Biologisch-dynamischer Zynismus

Ich bin ja ein echter Anhänger der Bio-Bewegung. Nicht aus altruistischen Motiven wie „Welt retten“ oder „an die nachfolgenden Generationen denken“.
(Obwohl mir die Vorstellung der Reinkarnation grundsätzlich behagt. Nur wenn ich dann anstatt als O2-Atmer als CO2-verzehrender Einzeller reinkarniere, würde ich mir vor Wut wahrscheinlich in die Geißel beissen, dass ich mir in meinem vorigen Leben meine jetzige Lebensgrundlage, aus einem für den Fortbestand der Erde sinnlosen Arterhaltungsgedanke heraus, entzogen habe.)

Bio

Nein, Bio ist gut. . .ein paar Gründe:

  1. Wenn man es sich finanziell und zeitlich leisten kann, erleichtert es das Gewissen.
  2. Es richtet sich gegen die Großkapitalisten und globalen Konzerne und das ist per se schon mal sehr gut.
  3. Es schmeckt (teilweise) wirklich besser.
  4. Es ist cool mit einer Biotüte durch den Prenzlauer Berg zu radeln.
  5. ..
  6. .

Ich bin jedoch kein LOHAS-Anhänger und würde mich auch nicht verbiegen wollen. Und es gibt (Plastik-)Essen, welches einfach gut schmeckt. Vom Gesundheitsstandpunkt aus betrachtet kann ich nur sagen, dass wenn ich auch noch auf das ganze E-Zeugs verzichten würde der Schaden für die Menschheit nicht zu beziffern wäre.

Ne, Ne. . . Bio ist fein, aber alles in Grenzen. . .
. . . warum zum Henker ist alles was mit Bio zu tun hat grundsätzlich von verkaufstechnischer Unfähigkeit des in dieser Branche beschäftigten Personals verbunden? Mir ist die grießgrämig dreinblickende, aber mich routiniert abfertigende Fleischereifachverkäuferin im Supermarkt angenehmer, als jeder honigkuchenpferdig grinsende Öko-Konsum-Totalverweigerer in einem Bio-Laden.  Man kommt in diesen Läden einfach nicht zu Potte! Kann man Bio-Wurst und Bio-Käse nicht auch einmal auf Vorrat aufschneiden? Muss ich jedesmal mein Diskussionsdeckchen rausholen um den Tresen-HiWi zu überzeugen, dass ich wirklich ein ganzes Brot oder mehr wie einen Apfel möchte?  Und dann an der Kasse: Sagenhaft! Eine EC-Karte bringt Dörte, oder wen auch immer, völlig aus der Fassung . . iiihhh, Plastik!

Vielleicht sind die Angestellten in der Bio-Branche auch nur ein Spiegelbild ihrer Kundschaft.

Bio-Konsumenten scheinen grundsätzlich Menschen mit unbegrenzter Zeit aber begrenztem Geldbeutel zu sein. Unfassbar was sich in so einem Laden abspielt! Die Entdeckung der Langsamkeit. . . besonders an der Kasse.
Diese Menschen machen den Anschein, als ob sie jede Interaktion mit Ihrer Umwelt staunen lässt. . .“aha, das ist eine Kasse. . ., hierfür brauche ich also dieses. . .hmm. . .Geld. . .oh, schau mal ein Geldbeutel. . .ach, ich darf das Gekaufte auch noch mitnehmen. . .ui, ich bekomme Wechselgeld . . . .“ Dabei geben sie einem grundsätzlich das Gefühl unsichtbar zu sein, obwohl das bei 182 cm und knapp 100 Kilo  nicht ganz einfach ist. . .aber nein, nicht nur ich bin unsichtbar alle anderen auch!
Unnötig zu sagen, dass sich dieses Verhalten mit der Anzahl der anwesenden Kinder exponentiell verstärkt. Als Kinderloser fühle ich mich manchmal in einem Bioladen wie einer dieser Rentner, die grundsätzlich zu den Stoßzeiten ihre Einkäufe erledigen müssen. Nur wann sind diese Läden nicht von Spätgebärenden mit ihren pseudoallergiebetroffenen und neurodermitischen Bio-Plagen bevölkert?

Jedesmal, wenn ich ein Bio-Etablissement verlasse denke ich unwillkürlich über postnatale Geburtenkontrolle nach. Und dies nicht unbedingt nur mit Blick auf die Brut mit den alttestamentarischen Namen sondern insbesondere auf deren biologisch-dynamische Erzeuger.

Meine biologische Uhr in Richtung Wahnsinn tickt . . .!

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One Response to Biologisch-dynamischer Zynismus

  1. UWP says:

    Diese Lahmarschigkeit muß ich ständig in unserer Kantine ertragen. Ich genehmige mir auch oft einen Salat, nicht aus Überzeugung, ich bin da ja eher der leidenschaftliche Fleischfresser. Sondern oft, weil ich als Mr. Pingel den anderen Mist einfach nicht mag. Nie haben die was mit Nudeln, grummel!

    Salat zum Ausweichen geht irgendwie immer. Darf nur nicht jeden Tag sein, dann kommt’s mir aus den Ohren und ich kriege richtige Fleisch-Flashs (letztes Wort bitte 3x hintereinander sprechen).

    Der Salat wird nach Gewicht bezahlt und es gibt 2 Kassen: eine mit Waage und eine ohne. Nimmt man keinen Salat, sollte man sich auf KEINEN FALL in die Schlange mit der Waage stellen, denn sort sind die Dauersalatfresser, die ewig brauchen, die Waage zu bedienen und an der Kasse ewig nach Geld kramen. Muß eine andere Zeitzone sein, ein anderer Raum im Quantenschaum, das Gegenteil von StarTreks „Was summt denn da?“

    Blöd nur, wenn man selbst Salat hat. Die einzige Möglichkeit ist: an der Nicht-Waagen-Kasse anstellen und wenn man auf Höhe der Waage ist, einfach mit einem „Darf ich mal?“ die Öko-Schlange aufbrechen und schnell den Salat auf der Waage abwiegen. Zettel greifen und weg. Meistens sind diese Leute dann böse, weil ihre Schlange ja nicht vorwärts kommt, dabei sind sie selbst das Problem! Wenn der Stoffwechsel von reinen Grünzeugfressern auch so langsam ist wie ihr tägliches Verhalten, wundert es mich stark, wie die damit durch die Evolution gekommen sind. Damit kann man nicht nur Pfeil und Bogen kaum ausweichen, da erwischt einen auch noch die langsamste Axt. Die müßten eigentlich seit der Steinzeit verschwunden sein. Wie haben die das geschafft, bis in die Moderne vorzurücken? Oder warten die einfach seit damals auf den Tod und der hat irgendwie Schweizer Verhältnisse und braucht einfach mal seine 50000 Jahre?

    Mermgfurt,

    Udo

    P.S.: Ich fand SuperSize Me trotzdem einen geilen Film, jaja, es gibt immer Yin und Yang. Wer schneller lebt, ist früher tot und es heißt ja nicht umsonst FAST Food…

    P.P.S: Thilo: AB schon abgehört? 🙂

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