Zu spät!

Tacheles31082011_04

Ich habe seit 1991 einen eigenen Internetanschluss, blogge seit Mai 2007, twittere seit November 2009 und bin da ebenfalls Facebook beigetreten. Ferner habe ich Accounts bei Googel, Google+, Youtube, LastFM, Miso etc… Ich benutze Googlemail, Google Calender, Google Maps und Google Earth und noch andere Online-Tools wie z.B. Doodle.

Ich habe immer Microsoft Produkte genutzt, von MS-DOS 5.0 bis heute (immer noch) Windows XP.1 Ebenso war ich immer Telekom-Kunde, Telefonie egal ob Fest- oder Mobilnetz und auch Internet über T-Online. (Mein erster Internetzugang war freilich über die Uni von Snafu).2

Ich war irgendwann Mitte der 80iger Jahre für kurze Zeit in der Jungen Union und folgerichtig auch in der CDU. Dann erst wieder seit 2010 in der Piratenpartei, allerdings ohne Amt und z.Zt. auch eher passiv.

Ich habe BWL an der FU studiert und habe dann im großväterlichen Betrieb gearbeitet bis ich gewisse Veränderungen aus ideologischen, bzw. idealistischen Gründen nicht mehr mittragen wollte und gekündigt habe. Danach habe ich es in der Unternehmensberatung versucht und habe auch hier aus idealistischen Gründen das Handtuch geworfen. Nach einer persönlichen Krise, die ich überstanden habe, bin ich nun seit 1,5 Jahren trotz enormer Bemühungen und sehr guter Qualifikationen arbeitslos und seit Februar 2013 im ALG2-Bezug (=Hartz IV).

Meine politische Ausrichtung ist ganz klar linksorientiert und antikapitalistisch.3 Ich habe einen extrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und mir fällt es schwer nicht unter die Oberfläche zu schauen. Dummheit, Desinteresse, Beliebigkeit stößt mich ab und zwingt mich dazu Stellung zu beziehen. Jede Form „rechter“ Umtriebe, egal ob es Stammtischgewäsch oder ausgewachsener Faschismus ist, radikalisiert mich und ruft in mir gewaltätige Gedanken hervor. Ich bin kein Pazifist und sehe Gewalt durchaus als Lösungsweg an, jedoch bremst mich meine natürliche Abneigung gegen Ungerechtigkeit und ich würde es nicht überwinden können wenn sich hinterher die Unschuld des „Delinquenten“ herausstellt, was mich zu einem absoluten Gegner, z.B. der Todesstrafe, macht.

Ich bin den Menschen grundsätzlich extrem offen und positiv gegenüber eingestellt. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass der Großteil der Menschheit vernünftig handelt und bereichernd für die Gemeinschaft ist. Meine Erfahrungen diesbezüglich sind fast durchgehend positiv und die wenigen Ausnahmen davon, kommen dieser These nicht mal annähernd zu Nahe. Infolge dessen ist bei mir transparentes Handeln unabdingbar. Intransparenz und Geheimniskrämerei empfinde ich als sinnlos und gefährlich und erfüllt mich mit großem Misstrauen.

Diese Voraussetzung bringt mich dazu mich zu äußern: Echt, höflich, freundlich, wohlwollend, satirisch, ironisch, wütend und hasserfüllt. Ich habe die Worte „Bombe“ und „Terror“ bestimmt schon in allen vorstehend genannten Facetten verwendet und dies öffentlich und vertraulich. Ich äußere mich bewusst und unbewusst algorithmus-inkompatibel, wenn ich nicht verstanden werde, dann erkläre, aufkläre und diskutiere ich leidenschaftlich.

Ich habe schon an vielen Demonstrationen mit eindeutig staatskritischen Inhalten teilgenommen und werde auch am Samstag wieder für Snowden, Manning, Assange und die Freiheit und gegen Totalüberwachung, Diktatur und antidemokratische Politiker auf die Straße gehen. Ich bin Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli und supporte darüber hinaus jeden „Zeckenverein“, der sich politisch und kapitalismuskritisch darstellt und habe von daher eher schlechte Erfahrungen mit den Marionetten der Staatsmacht gemacht und lehne diese in diesem Zusammenhang auch vehement ab.

Ebenfalls algorithmus-inkompatibel sind die von mir, als Tourist, besuchten Länder der arabischen Welt: Saudi-Arabien, Syrien, Libanon, Jordanien etc…zudem kommen private und berufliche Reisen nach Russland und China. Nicht zu vergessen, dass ich, seit ich ein kleines Kind war, mindestens ein mal pro Jahr die DDR besuchte.

So …und jetzt fragt mich, ob ich noch Angst vor dreibuchstabigen Behörden, rückwärtsgewandten Parteien und albernen Politikern habe.

Hamburg, Schanzenviertel 01

  1. Einfach deshalb, weil ich mir nie die Zeit genommen habe, mich mit Alternativen zu beschäftigen. []
  2. Auch hier sind/waren die Alternativen nie wirklich besser und alles lief immer nach dem Motto „never change a running system“. []
  3. Dies resultiert einfach aus der Erfahrung heraus, die man bekommt, wenn man interessiert daran ist warum Dinge sind wie sie sind. []
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Trau! Schau! Wem!

Megaaufregung in den Medien heute morgen: Die Amis bespitzeln ihr Volk dermaßen, dass sogar die ehemalige StaSi dagegen abstinkt. NSA, FBI und irgendein supergeheimer Verein namens FISC (die sind so geheim, die haben sogar 4(!) Buchstaben) haben den totalen Überwachungsstaat etabliert. Und um dem ganzen noch die Krönung aufzusetzen: Es geschah mit dem Wissen und der Zustimmung der Regierung von Schwachkopf Bush bis zu Friedensnobelpreisträger Obama. Es ist unfassbar, erschütternd und sowas von „embarrassing“  …das kennt man sonst nur von Schurkenstaaten wie Russland, China oder den Arabern, sowie den demokratischen Schwellenländern der EU!

Dass Konzerne wie Microsoft, Google, Facebook, etc. auch noch mit im Boot sind, haut dem Fass echt die Krone ins Gesicht. Sollten die wirklich nur an Geld denken und nicht etwa an die Menschen? Es ist entsetzlich…!!

aluhutguy

Mal anders gefragt: Ist hier wirklich jemand überrascht? Ich nehme an, dass die, die das hier lesen einmal kräftig gegähnt haben und sich vielleicht gerade fragen, warum das ausgerechnet jetzt sogar in der Tagesschau kommt? Nun, es gab wohl mal wieder einen mutigen Whistleblower, der jetzt mal die Butter bei die Fische getan hat (wo ist eigentlich die permanente Berichterstattung zu Bradley Manning, dem einzig wahren Friedensnobelpreisträger, dem in den USA sogar die Todesstrafe droht?) und allen, die meinen, dass (westliche, christliche, kapitalistische) Regime ja so altruistisch, sozial und demokratisch sind,  mal wieder den Wind aus den Segeln genommen hat.

Was ist also die Konsequenz? Wie können wir uns vor schützen? Den Aluhut aufsetzen und unsere Existenz ohne Strom, Wasser und Telekommunikation in einer Höhle im Wald fristen? Da würde uns spätestens nach einer Woche die Oberforstbehörde (OFB) auf’s Dach steigen. Geht’s nicht auch ’ne Nummer kleiner?

Nicht bei sozialen Netzwerken mitmachen! Twitter, Facebook, etc…liefern den Schnüfflern ja, wie man sieht mit tatkräftiger Unterstützung dieser Firmen, alles frei und nahezu aufwandslos ins Haus. Wäre es wirklich so einfach? Aber eigentlich betrifft es doch alles was wir mit dem Internet machen? Auch wenn wir „nur“ Nachrichten lesen werden unsere Zugriffe gespeichert. Und eMails? Können wir auf eMails heute noch verzichten? Auch diese werden gespeichert auf Servern vom Microsoft, Google, Amazon, Telekom etc… Also weg mit diesem Internetz, oder? Nur noch Computer ohne Vernetzung!

Aber halt, meine Updates kommen per Internet, über Microsoftserver und selbst wenn ich Update-CDs kaufe und schriftliche bestelle, werden meine Daten auf den Servern von Microsoft gespeichert und an Adresshändler verkauft…

Das alles kann also keine Lösung sein und außerdem ist der Nutzen der Digitalisierung (noch) um einiges größer, als die Nachteile. Und außerdem haben wir uns „ja nix zu Schulden kommen lassen und somit auch nix zu verbergen.“ …Tja liebe Leser, genau das denken sich Menschen (Politiker, Mitglieder der Regierung, etc.), wenn sie solche Machenschaften abnicken, bzw. legitimieren. Und das wäre ja auch in Ordnung, wenn man wirklich davon ausgehen könnte, dass der Staat und seine Behörden edel, weise und gut sind. Salomonisch denken und unfehlbar handeln und das bis in alle Ewigkeit!

