aus meiner Sicht ist der Oman ein perfektes Reiseland für anspruchsvolle Touristen, die einerseits Erholung suchen andererseits Land, Leute und Kultur zu schätzen wissen. Der Titel dieses Blogposts ist bewußt nicht “Tradition und Moderne”, denn da hab’ ich so meine eigenen Ansichten. Nein, ich meine wirklich, dass die Omanis ihre Tradition auf sehr moderne Weise leben und das ist eben nicht nur Authentizität sondern auch Normalität und so macht mir Reisen Spaß.

Für mich war es eine schöne Erfahrung, denn ich hatte ständig ein gutes Gefühl, welches ich unheimlich schwer in Worte fassen kann … es war ein Gefühl von Freiheit.
Ich kann nicht sagen warum das so ist, vielleicht liegt es einfach an der umsichtigen Art der Omanis, allen voran ihres Herrschers, Sultan Qaboos. Hier wird nichts übertrieben, alles befindet sich in einer guten Mischung, ich meine, wo sieht man z.B. so eine Warnung:

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Überall anders wäre es entweder verboten hier zu fahren oder aber es gäbe gar keinen Hinweis sondern nur Chaos. Hier sagt man aber: “Wir sind zwar noch nicht fertig, aber Du kannst es benutzen – pass’ halt ein wenig auf!” – Das ist Freiheit.

Der Oman ist eines der wenigen Länder in der Region in denen die Gleichstellung von Männern und Frauen gesetzlich verankert ist. Auffallend dabei ist, dass die meisten Frauen die traditionelle Kleiderordnung bevorzugen, also die Zwiebelschalen mit der schwarzen Abaya als Abschluß und dem Kopftuch. Nur sehr wenige tragen jedoch einen Schleier, aber noch weniger westliche Kleidung. Absolut bewundernswert ist dabei wie die Mädels es schaffen trotz der immensen Hitze und Luftfeuchtigkeit nicht ein winziges Schweißperlchen zu produzieren und dabei auch noch sowas von perfekt geschminkt zu sein – Irre, das muss was mit den Genen zu tun haben, eine andere Erklärung fällt mir nicht ein.

Ebenfalls sehr lustig ist die große Anzahl weiblicher Mitarbeiter bei der Polizei, insbesondere der Autobahnpolizei. Ich habe einen Taxifahrer gefragt ob die besonders streng sind (dabei habe ich an die Tanten der Grenztruppen gedacht, die vor 18 Jahren dem Arbeiter und Bauernstaat bei uns dienten … wo sind die eigentlich abgeblieben? Als Teilzeitmasochist fühlte man sich bei der einen oder anderen ganz wohl beim “Autoauseinandernehmen”), aber er meinte dies sei eigentlich nicht der Fall, wirke jedoch sehr deeskalierend – Oman eben!

Und noch eine weiter Besonderheit betrifft die omanischen Frauen. Es sieht so aus, dass das Autofahren Frauen nur mit Handy am Ohr gestattet ist. Der Gipfel war eine Mutti, die zuerst Ihre 4 Kinder im Auto verfrachtete (Nissan Pathfinder in der 4,0 Liter-Ausführung!), sich dann ans Steuer setzte und noch bevor sie sich anschnallte, das Handy aufklappte, eine Nummer wählte und dann wegfuhr. Ich habe nur telefonierende Frauen autofahren gesehen – mit wem die wohl telefonieren? Mutti, Schatzi oder dem Fahrlehrer?

Jedenfalls wurde der Liste der Favoritenländer ein Weiteres hinzugefügt und ich freue mich jetzt schon auf einen weiteren Besuch. Dann möchte ich in den Süden runter nach Salalah, dort soll es um diese Zeit temperaturtechnisch sehr angenehm sein und vorallem total grün.

Zum Schluß noch zwei Fotos …

1. Ich habe noch nie frischere Datteln gegessen … höchst interssant:

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2. Passend zur aktuellen Benzinpreisdebatte in Deutschland … vielleicht sollte man mal wirklich über den Steueranteil diskutieren, liebe Politikerärsche …

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