Kranke Kasse

Meine Krankenkasse hat die lustige Angewohnheit mir jährlich ein paar Briefchen zu schreiben. Über einen freue ich mich normalerweise, nämlich jener mit der Beitragsrückerstattung wegen nicht in Anspruch genommener Leistungen. Da kann man nur sagen: Toi, Toi, Toi.

Das Meiste ist jedoch Werbung für irgendwelche tollen Zusatzleistungen die kein Schwein braucht. In einem Schreiben wird mir regelmäßig nüchtern mitgeteilt, dass ich mehr bezahlen muss und in einem anderen Briefchen wird mir dann in vielen bunten und fettgedruckten Lettern erzählt, dass man so toll ist, dass man die monatlichen Beiträge absenken könne. Das Verhältnis zwischen Beitragserhöhung und Beitragssenkung ist ungefähr das Gleiche wie zwischen Haben- und Sollzinsen bei der Bank meines Vertrauens.

Ob dem wirklich so ist kann ich nicht genau sagen, ich habe aber so das Gefühl, denn es gibt kaum eine Materie, die mich so gnadenlos anwidert langweilt wie Versicherungskram. Glück für die Versicherungen!

Heute kam also wieder der nüchterne, schmucklose, gerade zu unaufällige Schrieb mit der Beitragserhöhung. Ich weiß nicht warum, aber diesmal hab‘ ich diesen Brief gelesen und Donnerwetter: Satte 57,14 Euronen mehr im Monat soll ich künftig abdrücken. Das sind 111,76 D-Mark!!!

Ich bin sprachlos, aber nun interessiert mich natürlich warum ich fast 14% mehr bezahlen muss, vorallem wenn mein Einkommen seit Jahren stagniert, bzw. sogar (leicht) zurückgeht?

Damit wir uns recht verstehen: Ich bin mit meinem Einkommen durchaus noch in der Lage diesen Obolus zu bringen. . .wenn’s der Allgemeinheit hilft, na gut! Ich werde aber auch nicht nach Tarif bezahlt und wenn ich mir die Einkommensentwicklung meiner nach Tarif bezahlten Kollegen in den letzten Jahren anschaue. . . mein lieber Herr Gesangsverein. . . hoffentlich haben die nicht auch solche Briefe bekommen.
DKV1

„Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Im August 2006 ist das AGG in Kraft getreten. Dieses Gesetz verwirklicht für den Bereich der privaten Versicherungen die Vorgaben mehrerer EU-Richtlinien zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern. Bisher wurden die Kosten für Schwangerschaft und Mutterschaft nur in die Beiträge für Frauen einkalkuliert. Die privaten Krankenversicherer müssen zum 1. 1. 2008 diese Kosten gleichmäßig auf Männer und Frauen verteilen. Das führt in den Altersstufen von 15 bis 49 Jahren zu Beitragssteigerungen für Männer, für Frauen im Gegenzug zu Beitragssenkungen. Allerdings kann es auch bei Frauen aufgrund sonstiger Anpassungsursachen insgesamt zu einer Erhöhung des Gesamtbeitrags kommen.“

Ich sag‘ da jetzt mal nix. . .aber wer meine Einstellung zum Thema Kinder, Schwanger- und Mutterschaft kennt kann sich ungefähr die momentane Größe meines Halsumfangs vorstellen. . .unfassbar. Aber das Allerschürfste ist der letzte Satz, da wird schon mal den Frauen angedeutet, dass sie auch nicht ungeschoren davonkommen.

DKV2
„Neue Diagnose- und Therapieformen
Die immer bessere medizinische Versorgung ist in der Regel auch mit höheren Kosten verbunden. So stieg zum Beispiel von 2003 bis 2005 die Anzahl der jährlich durchgeführten Herzkatheteruntersuchungen in Deutschland um rund 17,7 Prozent auf 772.000. Für immer mehr Herz-Kreislauf-Patienten kann heute mit Hilfe operativer Eingriffe die Lebensqualität deutlich erhöht werden. Hinzu kommt die steigende Akzeptanz und Umsetzung der sogenannten Therapieleitlinien zur effektiven Behandlung bestimmter Erkrankungen. Damit sind zwar häufig höhere Kosten verbunden, wenn zum Beispiel für die Senkung des Cholesterinwertes zusätzliche kostenträchtige Medikamente verschrieben werden. Aber der langfristige Nutzen für die Patienten steht auch hier im Vordergrund.“

Jaja, die „Kostenexplosion im Gesundheitswesen“, Punkt für den Versicherer. Aber halt. . . von einer Kostenexplosion kann man ja eigentlich nur sprechen, wenn die Einnahmenentwicklung mit der Ausgabenentwicklung nicht mehr mithalten kann. Also irgendjemand ist hier überbezahlt und ich bin’s bestimmt nicht!

DKV3

„Steigende Lebenserwartung
In Deutschland ist die Lebenserwartung in den letzten 40 Jahren im Schnitt um acht Jahre gestiegen und liegt derzeit bei 76,6 Jahren für einen neugeborenen Jungen und bei 82,1 Jahren für ein neugeborenes Mädchen.
Die Tatsache, dass privat Krankenversicherte im Vergleich sogar noch älter werden, zeigt, wie wichtig gute medizinische Versorgung ist. Durch die gestiegene Lebenserwartung werden Leistungen über einen längeren Zeitraum als bislang kalkuliert in Anspruch genommen, was zwangsläufig zu einem Beitragsanstieg führt.“

Und ich egoistische Drecksau höre auch noch mit dem Rauchen auf! Kein Wunder, dass ich mehr bezahlen muss: € 57,14 sind fast 13 BigPacks, das sind ca. 320 Zigaretten. So gesehen ist die Krankenkasse mit mir ja noch gnädig und lässt mich monatlich nur das als Ausgleich für meine Ruchlosigkeit bezahlen was ich normalerweise wöchentlich weggeraucht habe. Vielleicht sollte ich jetzt noch aus der privaten Krankenkasse austreten um nicht noch älter zu werden und dann bin ich mit der Gesellschaft hoffentlich wieder im Reinen.

Uff, und ich dachte schon es geht um Shareholdervalue dicke Vorstandsgehälter Prachtbauten in bester Wohnlage gestiegenen  Personal- und Verwaltungskosten, eben allgemeine Kostensteigerungen.

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3 Responses to Kranke Kasse

  1. Ja, bei mir heute auch. +50 Euro! Dafür bei meiner Frau +/- Null. Bizarr!

  2. UWP says:

    Immer diese jammernden Privatpatienten! Ihr solltet froh sein!

    Beispiel:

    Autounfall, Bein abgerissen. Gesetzliche Kasse sagt: „Hier, haste ein paar Pillen.“ Private sagt: „Schnell, bereitet die Herztransplantation vor, damit die Blutgruppe auch zum neuen Bein paßt!“

    Dafür zahlt man doch gerne mal mehr, oder?

    Mermgfurt,

    Udo

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