Kann man aber nicht. Was heute schon nicht funktioniert wird vielleicht in der Zukunft eskalieren, wenn andere das Sagen haben, die vielleicht mit „Demokratie“ gar nichts mehr am (Alu-) Hut haben. Schaut mal die Entwicklung in den USA an oder in Großbritannien oder bei uns1.

Aber wie kommt man raus aus dem Dilemma? Es einfach hinnehmen und hoffen, dass der Kelch an uns vorüber geht? Zunächst einmal kann man sagen: Wir wahrscheinlich gar nicht mehr! Dafür ist ein Menschenleben zu kurz und auch dass ist im Kalkül derjenigen, die so etwas (angeblich in unserem Namen beschließen).

Können wir das rückgängig machen? Auch hier muss man definitiv „Nein“ sagen. Was man machen kann wird gemacht, das war schon immer so und wird auch immer so sein. „Supergeheime“ Gerichte, „Geheim“dienste, „Geheim“absprachen, etc …implizieren schon, dass es um kleine, intransparente Interessenkreise geht, deren einziges Problem ist, im Aufdeckungsfall genügend Bauern zum opfern zu finden2. Diese Gemengelage ist auch immer ein Indiz dafür, dass es schon lange gemacht wird, meistens sogar ohne jegliche Beteiligung der verfassungsmäßigen Institutionen, ohne dem Volk sowieso, das ist ja in Demokratien „nur“ der Souverän :-(

Revolution oder Strick? Weder noch …solche Aufdeckungen sind extrem wichtig für den (langen, aber stetigen) Entwicklungsprozess der Menschheit und gehören unter allen Umständen gefördert und nicht etwa, wie im Falle Mannings unter Strafe gestellt. Eine besondere Rolle hierbei haben die Medien, aber das wirtschaftliche Diktat des Kapitalismus bereiten dem investigativen Journalismus immer mehr Schwierigkeiten3. Aber diese Lücke wird durch den informierten und sendenden Bürger ganz allmählich gefüllt. Und dafür benötigen wir wieder die Technik, also das Internet, die sozialen Netzwerk etc… Die nächste Stufe, ist dann das überwachen der Überwacher und die Anprangerung in der Öffentlichkeit mit entsprechenden Sanktionen ebenfalls durch die Öffentlichkeit. Daraus entwickelt sich dann eine Kultur und die dazugehörige Moral. Bei Star Trek sind dies immer die Episoden mit den Spezies, die Gedanken lesen können. Das schlimmste Verbrechen in diesen Gesellschaften ist es immer, die gelesenen Gedanken der anderen zu missbrauchen. Die Übeltäter sehen sich meistens drakonischer Bestrafung gegenüber und sind in der Gesellschaft moralisch geächtet4. Bezogen auf die aktuelle Thematik der Bespitzelung der Bürger durch Behörden, die, und das sollte man wirklich nicht vergessen, politisch initiiert ist, heißt das, dass uns schlussendlich nur unser eigener Wille zu Tätern macht oder nicht. Insofern ist das was passiert nur ein weiterer Schritt in einer Entwicklung .

Diese Entwicklung wird, wie bereits angeführt, sehr lange dauern und die heute Lebenden werden es wahrscheinlich nicht erleben. Auch das ist eine Konstante bei Entwicklungen, deshalb gibt es die sogenannten Brückentechnologien. Diese sind nicht ausgereift und haben mitunter auch schädliche Komponenten, aber sie sollen die Zeit bis zu einer sinnvollen und tragfähigen Lösung am Ende einer Entwicklung möglichst schonend „überbrücken“. Was eine Brückentechnologie ist, ist immer strittig. Das beste Beispiel ist die Atomkraft. Ob es wirklich eine Brückentechnologie, eine Lösung oder eine Sackgasse ist, will ich hier nicht erörtern.

Die Brückentechnologie im vorliegenden Kontext ist weniger zerstörerisch und vor allem anpassungsfähiger, nämlich eine vernünftige Sanktionsgesetzgebung, sozusagen als Gegenpol zur unregulierten Datensammlung. Wenn der Staat und seine Organe verantwortungsvoll und dem Allgemeinwohl dienend mit seinen Möglichkeiten zur Überwachung der Bürger umgeht, dann hätte wohl niemand ernsthaft etwas dagegen. Was passiert allerdings, wenn dies nicht der Fall ist? Dabei kann es um Kleinigkeiten gehen, wie das Herumzeigen oder gar Handeln erschnüffelter, intimer Fotos unter den Geheimdienstkollegen, als Wichsvorlagen sozusagen. Über falsche und überzogene Ermittlungen gegen unbescholteten Bürger, bis hin zu handfesten Justizskandalen (Guantanamo, Mollath) sowie Tote und Verletzte als „Kollateralschäden“. Hier benötigt man empfindliche Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den (wahren) Verantwortlichen. Hohe Geldbußen und hohe Schadensersatzansprüche gegen alle (!) Mitwirkenden und nicht „nur“ Vorbehalte (übermüdeter) Richter.

Würde man solche Gesetze immer dann erlassen, wenn irgendwo wieder einmal, „im Namen der Sicherheit (und des Volkes)“ Bürgerrechte beschnitten, Intimsphären zur Ausspähung und Daten zur Speicherung gesetzlich erlaubt werden, dann müsste man sich um Missbrauch auch weniger Gedanken machen. Aber was passiert eigentlich, wenn einem die Polizei um 05:00 Uhr früh die Tür eintritt, die Wohnung auseinander nimmt, Computer5 beschlagnahmt und ein Beamter auf der Treppe den ganzen Nachbarn noch sagt, es wäre wegen Kinderpornographie und sich schlussendlich alles als falsch herausstellt? Ja genau … es passiert nichts. Schadensersatz? 11 Euro pro unrechtmäßigem Hafttag (ohne Untersuchungshaft). Rehabilitierung? Entschuldigung? Rufwiederherstellung? Fehlanzeige! Wenn der Staat unrechtmäßig vorgeht und hinterher sogar gerichtlich die Rechtswidrigkeit festgestellt wird? Es passiert nichts und keiner wird zur Verantwortung gezogen.

Deshalb ist die Aufregung um die eingangs beschriebene Nachricht aus den USA völlig richtig, auch wenn sie eigentlich nichts Neues erzählt!

  1. ich würde da gerne etwas Repräsentatives verlinken, aber ich kann mich nicht entscheiden und wenn ich alles verlinken würde, würde die Seite kollabieren []
  2. Gestern lief auf Monitor ein Beitrag zu Investitionsschutzabkommen für ausländische Konzerne. Sehr informativ: 15 Personen bilden das geheime Schiedsgericht in wechselnden Rollen, ein perfektes „Eine-Hand-wäscht-die-andere-System“. Oder auch die „Bilderberger“ und deren Einfluss. Das ist auch keine Verschwörungstheorie mit Illuminaten und so Gedöns , sondern einfach nur die Mischung aus Macht, Intransparenz und Desinteresse. Übrigens: Wenn ihr in einem Jahr diesen Blogbeitrag lest, dann sind die Links zu den öffentlich-rechtlichen Medien verschwunden, depubliziert sagt man auch, das wurde von der Politik beschlosssen …fragt Euch mal warum? []
  3. wo ist eigentlich die kritische Blockupy-Berichterstattung in den Primetime-Nachrichten? Ich höre nur noch Türkei… []
  4. Noch plakativer ist natürlich das Thema Pädophilie, das war in der Menschheitsgeschichte nicht immer ein gesellschaftliches Tabu und ist bis heute noch nicht weltweit strafbewehrt! []
  5. für viele Handwerkszeug, welches, wenn überhaupt, erst nach Monaten wieder zurückgegeben wird []
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In eigener Sache

Gerade hab‘ ich zum Frühstück auf tagesschau24 den Beitrag zum Fachkräftemangel der Sendung Exakt – Die Story vom 24.04.2013 vom MDR gesehen. Dazu hätte ich mal etwas angemerkt, respektive nachgefragt…

Zunächst mal zu mir: Ich bin 44 Jahre alt und seit ca. 2 Jahren arbeitslos. Naja, seit einem Jahr eigentlich, denn das erste Jahr kann ich erklären. Also seit ca. einem Jahr suche ich intensiv nach einer Arbeit. Ich schreibe hier jetzt keine Bewerbung, denn die steht mittlerweile hundertfach im Netz in den einschlägigen Portalen bzw. versauert in Dutzenden von Firmenbewerberdatenbänken und ähnlichen Geschichten. Nur soviel: Ich habe ein Universitätsdiplom als Diplom-Kaufmann, also ein BWLer, ich verfüge über eine gehörige Portion Berufserfahrung bis hin zu Leitungspositionen. Habe zusätzliche Qualifikationen als zertifizierter SAPler und Prozessmanager. Ich bin zu 100% reisewillig, kinderlos und habe auch keine finanziellen Verpflichtungen. Einziges Manko ist, dass ich meinen Lebensmittelpunkt in Berlin behalten möchte und ich deshalb den Arbeitsort von der (finanziellen) Möglichkeit abhängig mache, dies auch so beizubehalten.

Ich bewerbe mich im Durchschnitt wöchentlich auf ca. 5 Stellen und habe bis dato ca. 250 Bewerbungen abgeschickt, exklusive der direkten Onlinebewerbungen in Firmenportalen. Ich habe weiterhin durchschnittlich alle 3 Wochen ein Bewerbungsgespräch bei denen ich bislang zu 99% anschließend ein gutes Gefühl und ein positives Feedback hatte, aber eine Ausbeute von exakt 0% (klar, sonst hätte ich ja wieder Arbeit).

Freilich fallen viele Bewerbungen schon aufgrund meiner Seniorität, bzw. der damit verbundenen Angst (oder soll ich Panik sagen) vor zu hohen Gehaltsforderungen durchs Raster, das ist mir schon bewusst.  Aufgrund von AGG und ähnlichen Scherzen ist es enorm schwierig, den Unternehmen ein Feedback zu entlocken, welches einem weiterhelfen würde sich selber zu optimieren. Aus den spärlichen verwertbaren Aussagen, lässt sich jedoch entnehmen, dass ich aufgrund meiner breiten, aber nicht tiefen Qualifikation in Konkurrenz zu Bewerbern stehe, die zumindest aus der Branche kommen. Anders ausgedrückt: Einkaufen lernen kann man schneller, als den Einkaufsgegenstand zu begreifen. Auch das ist akzeptabel, aber vor dem Hintergrund eines angeblichen Fachkräftemangels natürlich nicht hinnehmbar…und damit zum Beitrag:

Zunächst einmal zu den nichtqualifikationsbezogenen Einlassungen des Beitrags:

  • Geringe Löhne bzw. Gehälter

Nun, das ist wirklich ein Problem, vor allem, wenn auf der anderen Seite über volle Auftragsbücher und innovative Unternehmen fabuliert wird. Das passt einfach nicht zusammen, liebe Unternehmer. Ich würde gerne in Thüringen arbeiten, aber ich kann das eben nicht für einen Hungerlohn machen. Denn für ein niedriges Gehalt bzw. Hartz IV kann ich momentan nur direkt in Berlin leben. Das ist so und das kann man nachrechnen. Aber ich gehöre nicht zu denen, die dahin ziehen, wo es das meiste Geld gibt und das sollte doch eigentlich machbar sein. Wenn Menschen Haus und Hof verlassen, um hunderte Kilometer entfernt mehr Geld zu verdienen, dann ist das deren Sache, aber es ist nicht meine Motivation.

  • Attraktive Arbeitgeber

Im Beitrag werden als attraktive Arbeitgeber große Unternehmen wie Daimler, Siemens etc. genannt. Das ist für Berufseinsteiger verständlich. Für Menschen mit meiner Erfahrung ein Graus. Ich möchte nicht in einem Konzern arbeiten, sondern am liebsten in einem mittelständischen, bevorzugt familiengeführten, Unternehmen. Ich kenne die Fallstricke dort und finde sie mehr als nur akzeptabel im Vergleich zu einem shareholdervalueverseuchten, anonymen Großkonzern, wo die rechte Hand nicht weiß was die linke tut.

  • Attraktive Zusatzleistungen

Wie schon gesagt, bin ich nicht hinter dem großen Geld her, ich habe andere Prioritäten. Meine Situation ist glücklicherweise so, dass ich hier einen großen Verhandlungsspielraum hätte, wenn man sich nur darauf einlassen würde. Ich brauche keine „Oasen“, keine Kita, kein betriebseigenes Fitnessstudio. Mir sind flexible Arbeitszeiten wichtiger oder das Vorhandensein von Technik, um ortsunabhängiger zu sein. Eine Bahncard 100 wäre mir mehr wert, als das dickste Monatsgehalt, keine Nutzungsbeschränkung für den firmeneigenen Laptop ist für mich attraktiver als Urlaubsgeld.

Mein Leben als „Missmatch“

Fachkräftemangel ist ja genaugenommen ein Technikermangel, warum man das nicht wirklich so tituliert, ist mir schleierhaft. Zwar steht in den meisten Stellenanzeigen immer noch ein verstohlenes „…oder betriebswirtschaftliche(s) Ausbildung (Studium)“, aber ich vermute, das hat etwas mit Tradition zu tun. Vielleicht ist es aber auch nur der Hinweis darauf, dass dies die Fliege ist, welche der Teufel in der Not auch fressen würde. Jedenfalls ist klar, dass BWL als Hauptausbildung ausgedient hat und das ist auch gut so. Die Situation der Weltwirtschaft sowie die wohl nicht mehr reparable Finanzkrise haben gezeigt, dass Wirtschaftswissenschaften Schall und Rauch sind und von daher genügt es ein paar betriebswirtschaftliche Techniken, vornehmlich aus dem Bereich Rechnungswesen zu beherrschen, um anschließend einen vernünftige Arbeit abliefern zu können1 . Hierfür reicht allerdings auch ein Fach Wirtschaft in der Schule oder ein Wochenendseminar bei einem der einschlägigen Anbieter der Arbeitslosenindustrie.

Nun gehöre ich nun mal zu diesen Nichttechnikern, obwohl mir Technik eigentlich immer Spaß gemacht hat und ich durchaus in der Lage bin technische Zusammenhänge zu kapieren und (betriebswirtschaftlich) zu beurteilen. Aber ich habe hierfür kein Handwerkszeug, welches mich qualifiziert vom Fleck weg z.B. eine technische Zeichnung anzufertigen bzw. zu lesen. Lange Rede kurzer Sinn, es muss mir jemand beibringen und ich wäre auch sehr bereit dafür mich umschulen zu lassen oder sogar noch eine Lehre zu absolvieren.

ABER: Ich muss während dieser Zeit Leben können und ich brauche eine echte Perspektive. Ich bin 44, wenn ich mich heute umschulen lassen würde, benötige ich eine zumindest mittelfristige Garantie auf ein vernünftiges Einkommen. Also, es ist ja klasse, dass das Arbeitsamt und unzählige Institutionen Umschulungen, Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen anbieten und auch durchführen, aber es fehlt die Beteiligung der Arbeitgeber in diesen Maßnahmen. Ich kann in meiner Situation nicht von einem Lehrlingsgehalt leben und eine anschließende Übernahme kann nicht für einen Hungerlohn stattfinden. Ich bin bereit (und schlage das auch regelmäßig vor) ein Praktikum oder ein Traineeprogramm zu machen, aber nicht für Gottes Lohn und auch nicht für ein Taschengeld. Ich möchte die ernsthafte Absicht des Arbeitgebers sehen, mich auf einen ordentlichen Arbeitsplatz mit einer vernünftigen Bezahlung fit zu machen und mich nicht auf eine Zeit billig auszubeuten, mit der Karotte der Übernahme vor der Nase. Das kann man mit Mitte 20 ein- oder zweimal machen, aber nicht mit Mitte 40. Ebenfalls biete ich an, mich auf Arbeitsamtskosten qualifizieren zu lassen, aber nicht auf eine vage Zusage hin. Ich gelte jetzt schon oft als überqualifiziert, jede weiter zusätzliche Qualifikation macht es mittlerweile noch schwieriger für mich, die Hürde des ersten Eindrucks zu nehmen. Ich möchte mich weiter qualifizieren, aber nur noch gezielt auf eine (vernünftig bezahlte) Position hin.

Ich komme zum Schluss. Das sind Probleme, die in der politischen Diskussion so gut wie nie angesprochen werden und ich denke, es hat einen Grund und dieser ist beabsichtigt… Es gibt nämlich gar keinen Fachkräftemangel, es gibt einen Mangel an billigen Fachkräften. Die im Beitrag vorgestellten „händeringenden“ Unternehmen haben einen Ausweg gefunden, Fachkräfte aus Ländern, die in der Weltwirtschaftskrise zu Verlierern der Finanzindustrie wurden. Mit, für moderne Industrieländer selbstverständlich, hervorragenden Bildungseinrichtungen und einer horrenden Jugendarbeitslosigkeit …Honi soit qui mal y pense!

  1. Ich rede hier keiner Schmalspurausbildung à la Bachelor oder Master das Wort. Der gesamte „Bolognaprozess“ ist eine einzige Farce. Mit dem Ziel das Sklavenheer der prekär bezahlten Arbeiter mit einer halbwegs vernünftigen Qualifikation zu vergrößern. []
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Krähen krähen …

Morgen wollen also die Lobbyhuren des (Axel)Springer-Verlags (aka Regierungskoalition) in aller Eile ihr völlig sinnloses Leistungsschutzrecht im Bundestag durchprügeln. In letzter Minute wurde der Entwurf noch um einen Halbsatz ergänzt, der für eine gewisse Entschärfung sorgen könnte. Nur, damit wird das Gesetz noch überflüssiger und sogar noch gefährlicher, denn es bietet wieder einmal einen „Verhandlungsspielraum“, der, was zu erwarten sein wird, natürlich nur wieder von der Größe des Geldbeutels der Kontrahenten abhängt.

Drüben im Lawblog1 erklärt der Herr Rechtsanwalt ziemlich schlüssig die Folgen des Leistungsschutzrechts light für die Abmahnindustrie in diesem unserem Rechtstaat.

Was mich dabei auf die Palme treibt, ist die völlig asynchrone Machtverteilung beim Sachverhalt Abmahnung, die anscheinend keiner gewillt ist zu durchbrechen oder zumindest einmal vernünftig zu adressieren.

100€ Deckelung? Das soll ein großer Wurf sein? Bei mir stecken 100€ nicht so locker und wer sagt eigentlich wieviele Abmahnungen „gedeckelt“ sind? Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist und eine Abmahnung kostet 1 Kopie und 1x Porto das macht irgendwas über 15.000 (in Worten: fünfzehntausend) % Gewinn.

Auch erwähnt der Herr Rechtsanwalt, wie immer schon, dass die meisten Abmahnungen vor Gericht wahrscheinlich keinen Bestand hätten. Schön, aber eine Abmahnung aussitzen darf man ja bekanntlich nicht und sich selber juristisch zur Wehr setzen ist auch nicht möglich. Also muss ich einen Anwalt beauftragen einen (Abmahn-)Anwalt von seinem Tun abzubringen …was kostest das? 200€? 300€? Was verlangt man heute für ein anwaltliches Schreiben? Und was, wenn der Erpresser nicht gleich nachgibt? Dann heißt es wohl, wie so üblich unter Juristen, „es kommt darauf an“…

Nein, innovativ wäre es, dem Abmahner die gesamte Beweislast zuzuschreiben und wehe er kann nicht zu 100% einen echten Schaden nachweisen. Keinen Cent müsste der Abgemahnte berappen…

…man könnte natürlich auch nur Abmahnungen unter wirtschaftlich ebenbürtigen Gegnern zulassen…

…aber am Einfachsten wäre es natürlich die erste Abmahnung völlig kostenlos zu machen, bzw. den Abmahner zu verpflichten zunächst eine kostenlose, gütliche Einigung nachweislich zu erwirken, aber dann würde ja keiner mehr Kohle machen und da können natürlich unsere gewählten Juristen im Parlament nicht mitspielen.

  1. ich verlinke das aus Gründen nicht mehr []
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Keinen Fußbreit …

Seine politische Überzeugung auf Facebook zu äußern ist ja relativ einfach. Man „liked“ eine Seite oder man sagt die Teilnahme an einer Veranstaltung zu, die den Charakter einer Kampagne hat. Was von vielen politisch interessierten Menschen müde belächelt oder sogar teilweise verachtet wird, finde ich persönlich ganz ok. Es ist ein Statement und wenn viele dieses Statement abgeben, dann kann ich als Politiker (theoretisch zumindest) meine Schlüsse ziehen, wo ich mit meiner Meinung stehe. Das Mittel des „Meinungsbildes“ ist ein guter und nützlicher Brauch bei uns in der Piratenpartei.

Leider hat dieses politische Ausdrucksmittel auch seine Schattenseiten und da es mich jetzt schon zweimal in kürzester Zeit erwischt hat, werde ich in Zukunft ganz genau nachschauen, wer hinter einer Kampagne steht. Was war passiert?

Jemand machte mich darauf aufmerksam, dass mein Name als Teilnehmer folgender Veranstaltung auftaucht, was denjenigen sehr befremdete…

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…und tatsächlich liegt mir so etwas völlig fern. Am linken Rand sind zudem nur Leute aufgeführt, die ich a) kenne und b) ebenfalls nicht als einer derartigen Kampagne zustimmend ansehe. Wie zum Henker kam meine Name da rein? Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht …

Die einzige ähnlich lautende Kampagne, die ich einmal unterstützt hatte war diese hier …

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…die sich gegen die Instrumentalisierung von Kindern für Nazipropaganda richtet. Also aufgemerkt: Eine Kampagne gegen Nazis!

Manchmal gibt es ja zu ein und dem selben Thema mehrere Aufrufe. Manchmal klickt man geistesabwesend nochmal hin, weil man den ursprünglichen Entwurf ja kennt und damit einverstanden war. Ist es möglich, dass dies das Vehikel ist, mit welchem dieses braune Pack ihre Klickzahlen erheischen? Das wäre m.M.n. juristisch anfechtbar und wenn es kurioserweise über das von mir so verhasste Urheberrecht begründet wäre. Naja, ich bin kein Jurist…

Ein weitaus schwerwiegender Fall ist juristisch kaum anzugehen, aber natürlich trotzdem vermeidbar, wenn Facebook handeln würde.

Im vorliegenden Fall unterstützt die NPD eine Kampagne auf Facebook und linkt auf diese von ihrer eigenen Seite aus. Die Seite der Kampagne wird somit vollfunktional in die Naziseite eingebettet. Das sieht dann so aus…

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…et voilà, schon sieht es so als ob ich und Freunde von mir irgendeine braune Scheiße unterstützen würden. Hier braucht es keine Verschwörungstheorie um darauf zu schließen, dass dieser Effekt natürlich gewollt ist.

Zu verhindern wird dies wohl nicht sein, schließlich ist die ursprünglichen Kampagne ja durchaus legitim und man wird einer Nazidumpfbacke wohl nicht verbieten können, ab und zu mal einen vernünftigen Gedanken auszuprägen (in der Hoffnung, dass dies das bißchen Resthirn eines solchen Morlocks zum glühen bringt). Aber das Facebook gleich eine Reihe von Unterstützern darauf abbildet, muss wirklich nicht sein.

Nun, für mich ist dies eine Lehre und bedeutet für Euch: Nicht böse sein wenn ich der, sicherlich gut gemeinten Einladung für eine Kampagnenunterstützung auf Facebook nicht mehr nachkomme. Es sei denn IHR seid der Initiator.

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Aufruf zur Gewalt!

Fuck DFL

Also gut, der Ligaverband hat nun dieses Machwerk „sicheres Stadionerlebnis“ durchgewunken. Wundert sich jemand wirklich? Nein! Gut, ein wenig Hoffnung konnte man nach dem Fangipfel am 1.November in Berlin schon haben. Es wurde ja von der Gegenseite immer wieder Dialogbereitschaft kolportiert. Aber letztendlich waren es alles nur Lippenbekenntnisse. Nochmal: Wundert sich jemand?

Der DFB / die DFL als willfährige Handlanger populistischer Sicherheitspolitiker? Haben Friedrich und seine Spießgesellen Caffier, Schünemann, Bouffier und Co. wirklich die Macht einem DFB an’s Bein zu pissen? Wohl kaum, schließlich haben Sie so gut wie keine Handhabe für Ihre Überwachungs- und Repressionsfantasien. Das Stadion ist ein privater Bereich und die Einflussmöglichkeiten der Politik, insbesondere mittels Gesetzgebung, doch stark limitiert. Wie ich bereits schrub, diese „Herren“ sind nur hinter billigen Wählerstimmen her und mehr nicht…

Den Idioten von der DFL (Sorry, aber ich habe vor diesen Leute einfach keinen Respekt mehr), allen voran Oberschwachkopf Rauball, kommt doch diese Politikerposse gerade recht. Auch nicht wirklich überraschend, wo es doch nur darum geht, dass der Rubel rollt. Das tut er natürlich nicht mit Stehplätzen und prekären Ultras sondern mit solventen Mittelklassefamilien, Firmenkunden in Logen und sonstigem Eventgezücht. Der gemeine Fan, der kritische gar noch, der stört doch nur und wirklich brauchen tut man ihn nur für die Kulisse und da kann man ja auch ein paar Jubelperser bezahlen und kontrolliert ein paar „Pyros“ abbrennen. Dass Arschkriecher wie die Präsidiumsmitglieder des FC Bauern und ähnlicher Unsympathen der Liga da mitspielen verwundert auch nicht, auch sie interessiert nur das große Geschäft. Schaut nach England, da werden Milliarden umgesetzt auch ohne Stimmung im Stadion, das können wir auch. Und damit Rummenigge & Konsorten gut dastehen kommt Ihnen ein Innenminister aus Bayern gerade recht. Alles überhaupt keine Überraschung…

Also, wenn das so ist und sich hier jeder verhält wie man es von ihm erwartet, dann muss ich mich ja auch nicht zurückhalten. Schließlich bin ich ja per Beschluss als Fußballfan ein nutzloser Gewalttäter, der nur deshalb noch frei rumläuft, weil man Gedankenverbrechen ja noch nicht so richtig überwachen, nacktscannen und vorratsdatenspeichern kann. Als Fußballfan ist es sozusagen meine Pflicht nun zum Widerstand aufzurufen und zwar in all seinen Facetten. Egal ob ziviler Ungehorsam, Terror oder bewaffneter Widerstand. Die DFL hat mich mit Ihrer Abstimmung dazu legitimiert. Leider verfüge ich nicht über die finanziellen und logistischen Mitteln eines Profikillers und als völlig verpeilter Heimwerker ist Bombenbau auch nicht gerade meine Stärke, also werde ich mich auf andere Formen des Widerstands festlegen müssen. Auch wenn dies bedeuten würden nie wieder ein Fußballstadion zu betreten oder vielleicht in letzter Konsequenz dem Profifußball den Rücken zu kehren.

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Erstmal ’nen Rant, dann ’ne Idee…

Ich werde jetzt, 2 Tage nach der Jahreshauptversammlung, natürlich nicht einen weiteren Bericht abliefern. Nichtsdestotrotz muss auch ich ein paar Worte zum Hauptact des Tages anmerken, dem Abwahlantrag gegen Gernot Stenger und den Entgleisungen des Herrn Spies. Dies ist deshalb wichtig um zu verstehen, warum es dringend geboten ist, den Konflikt grundsätzlicher anzugehen als dies bislang der Fall ist.

Für ausführliche Berichte, Kritiken und Kommentare bitte die einschlägigen Quellen verwenden, als da wären Momorulez, Kleiner Tod, St. Pauli *NUHerr Curi0us, Moewli u.v.a…

Als erstes möchte ich der Kritik entgegentreten, der Antrag sei vor dem Hintergrund „nur diskutieren“ zu wollen falsch gewesen. Die Wirkung war auf jeden Fall da und ich weiß nicht wie ein Antrag formuliert hätte sein müssen, bzw. welcher Inhalt genau die gleichen Redebeiträge provoziert hätte. Lediglich ein Abwahlantrag gegen das komplette Präsidium hätte der gefühlten Märtyrerrolle Gernot Stengers für das chronisch falsch verstandene Kollektiv da oben entgegengewirkt. Die Vorgehensweise hat zumindest bewirkt, dass es ordentlich knallte. Und man kann mich ja eine Krawallschachtel nennen, aber die Situation ist so ernst, da ist nun mal Schluss mit Kuschelkurs. Alles was die Defizite auf den Tisch bringt ist erlaubt. Stengers Replik hinterließ auch bei mir den Eindruck, er hat die Kritik verstanden, aber warum zum Teufel erst jetzt? Aber natürlich können wir ja auch der Bauernopfertheorie folgen und rufen uns die Reaktionen des Restpräsidiums der letzten Wochen ins Gedächtnis …während Stenger schwieg und sich verprügeln ließ, gingen andere auf Tauchstation und der Herr Spies auf Flauschkurs, das „honi soit qui mal y pense“ an dieser Stelle stammt nicht von mir, findet aber meine Unterstützung.

Und dann kam der Tiefpunkt des Abends, der allerdings zu meinem Höhepunkt wurde, da er alles bestätigte, was ich schon seit geraumer Zeit fordere und bereits zur Tagesschauzeit in die Welt twitterte.

Da stellt sich dieses paternalistische Fossil ans Rednerpult, beschwert sich zuerst über ein „durchgestochenes“ (geleaktes) Protokoll und zitiert dann aus weiteren dieser „Geheimprotokolle“, um zu belegen wie fanfreundlich das Präsidium eigentlich ist. Das Ganze in einer Arroganz und einem Ton, dass sich einem die Faust in der Tasche ballt.

Ich rekapituliere: Zuerst beklagt er, dass ein „geheimes“ Präsidiumsprotokoll auszugsweise geleakt ist und dann wird einem vorgeworfen, dass nur eines geleakt ist.

Ich bekomme jetzt schon wieder Plaque …

Die erste Frage, die einem sofort durch den Kopf geht, ist natürlich: Wenn die alle so toll sind, warum zum Geier sagen sie uns das erst jetzt und vermitteln uns aber permanent sie seien in Sachen Fanbelange völlig merkbefreit? Was für eine Logik steckt da dahinter? Oder welch‘ diabolischer Plan? Oder sind sie schlichtweg alle nur völlig abgehoben? Aber egal was der Grund hierfür sein soll, die Lösung liegt in der Antwort auf die Frage:

Warum zum Teufel gibt es eigentlich vertrauliche Präsidiumssitzungsprotokolle? 

Um es ganz deutlich zu sagen, ich möchte nichts anderes als die Revolution und ich bin zutiefst überzeugt, dass es möglich ist. Viel mehr noch sehe ich darin sogar eine natürliche Entwicklung. Ich fordere Transparenz in allen Bereichen, Belangen und Prozessen in dem Verein in dem ich Mitglied bin und dessen Präsidium und Geschäftsleitung mir verpflichtet sind.

Mir sei ein kleiner Exkurs an dieser Stelle erlaubt: Ich bin Mitglied der Piratenpartei und dies nicht deshalb, weil die alle so cool und lustig sind, sondern weil sie einen gesellschaftspolitischen Ansatz verfolgen der m.M.n. die nächste Stufe des menschlichen Zusammenlebens zur Folge hat. Möglich ist dies selbstverständlich durch die moderne Informationstechnologie in Verbindung mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Zusätzlich beschäftige ich mich z.Zt. sehr intensiv mit dem Themenkomplex der selbstverwalteten oder auch demokratischen Unternehmen(sführung) und habe auch in meiner Zeit in der Geschäftsleitung eines Industrieunternehmens gute Erfahrungen mit Transparenz und hierarchieloser Kommunikation gemacht. Ich denke die Zeit ist reif und der FC St. Pauli ist der Verein, der mit gutem Beispiel vorangehen sollte und es auch kann.

Mir gehen momentan zu sehr vielen Themengebieten Diskussionsbeiträge durch den Kopf. Ich habe das Gefühl, ich bin in der Lage zu sämtlichen Vereinsangelegenheiten einen vernünftigen Diskussionsbeitrag zu liefern. Aber das würde jeden Rahmen hier sprengen und zudem bin ich natürlich nicht allmächtig und allwissend. Aber ich möchte hierfür einen Anstoß geben und eine Umwandlung des FC St. Pauli hin zu einem transparenten und kommunikativen Verein aktiv mitgestalten.

Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist allerdings ein bedingungsloser Wille für und der Glaube an Veränderung. Es gibt keinen Grund zur Resignation, denn was man versuchen muss ist so etwas wie einen gesellschaftlichen Wandel zu initiieren, nicht unbedingt gleich  herbeizuführen. Einen Sportverein wie den FC St. Pauli zu wandeln ist ambitioniert, aber im Vergleich zu Veränderungen in einem Staatswesen eine überschaubare Aufgabe. Staatswesen ändern sich in Jahrzehnten, manchmal auch erst in Jahrhunderten. Bei einem Verein hingegen kann man in Jahren rechnen und das ist zu machen. Zumal es am Rande dieser Aufgabe ja größtenteils sehr angenehm ist mit Freunden, Fußball und Party.

Was man allerdings benötigt, ist jede Menge Unterstützung. Vor allem Ideen und Wissen, herbeigeführt durch eine lebendige Diskussionskultur. Und die möchte ich in den nächsten Tagen anstoßen. Insofern suche ich nun jede Menge Mitstreiter.

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Was man bei einem Fan-Gipfel lernt…

Gestern lud der 1. FC Union Berlin zusammen mit der Fanvereinigung Eiserner V.I.R.U.S. e.V. zu einem außerordentlichen Fangipfel an die alte Försterei nach Köpenick. Es war eine offene Veranstaltung und es konnte jeder kommen, der sich berufen fühlte oder der sich für Fußball interessiert. Fast 300 Teilnehmer aus dem Umfeld des Fußballs folgten der Einladung. Darunter viele offizielle Vertreter von Vereinen, Fanorganisationen und den Verbänden DFB und DFL. Offensichtlich hielten es Politiker und Polizeivertreter nicht für nötig Präsenz zu zeigen und in den Dialog einzusteigen, aber wozu auch, schließlich hält man sich wohl für mächtig genug über den Belangen des Bürgers zu stehen. Lediglich das Gewinsel eines subalternen Polizeigewerkschaftlers, der wohl auf eine persönliche Einladung wartete, schaffte es in die Medien. Schon mal an dieser Stelle ein Riesenlob an die Organisatoren. Die Bewirtung war ausgezeichnet und der gesamte Ablauf ließ keine Wünsche offen und die Atmosphäre war sagenhaft – ganz großes Tennis!

Der Anlass für diesen Fangipfel war die Diskussion um eine „Sicherheitskonzept“ von DFB/DFL und der Politik, welches, so hoffte man wohl, still und heimlich am 12. Dezember diesen Jahres bei der Mitgliederversammlung des Ligaverbands beschlossen werden sollte und zwar ohne die Mitwirkung derjenigen, die am meisten davon betroffen sind, nämlich die Fußballfans und die Vereinsmitglieder. Der Vorgang ist fußballinteressierten Menschen bekannt, deshalb beschränke ich mich an dieser Stelle auch auf die Links zu den einschlägigen Publikationen:

Das DFL-Papier „sicheres Stadionerlebnis“ auf Publikative.org

Stellungnahmen der Vereine zum DFL-Papier „sicheres Stadionerlebnis“

Übrigens, Vereine, bzw. deren Präsidien, die dem DFL-Papier vorbehaltlos zugestimmt haben sind: Bauern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayer Leverkusen… ich lass‘ das mal einfach so stehen, frage mich allerdings was deren Fans wohl davon halten…

Der gestrige Fangipfel war eine großartige Veranstaltung. Sehr informativ und alles in allem von einer hohen Dialogbereitschaft auf allen Seiten geprägt. Wichtig ist allen interessierten Parteien vor allem die Versachlichung der Diskussion und eine verbale Abrüstung. Sebastian vom Blog „Textilvergehen“ hat den gesamten Ablauf in einem Minutenprotokoll festgehalten und das Ergebnis der Gipfels wurde noch am Abend in Form einer Abschlusserklärung auf der Homepage des 1. FC Union veröffentlicht.

Bemerkenswert dabei ist, dass diese Abschlusserklärung, die wunderbar vorformuliert war, anschließend in einem ca. 1,5 stündigen Dialog aller Anwesenden erarbeitet und verabschiedet wurde. Viele Köche können durchaus einen extrem leckeren Brei zubereiten.

Das Medieninteresse war überwältigend, leider jedoch wurde vielfach wieder am Thema vorbeiberichtet, bzw. schon gar nicht erst begriffen um was es geht:

Ich verzichte hier auf eine Presseschau, Google kann das besser…

Eine sehr gute Übersicht möchte ich hier nicht vorenthalten, weil sie sehr gut veranschaulicht, wer eigentlich die „Stakeholder“ des Fußballs sind, bzw. um es mit Sven Bruxs Worten zu sagen „wem gehört der Fußball?“.

Soweit also die Berichterstattung, wie ich sie auf unserem Fanclub-Blog www.piratenbrigade-berlin.de unter dem Titel „Fan-Gipfel, November 2012 in Berlin“ veröffentlicht habe. Hier mache ich mal weiter, den dieser Fan-Gipfel hatte natürlich noch andere Erkenntnisse zu Tage gefördert. Diese sind selbstverständlich nicht neu oder gar von mir ersonnen und kluge Menschen können wahrscheinlich aus dem Stehgreif andere kluge Menschen zitieren, die diese Erkenntnisse schon seit Jahrhunderten erörtern. Trotzdem schreib‘ ich sie nieder, weil ich mich selber daran erinnern möchte…

Im vorliegenden Kontext gibt es viel Aufregung von allen Seiten. Aus meiner Sicht, der Fansicht, ist dies vor allem das Unverständnis gegenüber einem Aktionspapier „sicheres Stadionerlebnis“ und dem Aktionismus einiger seiner Protagonisten, wenn demgegenüber keine empirische Erkenntnis steht, dass das Stadionerlebnis als unsicher empfunden wird. Im Gegenteil, alle Statistiken weisen darauf hin, dass das Stadion bei Fußballspielen der sicherste Veranstaltungsort ist und alle Stadiongänger und zwar egal ob Ultra oder Familien incl. Kinder verneinen zu 99% eine Gefühl der Bedrohung zu haben. Warum also überhaupt über ein Konzept „sicheres Stadionerlebnis“ mit seiner Fülle an Regelungen, Strafverschärfungen und Repressionsmaßnahmen diskutieren, wenn es eigentlich keinen Handlungsbedarf gibt?

Die Antwort liegt natürlich auf der Hand. Aufregende Bilder von brennenden Seenotrettungsfackeln, uniformierte Menschenmengen, egal ob Fans mit Insignien oder Polizeieinheiten in Riotgear, Zahlen über Verletzte, Sachbeschädigungen und Festnahmen, dazu Katastrophenrhetorik von Moderatoren und Talkmastern und alles im großen Kontext Fußball. Jeder, der diese Bilder am heimischen Sofa in der Tagesschau sieht denkt zurecht an den Weltuntergang und erstaunlicherweise vielfach auch diejenigen, die justament drei Stunden vorher noch live dem auslösenden Ereignis, nämlich dem Fußballspiel, beigewohnt haben. Die breite Masse der Bevölkerung hat gegenüber solchen Ereignissen eine absolut gesunde und völlig richtige Abneigung und diese ist fixiert, auch wenn oder gerade weil bereits eine Minute später das Thema komplett gewechselt wird.

Der „interessierte“ Fußballfan jedoch blendet diese Berichte nicht sofort weg, sondern wird sich in das Ereignis vertiefen. D.h. er nimmt neben der bloßen Berichterstattung auch die Nachrichten über das Vorfeld und die Konsequenzen wahr und deshalb kommt er zu anderen Schlüssen, als der „uninteressierte“ Fußballfan. Nun ist es einfach so, dass die Zahl der „Uninteressierten“ in einem Kontext, die Zahl der „Interessierten“ in diesem Kontext immer um ein Vielfaches übersteigt. Diese „breite Masse“ ist nun aber das Hauptklientel von Politikern, Lobbyisten und der überwiegenden Zahl der Wirtschaftsunternehmen und diese „breite Masse“ wird vorrangig bedient, denn man will Wählerstimmen, Unterstützung und  vor allem deren Geld.

Wenn als unser Innenminister vor dem Hintergrund brennender Bengalos, mehr Sicherheit anmahnt, „Härte“ zeigt und Strafverschärfung fordert, dann tut er dies nicht weil er glaubt damit irgendetwas zu verbessern. Er macht es deshalb, weil er damit hofft, die Stimmen der „Uninteressierten“ zu bekommen. Wenn ein Polizeigewerkschafter vor dem Hintergrund gröhlender Fans bessere Ausrüstung und mehr Rechte für die Polizei fordert, dann buhlt er um das Einverständnis der „breiten Masse“ für die Aufrüstung derer, die er vertritt. Ob ein Telekommunikationskonzern einer Zensurinfrastruktur zustimmt oder sich dagegen wehrt, hängt davon ab wo das Marketing die „breite Masse“, also die meisten Konsumenten sieht. Politiker, Unternehmensführer, Lobbyisten sind nicht blöd1. Man braucht eine gewisse Intelligenz um in solche Positionen zu kommen, bzw. in solchen Positionen erfolgreich zu sein und wenn ein „Interessierter“ etwas bemerkt, haben es diese „Interessierten“ auch schon lange bemerkt.

Es gibt dafür auch keinen Verursacher. Das Übel an der Wurzel zu packen und den Medien eine ausgewogene Berichterstattung aufzuzwingen wird auch nicht gelingen, denn sie sind ebenfalls Teil dieser Buhlerei um die „breite Masse“. Diese will keine sachlichen Berichte über Ausschreitungen, spektakuläre Bilder und markige Rhetorik werden viel einfacher konsumiert.

Hier mal ein Beispiel aus der ZDF Berichterstattung:

Zwei Videos beschäftigen sich mit dem Fan-Gipfel. Es empfiehlt sich das Abschlussdokument zu lesen und sich die beschriebene Atmosphäre und die deutlich erkennbare Dialogbereitschaft zu verinnerlichen. Trotzdem machen beide Fernsehberichte mit Weltkriegsszenarien auf, die in keinster Weise sachdienlich sind. Aber sie bedienen eben die „breite Masse“ und generieren damit Zuschauerzahlen, die wiederum z.B. bares Geld bei Werbekunden bedeuten.

Das ist alles ziemlich frustrierend und jeder der sich für eine Sache engagiert muss letztendlich erkennen, dass er zunächst mit seinem „Interesse“ ziemlich alleine dasteht. Als wir gestern nach über 9 Stunden die alte Försterei verließen, waren wir alle euphorisiert, aber spätestens am Ostkreuz war ich ganz alleine in einer „breiten Masse“ Menschen, die nicht die Bohne wusste und wissen wollen, was wir gerade 9 Stunden lang erörterten. Das ist die harte Realität.

Aber das ist alles kein Grund zu verzweifeln, denn die „breite Masse“ ist eine veränderliche Variable und kann sich je nach Thema schnell oder langsam ändern. Politiker, Lobbyisten, Medien und Wirtschaftsunternehmen haben selbstverständlich die Mittel und Wege diese „breite Masse“ einfacher zu manipulieren, als es die einzelnen „Interessierten“ können und es wäre freilich für die Allgemeinheit, bzw. der allgemeinen Wohlfahrt dienlicher, wenn sachliche, wohlabgewogene und sauber diskutierte Handlungen den Weg in die Öffentlichkeit finden würden nur dies geht immer einher mit einem erhöhten Aufwand an (zumeist) Geld und vor allem Zeit und beides hat man bekanntlich nicht im Überfluss.

Der Politiker, der alle vier Jahre wiedergewählt werden muss, hat keine Zeit aufgebrachte Diskussionen zu versachlichen und seine potentiellen Wähler aufzuklären. Es ist einfacher die „breite Masse“ zu pflegen und ihr nach dem Mund zu reden. Der Fernsehsender hat weder Zeit noch Geld einem Bericht über Krawalle nach einem Fußballspiel eine 10-minütige Aufklärungsdoku folgen zu lassen. Das Telekommunikationsunternehmen, welches sich gegen Zensur zur Wehr setzt, müsste in einer Kampagne die potentiellen Kunden aufklären, dass man sich nicht FÜR Kinderpornographie einsetzt sondern GEGEN eine Zensurinfrastruktur, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung verletzt. Dies kostet sehr viel Geld und der Erfolg ist nicht berechenbar.

Von dieser Seite ist also nur Hilfe zu erwarten, wenn diese eine Rendite abwirft und zwar möglichst eine maximale. Also bleibt es den „Interessierten“ vorbehalten, die „Uninteressierten“ zu überzeugen und somit die „breite Masse“ zu verändern. Dann erst werden diese von den „Shareholdern“ der Gesellschaft wahrgenommen und ein neuer Status Quo wird etabliert. Das dauert und ist mühselig, aber die Wege sind bekannt und es läuft immer wieder auf das Gleiche hinaus: Engagement heißt das Zauberwort und nicht zuletzt Dank dem Internet kann das eigentlich heutzutage jeder…

  1. …zumindest hoffen wir das []
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Warum es keine Scheißidee ist Präsident eines Fußballvereins (wie des FC St. Pauli) zu sein…

Jetzt muss ich auch mal wieder was bloggen, denn nur so kann ich meine Meinung festschreiben.

Frau Jeky hat hier mal ein Szenarion entworfen welches natürlich „Wunschdenken“ ist, jedoch angesichts der momentanen Diskussionen im „non-established“ Verein FC St. Pauli sicher aktuell eine Lösung wäre. Zum einen für Fans mit hirnlosen Anfeindungen und zum anderen für ein Präsidium welchem jegliche Innovationsfähigkeit fehlt und das sich grundsätzlich falsch verstanden fühlt. „…weil einfach nicht verstanden werden WILL!“ so repliziert Herr Ring 2

Riesenfußnote, für diejenigen, die meinen St. Pauli Fimmel nicht kennen…1

Ohne nun auf die Details der momentanen Diskussionen (DFL-Sicherheitskram, Goliathwache, Schubert etc…) einzugehen, die den interessierten Lesern hinlänglich bekannt sind, möchte ich feststellen, dass das Übergewicht bei der Gratwanderung des FC St. Pauli sich aufgrund des momentan eingesetzten Präsidiums sehr stark in Richtung „Mainstream“ neigt und dies bereitet mir extreme Sorgen.

Dabei wäre die Lösung denkbar einfach und für mich als Mitglied der Piratenpartei keine große Sache. Transparenz und Mitbestimmung in restlos allen Vereinsbelangen und dies ohne wenn und aber, also ohne juristische Spitzfindigkeiten wie „ausgegründete Wirtschaftsheinheiten“ etc. . Das Präsidium als Repräsentant des „Mainstreams“ und ein Mitglieder-/Fan-Ausschuß incl. Sprecher als Repräsentant des „Non-Established“. Dass sich Entscheidungen dadurch verzögern ist hinnehmbar und nur eine Frage der Infrastruktur. Natürlich ist mir bekannt, dass es einen Aufsichtsrat gibt und die Arbeitsgemeinschaft interessierter Mitglieder existiert ja auch, aber warum dringt das Ansinnen der (engagierten) Fans nicht zum Präsidium durch? Oder anders gefragt: Welche Gestaltungsmacht haben die Mitglieder eigentlich? Wo sind die aktiven Sanktionsmöglichkeiten der Fans respektive Mitglieder?

Um es klar zu sagen, ich schätze die Expertisen der Mitglieder unseres Präsidiums. Jeder macht eben was er kann und das vielleicht nicht einmal schlecht, aber der Verein hat eine Seite, die nicht in diesem Präsidium vertreten ist und diese gehört ganz dringend hinein. Dazu muss kein Präsidium zurücktreten, man muss es nur erweitern oder an der einen oder anderen Position umbesetzen – kompetente Personen gibt’s unter der Anhängerschaft viele…

  1. Um es mal klar zu sagen: ICH bin Mitglied des FC St. Pauli, nicht deswegen, weil ich von der sportlichen Seite des Vereins so wahnsinnig überzeugt bin, sondern weil dieser Verein für mich, trotz aller berechtigter Kritik, immer ein Gegenentwurf zur etablierten Gesellschaft und ihrer kapitalistischen Tendenzen war. Ich wehre mich gegen die völlige Kommerzialisierung meiner Freizeitaktivitäten und dazu zählt in einem großen Maße die Freude am Fußballsport. Ich möchte soweit als möglich diesem Hobby frönen ohne mir ständig anschauen zu müssen, wie schmierige Profitgeier nach größtmöglichem Gewinn streben und den Sport und seine Vereine einem sinnlosen Glauben an ewiges Wachstum unterwerfen. Ich denke es wird klar worauf ich hinaus will…

    Für das alles steht der FC St. Pauli und meine Verbundenheit zu diesem Verein und den Menschen, die ich dadurch kennen und lieben gelernt habe.

    Wie jede Beziehung muss diese gepflegt werden und zwar von beiden Seiten. Ich unterstütze meinen Verein durch Mitgliedsbeiträge, in dem ich Merchandiseartikel kaufe, zu Spielen fahre und Eintritt bezahle und teil meiner Freizeit auf Aktivitäten wie Teilnahme an der JHV oder des FCSR verwende. Ich bin aktiv in einem Fanclub und promote dem FC St. Pauli und seine Werte gegenüber anderen Leuten. Im Gegenzug erwarte ich von meinem Verein, repräsentiert durch das Präsidium (welches den Souverän, nämlich die Mitglieder und damit auch mich vertritt), dass er alle Anstrengungen unternimmt um die Werte zu pflegen und zu erhalten, weswegen ich dies alles mache. Dies natürlich nicht nur für den Hauptvereinszweck Sport, sondern auch für das Vereinsleben. Ich erwarte, dass meine Meinung eingeht in Entscheidungen und ich erwarte absolute Transparenz in alle Angelegenheiten, die die Vereinspolitik gestalten. Das ist der Deal, dafür gründet man Vereine.

    Und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Ausgründung von Wirtschaftseinheiten aufgrund finanzverwaltungstechnischer Vorschriften steht diesem Vereinszweck nicht entgegen, denn Eigentümer bleibt der Verein und seine Mitglieder.

    Nun ist völlig klar, dass ein Verein wie der FC St. Pauli immer eine Gratwanderung zwischen dem Status Quo der Gesellschaft und dem „Anderssein“ vollzieht. Mit anderen Worten, während sich viele Vereine und deren Mitglieder dem obrigkeitshörigen, kapitalistischen Diktat des kommerziellen Eventmanagements unterwerfen um im Falle des (sportlichen) Erfolgs ein vermeintliches Wachstum und Profitmaximierung anzustreben, möchte die überwiegende Mehrheit der Mitglieder und aktiven Fans des FC St. Pauli beweisen, dass (sportlicher) Erfolg auch ohne die völlige Hingabe an den kapitalistischen Mainstream möglich ist.

    Nun, ich schrub von „völliger Hingabe“, wohlwissend, dass viele Instrumente des betriebswirtschaftlichen Giftschranks sehr wohl geeignet sind ökonomischen Erfolg zu generieren, ohne sich damit unter die Herrschaft des Kapitals und seiner gesellschaftszerstörerischen Eigenarten zu begeben. []

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Spuren …

Ein Mensch ist gestorben, das passiert weltweit  …ich weiß es nicht …millionenfach oder sind es nur Hunderttausende? Ich könnte das jetzt googeln, aber ich habe gerade keine Lust. Ich schaue Bilder an, Fotos auf Totholz, ich will sie digitalisieren. Ich mag es sehr Dinge digitalisiert zu haben, es ist so schön einfach mit digitalisierten Dingen umzugehen. Wenn man sie aneinanderreiht bekommt man eine Chronik der Dinge, auch das gefällt mir. Mit dem Internet zusammen kann man diese Dinge immer alle dabeihaben und man kann damit Spuren hinterlassen …Spuren, denen andere folgen können und dies sogar theoretisch bis in alle Ewigkeit.

Aber darum geht es gar nicht. Am Freitag ist ein Mensch gestorben. Jemand den ich mal sehr gut kannte, irgendwann habe ich ihn nur noch gekannt, aber ich hätte ihn jederzeit wieder so kennen können, wie ich ihn schon mal gekannt hatte. Wir haben uns nie gestritten, wir haben uns nur aus den Augen verloren. Aus den Augen ja, nicht aus den Ohren, denn immer wenn ich gemeinsame Bekannte gesehen hatte, wurde zumindest kurz auch über ihn gesprochen. Ich habe seine Spur immer gehabt, wenn sie auch immer schwächer wurde. Aber auch das hätte man jederzeit ändern können, ich wusste ja immer wo er war, genauso wie er immer wusste wo ich war. Ich bin sogar sicher, wenn er gemeinsame Bekannte traf, wurde auch immer zumindest kurz über mich gesprochen.

Seine Dinge waren nicht so digitalisiert wie meine Dinge, obwohl er die Qualifikation und auch das Equipement dazu besaß. Aber seine Spur hatte ich trotzdem, nun wird sie eben noch schwächer, oder sie endet, aber man kann sie immer zurückverfolgen …wie ich hier mit meinen Fotos.

Er ist groß, dunkle Locken. Er war immer irgendwie präsent, er war bekannt, beliebt. Er war intelligent und qualifiziert, interessiert und unsicher genug sich auch zu hinterfragen. Er hatte Ideen und war sehr begeisterungsfähig. Er war auch solide und uneingebildet, gradlinig. Er war erfolgreich, führte, kreierte und diente …irgendwann drang er sogar für eine kurze Zeit in einen Bereich ein, den ich, ohne Absicht, nur gefühlt, für mich nur sehr nahestehenden Menschen reserviert wähnte. Er war auch geeignet ein Vorbild zu sein und Menschen schauten zu ihm auf und wollten seinen Rat.

Irgendwann kam aber etwas durcheinander und sein Leben entwickelte sich anders …schlechter würden manche sagen, freier würden es andere nennen. Hier wird die Spur für mich schwächer und schwächer, mein Interesse schwindet, obwohl das so nicht stimmt, ich unterschätze, verschätze oder beschönige, aber das Interesse an der Person wird nicht schwächer, das Interesse an den Dingen dieser Person ja, sie sind nicht so digitalisiert, wie es für mich praktisch gewesen wäre …

Er verpasste wohl irgendeine Kurve im Leben, vielleicht war es mit Absicht, vielleicht war er gewissen Dingen gegenüber überdrüssig, vielleicht war es auch nur der ganz alltägliche Wahnsinn des Hire&Fire, des Überflüssigmachens von „Human Capital“, diese ganze verdammte Notwendigkeit zur Lohnsklaverei. ich weiß es nicht. Ich könnte sicherlich danach fragen, ebenso wie ich danach fragen könnte ob er sich in sein „Schicksal“ fügte oder ob er resignierte oder ob er durchaus bereit war die Situation zu ändern …das alles könnte ich erfragen, nur wie gut sind die Antworten?

Ich kenne Menschen, die würden alles tun um den Demütigungen zu entgehen, die man erdulden muss, um das zu bekommen, was in einem der reichsten Länder der Erde Hartz IV genannt wird. Die sich bereitwillig als 1-Euro-Sklaven und Aufstocker verdingen, nur um nicht noch den letzten Rest ihrer vermeintlichen Würde zu verlieren. Eine Würde, die zweifelsohne nur im Auge des Betrachters liegt und manche dieser Betrachter sind einfach nicht relevant. Und ich kenne Menschen, deren größtes Problem es ist, dass das „Fordern“  der Agentur, der Regierung, des Staates und seiner Bevölkerung (in deren Namen das „Fordern“ angeblich sein soll) so absurd wird, dass es besser ist auf das „Fördern“ auch noch zu verzichten. Menschen die in ihrer extrem knapp bemessene Zeit mehr für die Menschheit leisten als so mancher „übergeförderte“ Konzernchef. Ich weiß nicht wo auf diesem Kontinuum sich dieser Freund befand, der am Freitag verstarb. Vielleicht war er auch zwischen diesen Extremen hin- und hergerissen und dies führte schließlich zu dem was am Freitag geschah. Diese Zerissenheit kann einen Menschen  körperlich beeinträchtigen, was in seinem Fall wohl gewesen sein soll, wie gesagt, seine Spur war schwach, vielleicht konnte ich sie nicht mehr richtig lesen, bzw. deuten.

Ihn traf der Schlag und er erholte sich nicht mehr …vielleicht war es sein körperlicher Zustand, vielleicht war die Rettung zu langsam, vielleicht war es auch seine Entscheidung. Kausalkette, Zufall, Wille …er starb am Freitag … friedlich, so wird berichtet, die Spur verstärkt sich kurz, es standen viele Freunde an seinem Bett auf der Intensivstation, als er starb, friedlich…

Ich bekam einen Anruf, eine Stunde nach seinem Tod, Ich kannte ihn einmal sehr gut, ich kannte ihn jetzt „nur“ noch und sitze hier und betrachte Fotos auf totem Holz. Ich verfolge die Spur zurück und sie wird immer stärker. Er war präsent, groß, muskulös, gradlinig, qualifiziert, intelligent, uneingebildet, führend und voller Ideen. Andere gehen diese Spur auch zurück, sie lesen sie anders, deuten sie anders …ich werde die Bilder auf totem Holz digitalisieren und, zumindest theoretisch, wird somit auch seine Spur auf ewig weitergehen und wir haben sie immer dabei …

Vielleicht sitzt ja wirklich irgendwo jemand an einem besseren Ort und macht Häkchen auf einer Liste mit vielfältigen Eigenschaften und Situationen, die ein Mensch annehmen und durchleben kann. Und vor ihm steht der Freund der am Freitag verstarb und der, der die Häkchen auf der Liste macht sagt …Herzlichen Glückunsch, treten sie ein, bei den vielen Häkchen war ihr Leben ziemlich perfekt.

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